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Lehrerverband fordert wirksamen Schutz und klare Unterstützung

Gewalt gegen Lehrkräfte nimmt weiter zu

Mittwoch, 15. April 2026, 14:10 Uhr
Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) bestätigt eine besorgniserregende Entwicklung: Lehrkräfte werden immer häufiger Opfer von Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen. Was lange als Einzelfall abgetan wurde, hat sich längst zu einem strukturellen Problem entwickelt – auch an Thüringer Schulen...

„Die Zahlen der Polizeistatistik bestätigen, was viele Kolleginnen und Kollegen täglich erleben: Gewalt gegen Lehrkräfte ist traurige Realität geworden“, erklärt Tim Reukauf, Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverbandes. „Schulen sind keine abgeschotteten Räume. Sie spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider – und zunehmend wird Frust aus Politik, Gesellschaft und Elternhäusern direkt an Lehrkräften abgeladen.“

Seit Jahren weist der tlv darauf hin, dass Schulen immer stärker unter Druck geraten. Lehrkräfte übernehmen neben Unterricht und pädagogischer Arbeit zunehmend Aufgaben, für die weder Zeit noch professionelle Unterstützung vorhanden sind. Gleichzeitig fehlt es häufig an Rückhalt, wenn es zu Übergriffen kommt. Besonders alarmierend: Bundesweite Befragungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Schulleitungen angibt, Gewaltvorfälle würden von Schulbehörden nicht immer ausdrücklich zur Meldung ermutigt. „Das ist fatal“, so Reukauf. „Wer Probleme nicht erfasst, kann sie auch nicht lösen.“

Der tlv fordert daher einen offenen und ehrlichen Umgang mit Gewalt an Schulen. Dazu gehören niedrigschwellige, verbindliche Meldewege, eine konsequente statistische Erfassung sowie vor allem klare Unterstützung für betroffene Lehrkräfte. „Es darf nicht sein, dass Kolleginnen und Kollegen nach einem Übergriff allein gelassen werden oder sich rechtfertigen müssen, weil sie Hilfe einfordern“, betont Reukauf.

Neben einem besseren Schutz fordert der tlv auch präventive Maßnahmen. „Prävention ist der Schlüssel. Jeder einzelne Gewaltvorfall ist einer zu viel“, erklärt der Landesvorsitzende. Notwendig seien flächendeckende multiprofessionelle Teams aus Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Fachkräften, die Schulen im Umgang mit Konflikten, Eskalationen und Krisen dauerhaft entlasten. Gleichzeitig brauche es klare rechtliche Rahmenbedingungen, die Lehrkräfte als Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wirksam schützen.

„Lehrkräfte sind Angestellte des öffentlichen Dienstes – genau wie Beschäftigte bei Polizei oder Rettungsdiensten“, stellt Reukauf klar. „Sie verdienen mehr als symbolische Gesten. Sie brauchen echten Rückhalt durch ihren Dienstherrn, klare politische Entscheidungen und konkrete Schutzkonzepte.“

Schulen tragen eine zentrale Verantwortung für Bildung, Erziehung und demokratisches Miteinander. Damit sie dieser Aufgabe gerecht werden können, müssen Sicherheit und Schutz des Personals oberste Priorität haben. „Wer starke Schulen will, muss die Menschen stärken, die dort arbeiten“, so Reukauf abschließend.
Autor: red

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