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Meine Meinung:

Wer einmal lügt…

Donnerstag, 16. April 2026, 11:59 Uhr
Es ist schon lange her, wenn man die nachrichtliche Schnelligkeit heutzutage als Maßstab nimmt, aber vergessen sollte man nicht: Das, was Anfang 2024 durch die mediale Landschaft schwappte und zudem hunderttausende Menschen auf die Straße trieb, war letztlich ein orchestrierter Geheimplan. Nur: die Herausgeber waren im Lager der selbst ernannten Gutmenschen zu finden…

Geheimplan gegen Deutschland? (Foto: Tom auf Pixabay) Geheimplan gegen Deutschland? (Foto: Tom auf Pixabay)
Ein Team von vermeintlichen Journalisten, deren Geschäftsmodell zum großen Teil aus öffentlichen Geldern am Leben gehalten wird, machte sich auf und spionierte, lauschte mit, was bis dato eher unbekannte Akteure aus der rechten, vielleicht auch rechtsradikalen Szene sich zu sagen hatten. Mit dabei auch Menschen mit AfD und CDU-Parteibüchern in den Taschen. Rechte eben.

Was dann der Öffentlichkeit angeboten wurde, war die Katastrophe schlechthin, denn das Ergebnis der “Reportage” war schlicht und ergreifend, dass den Menschen zwischen Flensburg und Garmisch suggeriert wurde, dass die AfD - sollte sie einmal an der Macht sein - Millionen Menschen mit Migrationshintergrund selbst auch solche mit deutschem Pass - aus diesem Land remigrieren, also abschieben wolle.

Correctiv im Zusammenspiel mit all jenen, die sich zur Zivilgesellschaft zählen, hatte ein Ziel: Die AfD, die sich im Jahr 2023 bereits im demoskopischen Aufwind befand, fertig zu machen. Das mag jetzt profan daherkommen, aber genauso war es. Die Schlimme daran: Es funktionierte. Im großen Orchester “unserer Demokratie” spielten der Öffentlich-rechtliche Rundfunk, die meisten sogenannten systemrelevanten Medien und die Politik von Brüssel über Berlin und Erfurt bis nach Nordthüringen die große Oper des “Geheimplans gegen Deutschland”.

Correctiv spielte plötzlich in einer Liga mit dem Spiegel, der Süddeutschen, mit ARD und ZDF, mit NYT und Washington Post. Was für ein Coup? Und der gemeine Leser, Hörer oder Zuschauer sah sich bestens informiert. Zum Beispiel durch die Tagesschau, die einen Beitrag folgendermaßen betitelte: „Millionen Deutsche haben Angst vor Abschiebungen“.

Wer dieses perfekt organisierte Zusammenspiel zwischen Medien und herrschender Politik auch nur annähernd kritisch hinterfragte, der war selbstverständlich nicht (mehr) Teil “unserer Demokratie”, sondern irgendwo rechts, was im links-grünen Sprech gleichbedeutend mit rechtsextrem, rechtsradikal oder rechtsextremistisch wie ein Narrativ gleichgesetzt wurde.

Nun ist von der correctiven Meisterleistung fast nichts mehr übrig geblieben. Andreas Rosenfelder schrieb gestern in einem Kommentar in der WELT: Inzwischen ist klar: Fast die gesamte Medienberichterstattung zum „Geheimplan“, die an Hysterie grenzte und – im Zusammenspiel mit NGOs und populistischen Spitzenpolitikern von CDU, SPD, FDP und Grünen – eine beispielloseDemonstrationswelle „gegen rechts“ in Bewegung setzte, beruhte auf einer Falschbehauptung, oder, um Lieblingsbegriffe dieses politisch-medialen Milieus zu verwenden: auf „Fake News“ und „Desinformation“.

Warum das Thema gestern im rauschenden Medienwald noch einmal aufploppte, liegt in dem veröffentlichten Urteil des Landgerichts Berlin begründet.

Was also bleibt? Es bleibt der Verdacht, dass ein Orchester spielte, dessen einer Teil - die Medienlandschaft - den anderen Teil - die Politik - kritisch betrachten müsste. Statt der notwendigen Distanz wurde im Gleichtakt die passende Melodie gespielt. Noch einmal die WELT: Was aber bleibt von der „Correctiv“-Geschichte, wenn vom „Masterplan“ nichts zurückbleibt? Eine bis auf die Knochen blamierte Medienlandschaft – und viele offene Fragen, vor allem an die Politik und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.Denn sie haben die Steuergelder und Rundfunkbeiträge der Bürger dazu benutzt, eine Kampagne zu befeuern, von der sie leicht hätten feststellen können, dass daran etwas faul ist – und dass die zentrale Aussage nicht mit Beweisen unterfüttert wird.

Das sind die aktuellen Schlagzeilen
  • Tagesspiegel: Streit um „Correctiv“-Bericht zur „Remigration“ Die aufgebaute Kulisse fällt nach und nach um.
  • NZZ: Urteil des LG Berlin gegen Correctiv: Der «Geheimplan» bricht in sich zusammen
  • FAZ: Gericht seziert „Masterplan“-Story von Correctiv
  • BZ: Urteilsbegründung: Deswegen stuft Gericht den Correctiv-Bericht als unwahr ein
  • Focus: Über die krasse Dreifach-Niederlage von Correctiv wird kaum berichtet


Warum wärme ich an dieser Stelle kalten Kaffee noch einmal auf? Weil ich selbst in frühen Berufsjahren daran beteiligt war, als Medien und Politik immer und immer wieder in die gleiche Richtung marschierten und immer wieder die gleichen Lieder sangen, und weiß, wie gefährlich dieser Gleichschritt für unser Gemeinwesen, für “unser aller Demokratie” ist.

Das Gute am Schlechten ist jedoch, dass die Demokratie mit ihrer Gewaltenteilung hier und da noch funktioniert. Es gibt nun ein klares, ein vernichtendes Urteil, das zwar noch nicht rechtskräftig ist und von correctiv angefochten wird, das aber jetzt schon Auswirkungen haben sollte. Wenn eine Recherche beginnt, dann sollte das Ergebnis nicht vorgegeben sein, sondern am Ende in einem Medienbeitrag enden. Der Fall zeigt aber auch, wie gefährlich es ist, wenn Medien die Politik nicht mehr hinterfragen, sondern wenn Politik Medien alimentiert. Dann bleibt immer der fade Nachgeschmack von dem Lied, das ich singe, weil ich ein bestimmtes Brot esse. Oder noch schlimmer: wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

Damals, Anfang 2024, maßten sich Journalisten an, die correctiv-story mit der Watergate-Affäre zu vergleichen. Diesmal - so die Erkenntnis - ist es eigentlich umgekehrt, denn… “Denn diesmal haben Journalisten nicht zur Aufklärung beigetragen, sondern im Gegenteil selbst eine irreführende politische Inszenierung geschaffen, an der andere Journalisten völlig kritiklos mitwirkten – allein schon dadurch, dass sie ihren natürlichen Instinkt, alles gründlich und kritisch zu prüfen, vollständig abschalteten. Einige unbestechliche Reporter und Juristen haben – als echtes Korrektiv – diese Konstruktion durch beharrliches Nachfragen entlarvt”, schreibt Andreas Rosenfelder.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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