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Vor 120 Jahren Kupferschieferbergbau

Sonntag, 20. Januar 2008, 10:02 Uhr
Nicht nur im Mansfelder Land wurde Kupferschiefer abgebaut, sondern auch bei uns in der Region am Südrand des Kyffhäusergebirges. Viele Leute wissen das schon nicht mehr.

Wie heißt es so schön, wer die Geschichte kennt, kann auch in der Zukunft etwas bewirken. Die Rohstoffe werden sich weltweit weiter verknappen, da muss man kein Prophet sein, um das vorauszusagen. Da ist es sicher interessant auch mal in Regionen zu schauen, die nicht mehr so im Fokus des Bergbaus standen. Da vor ca. 120 Jahren der Kupferschieferabbau in der Region Udersleben begann, hier ein Bericht unseres Leser Hans-Jürgen Schmidt:

Der Kupferschieferbergbau im Bereich Udersleben
Archivfoto Schacht Udersleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Archivfoto Schacht Udersleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Wenn im Frankenhäuser Intelligenz- Blatt Nr. 81 vom 11.10.1890 berichtet wird, dass „der vor mehr als Jahresfrist von der Firma Beckeraus Naumburg in der Flur unseres Nachbarortes Udersleben begonnenen Bergbau auf Udersleben mit besten Resultaten voranschreitet“,
so ist der Beginn des Bergbaus in diesem Bereich in das Jahr1888 zu datieren. Über die Anfangszeit berichtet die „Frankenhäuser Zeitung“ vom 11.10.1890 (Nr. 119) folgendes: „Wenn man zu Anfang dieses Unternehmens über den Schachte nur eine den Bergleuten bekannte Bretterhütte gewahrte, in welcher ein Locomobile zum Heben des Wassers ihre einförmige Bewegung ausführte, so sieht man gegenwärtig ein regelrecht aufgeführtes, großes Maschinenhaus, in dem eine Dampfmaschine mit 6 Atmosphären zur Förderung des Kupferschiefers und Hebung des Wassers eines zweiten eingetrieben Schachtes aufgestellt ist. Neben diesem Hause erhebt sich ein 46 m hoher Schlot. Die Schächte selbst sind etwa 25 bis 30 Meter tief und stoßen auf eine 125 – 150 Meter lange Strecke. Bis jetzt sind 46 Leute beschäftigt, doch soll dies Zahl derselben in kurzer Zeit bedeutend erhöht werden. Die Mächtigkeit des Kupferschiefers, indem außer einem ziemlichen Prozentsatz Erz
die bekannten Fischabdrücke von Palaeoniscus in schönen Exemplaren vorkommen, beträgt 12 bis 14 Zoll. Ein großes Haus, welches das Comptoir (Büro, Kontor, der Autor), das Laboratorium und den Aufenthaltsraum der Arbeiter bergen soll, ist im Bau begriffen. Die
späteren Schmelzöfen gedenkt man in der Nähe des Soolgrabens zwischen Ringleben und Esperstedt oder letzt genannten Orte und Frankenhausen zu bringen. – Infolge höherer Löhne, die beim Bergbau gezahlt werden, macht sich zum Leidwesen der Herrn
Ökonomen Uderslebens und anderer Nachbardörfer ein Mangel an Arbeitskräften schon recht fühlbar.“ Aus dieser Berichterstattung ist zusammenfassend zu entnehmen:

1. Der Schacht ( „die Schächte selbst“, heißt dies, dass es eventuell 2 Schächte gegeben hat ?) hatte eine Teufe von 25 bis 30 m. Davon September 1950 bis April 1952 versucht wurde, den Schacht wieder aufzuwältigen, sind ein paar weitere Fakten bekannt: Die Ackersohle befand sich bei 169, 8 m NN. Das Flöz wurde bei 139,4 m NN angetroffen, so dass die Schachtteufe von 30 m real ist. Der Schacht hieß„Frohe Zukunft“ und lag nördlich an der Straße zwischen Udersleben und Ichstedt . Die Gesteinsfolge ohne Meterangabe war wie folgt:

1. Schichten des Quartär.
2. Zechsteinkalk
3. Zechsteinkalk –brecciös
4. Dolomit
5. Kupferschiefer
6. Konglomerat
7. Sandstein ( vermutlich Rotliegende)

