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Arterner Ansichten (2): Einst wurde gebraut

Samstag, 26. Januar 2008, 04:00 Uhr
In loser Form stellen wir Geschichten um und aus dem Kyffhäuserkreis vor. In dieser Folge berichtet Klaus Henze von der Geschichte der Brauerei Artern und was jetzt dort passiert.


Die Brauerei gehört zur Arterner Stadtgeschichte

Logo Brauerei (Foto: Archiv Klaus Henze Artern) Logo Brauerei (Foto: Archiv Klaus Henze Artern) Die Arterner Brauerei, wenn ihr Bier wohl auch zu allen Zeiten geschmacklich umstritten war, gehört zur Geschichte der Stadt. Wenn Artern auch schon länger Braurecht hatte und kleine Brauereien das nutzten, so geht die Geschichte der Vereinsbrauerei auf das Gründungsjahr 1879 zurück. Die Brauerei, wie wir sie in Erinnerung haben war einer der ältesten Betriebe der Stadt.

Gern erinnern sich die Arterner wohl an das „Pilsator“ und das Jubiläumsbier zur 1200-Jahr-Feier der Stadt 1986, das wohl noch zu DDR-Zeiten geschmacklich das beste Bier gewesen sein muss. Abfällig wird noch heute von dem aus Dessau in Artern abgefüllten Bier gesprochen. Den Namen Barbarossa-Bier erhielt das Arterner Bier übrigens bei einer großen Verkostung und Werbeveranstaltung, würden wir heute sagen, am 16. Dezember 1880. Flaschen wurden erstmals 1907 abgefüllt.

Nach dem Krieg wurde die Brauerei volkseigener Betrieb, gehörte zeitweilig zur Brauerei Sangerhausen und schließlich zum Kombinat Dessau. An die Privatisierung der Brauerei nach der Wende knüpften viele Arterner große Hoffnungen. Artern wurde sogar zum Anlieger der Bier- und Burgenstraße (Logo). Sie führt von Bayern nach Thüringen – von Passau nach Artern/Bad Frankenhausen. Die Bierfassböden in der Betriebsmauer waren eindrucksvolle Werbung.

Der neu gegründete Barbarossa-Verein verknüpfte zeitweilig seine Tätigkeit eng mit dem Betrieb und dessen Geschichte. So wurde der letzte inzwischen leider verstorbene Arterner Bierkutscher, der den Gerstensaft noch mit Pferden auslieferte, Heinz Wölfert, Ehrenmitglied des Vereins. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. 1996 kam das endgültige Aus. Die Brauerei schloss die Pforten, die Einrichtung des Sudhauses ging nach Afrika.

Die LEG machte sich inzwischen daran, das Betriebsgelände zu sanieren und als Gewerbegebiet umzugestalten. Seit 2006 wird daran u. a. auch mit mehreren AB-Maßnahmen gearbeitet. Inzwischen zeichnet sich das künftige Bild des Gewerbegebietes mit dem neuen Straßennetz ab. Das Erfreuliche dabei: Seit einem Jahr etwa erweckt Braumeister Cord von Hantelmann mit einem kleinen Team wieder neue Hoffnungen. Sie haben die Braukunst in Artern wieder belebt. Zum Zwiebelmarkt im vergangenen Jahr präsentierten sie unter großer Anteilnahme der Stadt ein Fass Freibier.
Klaus Henze

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Bierfassböden warben bis vor kurzem noch für die Arterner Barbarossa-Privatbrauerei.

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Heinz Wölfert war der letzte legendäre Arterner Bierkutscher mit Pferdegespann.

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Die Hauptgebäude der einstigen Brauerei. Das linke Gebäude fiel inzwischen der Abrissbirne zum Opfer.

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Die LEG lässt gegenwärtig auf dem ehemaligen Betriebsgelände ein kleines Gewerbegebiet entstehen.

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Zum Zwiebelmarkt 2007 spendierte Braumeister Cord von Hantelmann zur Freude vieler Arterner ein Fass Freibier.

Bilder Archiv: Klaus Henze, Artern
Autor: khh

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