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Geschichtliches zur Kaliproduktion Roßleben

Sonntag, 03. Februar 2008, 01:00 Uhr
Die Ausschreibung der Kalilagerstätte Roßleben schlägt hohe Wellen, nicht nur im Kyffhäuserkreis. Noch hat die GVV in Sondershausen nichts verraten, wie viele und welche Firmen daran teilgenommen haben. Interessant aber mal, in die Geschichte zu schauen.

Auch unser Leser Hans-Jürgen Schmidt, bekannt aus vielen Veröffentlichungen und Büchern zum Bergbau in der Region, hat sich mit dem Thema Roßleben beschäftigt. Ob die Spekulationen am Ende seines Berichts so schnell zutreffen werden, darf bezweifelt werden, obwohl es für die Arbeitskräftesituation in der Region zu wünschen wäre:


Schacht Roßleben 1913 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Schacht Roßleben 1913 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Die Gewerkschaft Roßleben wurde am 10.8.1903 gegründet. Die Gerechtsame hatte eine Größe von 52.241.370m² in den Gemarkungen Roßleben, Ziegelroda, Wendelstein, Weißenschirmbach, Gatterstedt, Lodersleben, Limbach, Bottendorf, Schönewerda, um einige zu nennen. Die Anzahl der Kuxe betrug 1.000. Davon waren 994 im Besitz der Alkaliwerke Westeregel.

Damit ist auch gesagt, dass die Gewerkschaft dem Konzern Westeregeln angehörte. Es gab 2 Schachtanlagen. Die Teufarbeiten am Schacht „Roßleben“ (Schacht I) begannen im Juni 1903. Er hatte eine Teufe von 410 m. Der Schacht „Wendelstein“ (Schacht II) hatte eine Teufe von 403 m. Er liegt zirka 1750 m südöstlich vom Schacht Rioleben. Dies ehemalige Schachtgelände liegt heute nicht mehr im Kyffhäuserkreis. Begonnen wurde mit den Teufarbeiten im März 1909.

Beide Schachtanlagen waren durchschlägig. Es gab weiterhin noch die Absicht, 2 weitere Schächte zu teufen, die Schächte „Dreilinden I und II“, also eine Doppelschachtanlage. Im März 1913 erfolgte der erste Spatenstich. Bedingt durch den ersten Weltkrieg wurden die Teufarbeiten nicht fortgeführt. Die Quellen geben unterschiedliche Teufen an, einmal wurden 20 m genannt und zum anderen 4 m von Schacht II und 6 m von Schacht I.

Die Bohrarbeiten ergaben eine ausgezeichnete Hartsalzlagerstätte mit K2O- Gehalten von über 20 %. Gefördert wurde auf Schacht „Roßleben“ seit Anfang 1905 und auf Schacht „Wendelstein“ seit Juni 1912. Verarbeitet wurde das Rohsalz in einer Chlorkaliumfabrik mit einem Durchsatz von 6.000 dz Hartsalz zu Beginn der Inbetriebnahme. Im Jahre 1913 gab es einen Absatz 165.613 dz K2O.

Nicht zum Territorium des Kyffhäuserkreises zählen die Schachtanlagen der Gewerkschaft „Georg“ in Kleinwangen, die 1913 gegründet wurde. In den 20-er Jahren wurde nicht gefördert. Erst am 1. Mai 1939 wurde die Förderung aufgenommen. Das Rohsalz wurde mit einer 7,5 km langen Seilbahn durch den Ziegelrodaer Forst nach Roßleben zur Verarbeitung transportiert.

Früheres Kaliwerk Roßleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Früheres Kaliwerk Roßleben (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)

Zum Besitz der Gewerkschaft gehörten: 1 Direktorenwohnhaus, 6 Beamten- und 8 Arbeiterwohnhäuser, eine Arbeiterkolonie mit 10 Vier- und 2 Zweifamilienhäuser und 62 ha. Des weiteren gab es eine normalspurige Anschlussbahn vom Schacht zum Bahnhof Roßleben
Geleitet wurde das Bergwerk von RICHARD EBELING aus Roßleben, ERNST PFISTER aus Heygendorf, dem Fabrikleiter DR. ING. ERICH LAMPE und dem Prokuristen DIETZEL, beide aus Roßleben. Den Grubenvorstand als Vorsitzender leitete Bergrat GEORG EBELING aus Hannover.
Ende 1919 hatte die Gewerkschaft eine Belegschaftsstärke von zirka 600 Mann.

Zu erwähnen ist, dass es mit der Verarbeitung von Hartsalz Probleme gab, so dass zu Beginn kaum Hartsalz verarbeitet wurde Es lag an den polysulfatischen Salzen. Deshalb wurde zuerst vorwiegend Carnallitit verarbeitet. Endgültig wurde das Problem erst zu DDR-Zeiten gelöst, indem man vom Heißlöseverfahren auf die Flotation umgestellt hatte. Die Produktion ging bis zum Jahre bis zum Jahre 1991.

Anschließend wurde das Werk demontiert und Hunderte von Bergleuten wurden in die Arbeitslosigkeit geschickt. Bis zur Stilllegung des Werkes gehörte der Betrieb zu den modernsten Kaliwerken weltweit. Im Jahre 2007 erinnerte man sich an die ausgezeichnete Lagerstätte in Richtung Querfurter Mulde mit den sehr guten K2O-Gehalten. Die Rohstoffsituation auf dem Weltmarkt bedingte dies.

Die GVV in Sondershausen machte eine Ausschreibung und viele Bewerber haben sich gemeldet. Im Monat Februar/März wird die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag bekommt. Es ist damit zu rechnen, dass eventuell Ende 2008 oder Anfang 2009 mit dem Schachtabteufen begonnen wird. Es wird also eine Lagerstätte abgebaut die im Grenzbereich zwischen den Ländern Thüringen und Sachsen-Anhalt liegt.

Text: Hans-Jürgen Schmidt 1.2.2008
Bilder: Archiv Hans-Jürgen Schmidt
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Autor: khh

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