Briefe aus Bad Füssing (1)
Samstag, 29. Dezember 2007, 14:35 Uhr
Es liegt eine himmlische Ruhe über dem kleinen Ort am Inn. Zwischen ausgedehnten Spaziergängen und Bädern im heißen Thermalwasser bleibt Zeit für Gedanken, die immer schon mal aufgeschrieben werden sollten.
Am Ende eines Jahres bleibt mitunter viel Zeit fürs Nachdenken. Da bleiben mir immer wieder die Bilder in Erinnerung, die diese, unsere Gesellschaft in ein rechtes Licht rücken sollen. Überall wird gespendet. Kaum ein TV- oder Radiosender, der im Dezember nicht irgendeinen Spendenmarathon im Programm hat. Am idealsten, das drückt besser aufs Herz und erleichtert den Griff in die Geldbörse, geht das mit Kindern, die unserer Hilfe bedürfen.
Man stelle sich vor, da wird um Spenden gebeten für ein Kind, das an Krebs erkrankt ist (unter dem geht es ja auch nicht mehr). Dieses Kind könnte (vielleicht) geheilt werden, wenn es einer 100.000 Euro teuren Operation unterzogen wird. Vor Jahren war mit solchen OP’s immer ein Ausflug in die USA verbunden. Diesmal allerdings sollte damit eine Operation im Uni-Klinikum in Jena finanziert werden.
Das die Jenaer Mediziner so gut sind, ist wunderbar. Dass einem schwerkranken Kind und dessen Eltern dafür 100.000 Euro abgeknöpft werden sollen, das schlägt für mich dem bekannten Faß den Boden aus. Die Familie des Kindes bringt die lächerliche Summe für die OP natürlich nicht auf und ein bekanntes Boulevard-Magazin hängt sich dran. Es ist nicht die Antwort auf die Frage, ob die sechsstellige Summe zusammengekommen ist? Es ist vielmehr die Antwort auf die Frage, warum eine Gesellschaft es zulässt, dass nur ein Spendenaufruf das Leben dieses Kindes vielleicht retten könnte?
Ist es nicht die verdammte Pflicht einer Gesellschaft, die aus Menschen gemacht ist, jedem Menschen die gleichen Chancen zu bieten? Die gleichen Chancen auf Bildung, auf Erziehung, auf Arbeit und – eben auch auf das Leben, was die Chancen auf Gesundheit und Gesundung impliziert?
Die Gesellschaft, deren Teil wir nun alle mal sind, kann das schon lange nicht mehr leisten. Nicht mehr leisten, weil es die Politik nicht leisten kann? Nicht leisten will. Getrieben von einer immer sich noch globalisierenden Wirtschaft, hechelt man in Berlin oder Erfurt immer hinterher. Und immer durchsichtiger werden Motive des politischen Handelns.
Das Schlimmste an diesem Gebaren ist allerdings der Umstand, dass es niemanden mehr zu stören scheint. Kein Parteimitglied an der sozial- oder christdemokratischen Basis, keinen Studenten, der jetzt Gebühren zahlen muss, keinen Hilfebedürftigen, der ums tägliche Überleben kämpft, keinen Jobinhaber, der trotzdem nicht soviel in der Lohntüte hat, dass es zum einfachen Leben reicht. Solange die Regierenden weiter so regieren können, solange macht denen das Vor-Sich-Her-Getrieben-Werden doch jede Menge Spaß. Schließlich will man es sich mit der eigentlich in diesem Lande regierenden Fraktion, den Unternehmen, nicht verderben. Dann gäbe es sicher nicht mehr solch lukrative Nebenjobs für einen Herrn Merz.
Und was hat das alles mit dem Kind und der 100.000 Euro teuren Operation zu tun? Diese Frage können sich die nachdenklichen Menschen wohl selbst beantworten. Allerdings zu viele richtige Antworten sind nicht gut für’s System – oder?
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Samstag und verbleibe mit freundlichen Grüßen aus dem Falkenhof
Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzAm Ende eines Jahres bleibt mitunter viel Zeit fürs Nachdenken. Da bleiben mir immer wieder die Bilder in Erinnerung, die diese, unsere Gesellschaft in ein rechtes Licht rücken sollen. Überall wird gespendet. Kaum ein TV- oder Radiosender, der im Dezember nicht irgendeinen Spendenmarathon im Programm hat. Am idealsten, das drückt besser aufs Herz und erleichtert den Griff in die Geldbörse, geht das mit Kindern, die unserer Hilfe bedürfen.
Man stelle sich vor, da wird um Spenden gebeten für ein Kind, das an Krebs erkrankt ist (unter dem geht es ja auch nicht mehr). Dieses Kind könnte (vielleicht) geheilt werden, wenn es einer 100.000 Euro teuren Operation unterzogen wird. Vor Jahren war mit solchen OP’s immer ein Ausflug in die USA verbunden. Diesmal allerdings sollte damit eine Operation im Uni-Klinikum in Jena finanziert werden.
Das die Jenaer Mediziner so gut sind, ist wunderbar. Dass einem schwerkranken Kind und dessen Eltern dafür 100.000 Euro abgeknöpft werden sollen, das schlägt für mich dem bekannten Faß den Boden aus. Die Familie des Kindes bringt die lächerliche Summe für die OP natürlich nicht auf und ein bekanntes Boulevard-Magazin hängt sich dran. Es ist nicht die Antwort auf die Frage, ob die sechsstellige Summe zusammengekommen ist? Es ist vielmehr die Antwort auf die Frage, warum eine Gesellschaft es zulässt, dass nur ein Spendenaufruf das Leben dieses Kindes vielleicht retten könnte?
Ist es nicht die verdammte Pflicht einer Gesellschaft, die aus Menschen gemacht ist, jedem Menschen die gleichen Chancen zu bieten? Die gleichen Chancen auf Bildung, auf Erziehung, auf Arbeit und – eben auch auf das Leben, was die Chancen auf Gesundheit und Gesundung impliziert?
Die Gesellschaft, deren Teil wir nun alle mal sind, kann das schon lange nicht mehr leisten. Nicht mehr leisten, weil es die Politik nicht leisten kann? Nicht leisten will. Getrieben von einer immer sich noch globalisierenden Wirtschaft, hechelt man in Berlin oder Erfurt immer hinterher. Und immer durchsichtiger werden Motive des politischen Handelns.
Das Schlimmste an diesem Gebaren ist allerdings der Umstand, dass es niemanden mehr zu stören scheint. Kein Parteimitglied an der sozial- oder christdemokratischen Basis, keinen Studenten, der jetzt Gebühren zahlen muss, keinen Hilfebedürftigen, der ums tägliche Überleben kämpft, keinen Jobinhaber, der trotzdem nicht soviel in der Lohntüte hat, dass es zum einfachen Leben reicht. Solange die Regierenden weiter so regieren können, solange macht denen das Vor-Sich-Her-Getrieben-Werden doch jede Menge Spaß. Schließlich will man es sich mit der eigentlich in diesem Lande regierenden Fraktion, den Unternehmen, nicht verderben. Dann gäbe es sicher nicht mehr solch lukrative Nebenjobs für einen Herrn Merz.
Und was hat das alles mit dem Kind und der 100.000 Euro teuren Operation zu tun? Diese Frage können sich die nachdenklichen Menschen wohl selbst beantworten. Allerdings zu viele richtige Antworten sind nicht gut für’s System – oder?
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Samstag und verbleibe mit freundlichen Grüßen aus dem Falkenhof
Ihr Peter-Stefan Greiner
