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Erfolgreiche Therapie

Dienstag, 02. Oktober 2007, 11:08 Uhr
Nordhausen/Sondershausen (nnz). Das Schloss Sonderhausen ist die historische Kulisse für ein Symposium, das sich mit den modernsten und innovativsten Techniken im Bereich der Strahlentherapie zur Krebsbehandlung beschäftigt. Mehr zu diesem zweiten Symposium seiner Art in Ihrer nnz.


Am 5. und 6. Oktober beraten Experten aus Deutschland und der Schweiz über die Erfahrungen und Vorteile der so genannten intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT). „Die Einführung dieser Therapieform in die klinische Praxis ist sicher eine der bedeutendsten methodischen Entwicklungen in der Strahlentherapie im vergangenen Jahrzehnt“, so Dr. Wolfgang Oehler, Chefarzt der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie in Nordhausen. „Erstmals orientiert sich das Denken der Radioonkologen nicht mehr an den im Röntgenbild sichtbaren Knochenstrukturen zur Einstellung der Bestrahlungsfelder, sondern am ganz individuell geformten Tumor jedes einzelnen Patienten“.

So hat neben den ganz unterschiedlichen Formen eines Tumors das Lymphabstromgebiet häufig bogenförmige Konturen, weil es z. B. um die Wirbelsäule herum liegt. Mit der IMRT ist es erstmals möglich, die Strahlungsdosis an diese bogenförmigen Strukturen anzupassen. So wird nahezu ausschließlich das echte „Zielgebiet“ bestrahlt, während die in unmittelbarer Nähe liegenden - häufig sehr strahlenempfindlichen - gesunden Gewebe, wie Harnblase, Enddarm und Dünndarm, besser geschont werden können.

Das Verfahren besteht darin, dass über das Bestrahlungsfeld eine Viellamellenblende (MLC= Muti-Leaf-Collimator) bewegt wird, die sich bei tumortragenden Bereichen öffnet und über gesunden Geweben schließt. Wird nun aus sieben bis zehn verschiedenen Winkeln bestrahlt, ist praktisch jede noch so irreguläre Tumorform vollständig zu erfassen.

Bereits vor drei Jahren hatte im Schloss Sondershausen das erste IMRT-Symposium stattgefunden. Der 2000. mit IMRT in der Strahlenklinik Nordhausen bestrahlte Tumorpatient ist nun Anlass, mit internationalen Experten erneut über die aktuelle Situation bei der IMRT zu beraten. Diskutiert und analysiert werden unter anderem die Organtumoren, bei der die Anwendung von IMRT notwendig und sinnvoll ist. Darüber hinaus befasst sich ein Beitrag mit dem Vergleich der Nebenwirkungen von der republikweit üblichen, konventionellen 3 D-Bestrahlung zur IMRT des Prostatakarzinoms. Die Nordhäuser Strahlenklinik stellt dabei die erfassten Nebenwirkungsprofile vor.

Die Erfahrungen von 458 Patienten mit Krebs der Vorsteherdrüse zeigen, dass nur zeitweilige Beschwerden wie gesteigerte Häufigkeit beim Wasserlassen beobachtet wurden, die gefürchteten Spätfolgen wie Blutungen aus dem Enddarm oder chronische Veränderungen an der Harnblase hingegen gänzlich ausblieben. „Das sind sehr überzeugende Ergebnisse“ so Dr. Oehler. „Wir sind von der schonenden und hoch effektiven Wirkung der IMRT sehr überzeugt und sind optimistisch, dass unsere Erfahrungen aus Nordhausen auch bald Grundlage für die Einführung der IMRT in anderen Kliniken sein wird.“

Ebenfalls im Rahmen der Tagung diskutiert werden die Qualitätsanforderungen an eine Klinik, die diese Methode einführen will. Eine neue kanadische IMRT-Methode wird erstmals in der Öffentlichkeit demonstriert.

Von 110.000 Patienten, die im vergangenen Jahr eine Strahlentherapie über sich ergehen lassen mussten, wurden gerade einmal 4318 Patienten mit IMRT bestrahlt. Dazu Dr. Oehler: „Auch mit dieser Frage werden wir uns in Sondershausen beschäftigen: Warum hat sich diese nebenwirkungsarme Methode noch nicht weiter durchgesetzt, zum Wohle der Patienten“.
Autor: nnz

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