2. Das Flöz hatte eine Mächtigkeit von 25 bis 30 cm. Die Proben im Januar 1953 ergaben: Kupfer = 22 Kg / t, Blei= 9 kg / t, Zink= 3 kg / t, Silber=10 bis 40 g / t. Das Flöz selbst fällt mit ca. 5 Grad nach Süden ein. Der Schacht lag im Bereich mit dem Flurnamen „Breites Feld“.
3. Die Abbaumethoden dürften die gleichen gewesen sein, wie in
allen anderen Schächten, wo Kupferschiefer abgebaut wurde.
4. Über eine Schmelzhütte war nichts zu erfahren. Allerdings könnte
auf dem Bild (rechts) eine Anlage zum Schmelzen zu sehen
sein.
5. Die Belegschaft hatte eine Stärke von über 40 Mann.
6. Der Bergbau kam auch hier nie so recht zum Tragen, da es Geldschwierigkeit gab.
Dies kommt auch aus einem Bericht der „Frankenhäuser Zeitung“ vom 25.10.1894 (Nr. 125) zum Ausdruck: „Nachdem die Kyffhäuser Gewerkschaft mit den zugehörigen Kohlengruben bei Borxleben und dem Kupferschieferschacht bei Udersleben in den Besitz der Elektrizitäts- Gesellschaft Siemens & Halske aus Berlin übergegangen waren.... wurde an den Maschineanlagen wieder gearbeitet . . .
In dem Kupferschieferschacht wird seit längerer Zeit nicht mehr gearbeitet, doch die Arbeiten sollen demnächst wieder aufgenommen werden. Auch schreitet der Bau der Kohlenbahn, welche an die Bahn Edersleben – Artern anschließen und die Kohlengruben mit dem Bahnhof, der Zuckerfabrik, Unstrut und der Saline Artern verbinden soll, seiner Vollendung entgegen.“
Damit ist gesagt, dass die Besitzer des Kupferschieferschachtes einmal die Firma Becker und Schulze aus Naumburg waren, die durch den Konkurs des Naumburger Bankenvereins, ebenfalls in Konkurs gehen mussten. Später im Jahre 1894 ging die Grube in den Besitz
der Elektrizitätsgesellschaft Siemens & Halske aus Berlin über, die auch keine nennenswerte Förderergebnisse erbrachten, da es sicher Probleme mit einer Schmelzhütte gegeben haben muss. Da der Transport ins Mansfeldische zu teuer gewesen wäre, wurde um 1900 der Betrieb eingestellt.
Als einziger Zeitzeuge aus Udersleben konnte sich OSKER EXNER (Oskar Exner wurde vor 3 Jahren befragt.) aus Udersleben noch an die Zeit um 1952 erinnern. Auf dem Schacht wurde 2-schichtig gearbeitet. Er bediente den Hapsel der Kübelförderung. Nach seiner Ansicht war die Teufmannschaft bei 27 m angekommen, bevor der Betrieb wieder eingestellt wurde. Es waren auf der Grube 10 - 12 Mann aus Udersleben und Ichstedt beschäftigt. Mit der Wiederaufwältigung der Schachtanlage war durch ständiges Abpumpen der Wasserzuflüsse im Schacht im Bereich Ichstedt ein Wassermangel zu verzeichnen. Der Grundwasserspiegel sank ab. Das verbesserte sich nach 1952 wieder, da der Betrieb auf der Schachtanlage eingestellt wurde.
Damit war auch der Kupferschieferbergbau in diesem Bereich in die Geschichte verbannt.

Text und Bild aus Archiv Hans-Jürgen Schmidt, 18.9.2007

Ob jemals die trotzdem in der Region in kleinen Mengen vorhandenen Lagerstätten nochmals abgebaut werden, bleibt abzuwarten. Bei dem Rohstoffhunger in der Welt sollte man nichts ausschließen. Man sollte aber auch nicht zu sehr hoffen, dass durch Kupferbergbau die Arbeitskräftesituation im Kyffhäuserkreis verbessert wird. Aber hoffen sei doch mal erlaubt, denn die Abbau- und Ausbeutungsverfahren entwickeln sich ständig weiter.
Autor: khh

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