kyffhaeuser-nachrichten.de
NABU kritisiert Aufnahme in das Bundesjagdgesetz

Wie weiter mit dem Wolf?

Freitag, 01. Mai 2026, 13:15 Uhr
Zum gestrigen "Tag des Wolfes" warnte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vor einer einseitigen Jagd-Debatte. Statt Lösungen zu fördern, droht sie die Erfolge der letzten 26 Jahre im Zusammenleben von Mensch, Weidetieren und Wolf zu gefährden. Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz wird aus NABU-Sicht keine Probleme lösen, sondern neue schaffen...

NABU-Expertin für Wölfe und Beweidung Marie Neuwald erklärt: „Die politische Debatte kreist seit Jahren fast ausschließlich um Abschüsse. Dabei verhindert Bejagung keine Risse – das leistet nur wirksamer Herdenschutz. Entscheidend ist, dass Weidetierhaltende verlässlich unterstützt und beraten werden und die Politik hier Verantwortung übernimmt.“

Rechtliche Unsicherheiten und falsche Anreize
Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz ist Anfang April in Kraft getreten. Der NABU appelliert an die Länder, nicht in eine reguläre Bejagung einzusteigen, und warnt vor einem Flickenteppich unkoordinierter Abschüsse. „Beginnen Länder jetzt unkoordiniert mit der Jagd, droht ein Rückfall in einen ungünstigen Erhaltungszustand – mit Konflikten zum EU-Recht“, so Neuwald. Mindestens braucht es länderübergreifende, wissenschaftlich fundierte Konzepte zur Sicherung des Erhaltungszustands, die neben Abschüssen auch Verluste durch Verkehr und Krankheit einbeziehen

Herdenschutz wirkt – Bejagung nicht
Herdenschutz wirkt nachweislich: Die Risszahlen sinken seit Jahren, obwohl die Zahl der Wölfe steigt. Grund sind Förderprogramme und das Engagement vieler Betriebe.
Neuwald betont: „Bejagung darf nicht als Ersatz oder Erleichterung für Herdenschutz verkauft werden. Wölfe halten dadurch nicht mehr Abstand zu Weiden und bleiben für ungeschützte Tiere ein Risiko “

Etablierte Strukturen und Wissen gehen verloren
Der NABU warnt zudem vor dem Abbau bewährter Förder- und Beratungsstrukturen. Zuständigkeitswechsel und der politische Fokus auf Jagd verunsichern viele Weidetierhaltende.

Deutschland verfügt über eines der besten Wolfsmonitorings Europas sowie praxiserprobte Konzepte im Umgang mit problematischem Wolfsverhalten. „Dieses Wissen darf nicht der Illusion geopfert werden, Jagd könne das Problem lösen“, so Neuwald.

Neuer Faktencheck zu Wolf und Herdenschutz
Zum Tag des Wolfes veröffentlicht der NABU einen Faktencheck zu zehn verbreiteten Vorurteilen und Missverständnissen – etwa zu Herdenschutzzäunen und Sprungverhalten von Wölfen.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de