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Konzert-Rezension

Mexikanische Maya-Musik im Panorama-Museum

Dienstag, 17. März 2026, 12:30 Uhr
Maria-Moctezuma singt  am Panorama-Museum (Foto: Fred Böhme) Maria-Moctezuma singt am Panorama-Museum (Foto: Fred Böhme)
Als am Freitagnachmittag vergangener Woche Maria Moctezuma und ihr belgischer Tourbegleiter Freddy Spaepen ihren Transporter auf dem Panorama-Vorplatz verließen, glich erstere einem Häufchen Unglück. Maria ist krank, wurde gleich bei der Begrüßung mitgeteilt...

Da fragt man sich als Veranstalter, ob der geplante Konzertabend stattfinden kann und gleich als nächstes, wie die Rückzahlung der bereits erworbenen Tickets erfolgen und man die enttäuschten Besucher trösten soll? Musiker sind wahrlich keine Schwerverdiener, also Zähne zusammengebissen und irgendwie da durch. Vielleicht hilft eine heftige Tablettendosis und eine Kanne Tee mit Honig?

Tatsächlich stand Maria gegen Acht in einem bunten Mayakleid und hinter einer metallisch glänzenden, seltsamen Maske verborgen auf der Bühne, was irgendwie irritierte und an ihren ersten Auftritt vor drei Jahren an dieser Stelle erinnerte, wo sie ihren Kopf unter einem Tuch verhüllt ihren Aufritt begann und startete das Konzert.

Zum Glück entledigte sie sich beim zweiten Stück dieser Maskierung. Ihre Stimme war heiser – zuvor hatte sie über starke Halsschmerzen geklagt – und auch ihr Soundcheck vor dem Konzert war nicht optimal gewesen. Immerhin funktionierten ihre Technik und sie selbst auch irgendwie. Was sie unter diesen Umständen präsentierte, war immer noch faszinierend, wenn auch anfangs nicht immer besonders Ohren freundlich. Das änderte sich erst im zweiten Konzertteil nach kleineren Korrekturen während der Konzertpause an ihrem auf der Bühne befindlichen Mischpult und einer besser funktionierenden Konzertdramaturgie.

Schon das Auftaktstück „Mojer Maiz“, was so viel wie „Mais gießen“ hieß, zeigte sie als Multiinstrumentalistin an der Gitarre, dem Bass, diversen traditionellen Flöten und Blasinstrumenten und Percussions sowie als virtuose Nutzerin des Loopgerätes, mit dem sie einen erstaunlich dichten Begleitsound für ihre Stücke kreierte und dazu mit einer tiefen, rauen Frauenstimme ihre zumeist selbst geschriebenen Lieder vortrug. Maria stellte sich in gebrochenem Deutsch vor. Sie entstammt einem zentralmexikanischen Maya-Dorf, ist seit zwei Jahren in Deutschland verheiratet und ist - wie ihr Name sagt, entfernt mit dem letzten Azteken-Herrscher Mexikos verwandt. Ihre Musik wurzelt ganz in der lateinamerikanischen Tradition und enthält Stilelemente von Samba, Merengue, Polka, Mariachi, Bossa, Cumbia und durchsetzt mit indigenen Elementen. Gelegentlich spielte sie mit sehr starken Echoeffekten, die ihre Gesangsstimme in riesige Hallräume stellte, was sicher zu Lasten der Textverständlichkeit ging, die ohnehin die wenigsten der Anwesenden verstanden. Nur zwei der Besucher sprachen besser Spanisch und wurden von ihr zu Beginn gefragt, warum sie Spanisch verstünden.

Im zweiten Stück „Rojo el ojo“ thematisierte sie ein „seltsames Tier“ – vermutlich ein Fabelwesen – der Indigenen Mexikos, ein Song, der tief in der traditionellen mexikanischen Musik wurzelte und ohne größeres Instrumentarium auskam, d.h. sie begleitete ihren Gesang lediglich auf der Gitarre. „Xmajana“ trug sie in einem heute oft marginalisierten Maya-Dialekt vor, den sie mit Deutsch verglich, der dann doch eher irgendwie slawisch und nach einer rätselhaften Beschwörungsformel klang. Sie zauberte ihr gesamtes indigenes Instrumentarium hervor, spielte einen nach Urwald klingenden Loop ein und mit einer Rassel gewappnet umrundete sie ihr Publikum wie in einem Voodoo-Zauber. Das gab dem Abend eine ziemlich besondere Note, erst recht als sie dann noch auf der großen Muschel blies, was irgendwie an ein Nebelhorn eines Ozeandampfers erinnerte. Stücke wie diese, ließen klanglich die Tierwelt des Dschungels erwachen und entführten das Publikum in sehr exotische Gefilde.

Im zweiten Konzertteil war das Programm songorientierter und dramaturgisch stringenter und durch eine stärkere Einbindung des Publikums in Gesangs- und Tanzeinlagen war es endlich gewonnen. Am Ende bejubelten die Gäste diese sympathische Musikerin, die sich durchaus als geschickte Entertainerin erwies und das alles trotz ihrer gesundheitlichen Probleme bei diesem Konzert.
Fred Böhme
Autor: red

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