Arternen Ansichten (4): Ende einer Fabrik
Samstag, 09. Februar 2008, 01:00 Uhr
In unserer Reihe Arterner Ansichten schildert unserer Leser Klaus Henze die Geschichte der Zuckerfabrik Artern, bis zu deren Sprengung.
Ein letzter Blick auf die Reste der einstigen Zuckerfabrik kurz vor der Sprengung des Schornsteins, dessen Ende in der Galerie am Ende des Beitrags dokumentiert wird.
Am 14. März 1865 erfolgte die Grundsteinlegung für die Arterner Aktienzuckerfabrik am Arterner Ortsausgang in Richtung Querfurt. In der ersten Kampagne wurden im Durchschnitt pro Tag 60 Tonnen Zuckerrüben zu Rohzucker verarbeitet. In den Jahren von 1930 bis 1935 erfolgte die Umstellung der Produktion von Rohzucker auf Weißzucker.
Damals wurden fast 850 Arbeitskräfte in der Kampagne mit der 84-Stunden-Arbeitswoche eingesetzt. Auch zu DDR-Zeiten war die Zuckerfabrik Artern ein wichtiger Arbeitgeber. So waren hier im Jahr 1986 immerhin 520 Werktätige beschäftigt.. Für die durchschnittlich einhunderttägige Rübenverarbeitungskampagne wurden außerdem 120 Saisonarbeitskräfte eingesetzt.
In einer Kampagne wurden damals in Artern über 180.000 Tonnen Zuckerrüben zu rund 20.000 Tonnen Zucker verarbeitet. Die anfallenden Nebenprodukte, wie Rübenschnitzel und Melasse, dienten als wichtige Futtergrundlage in der Landwirtschaft sowie als Rohstoffe in der weiterverarbeitenden Industrie. Zwischen der Zuckerfabrik und der Stadt hatte sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt, wie das in DDR-Zeiten so üblich war. Der Betrieb lieferte Fernwärme für hunderte Wohnungen und Einrichtungen der Stadt.
Die Zuckerfabrik war für die Arterner mehr als der "Brötchengeber", sondern bestimmte ganz wesentlich die Entwicklung der Stadt mit.
Wie in vielen Betrieben wurde auch den Mitarbeitern der Zuckerfabrik in Artern nach der Wende Hoffnung gemacht, die sich jedoch bald trübte. Die Zuckerfabrik schloss ihre Tore wie andere Betriebe auch.
Obwohl nicht offiziell bekannt gemacht hatte sich unter den Arternern herumgesprochen, dass am 25. April 1996 der Schornstein der Zuckerfabrik gesprengt werden sollte. Für manche war das wohl eine Art nachträgliche Hinrichtung, für die Anderen letztes Gedenken. Viele Arterner waren gekommen, um das Ereignis zu beobachten.
Das letzte Stündlein des alten Schornsteins schlug kurz nach 16 Uhr. Zwei Tage hatten sich Sprengmeister Anton Lehmeier und Sohn aus dem bayerischen Lauterhofen an dem 90-Meter-Riesen zu schaffen gemacht. 65 taktisch verteilte Bohrlöcher, 25 Kilogramm Sprengstoff und ein elektrisches Zündkabel besiegelten das Ende. Ein gewaltiges, dumpfes Donnern, und schon fiel er genau so zusammen, wie die Experten es vorausgesagt hatten.
Der 1925 erbaute Ziegelschornstein war eigentlich sofort nach Fertigstellung reklamiert worden. Immerhin wich er um 1,75 Meter vom Lot ab. Grund genug für die Bauherren damals, die Rechnung nicht zu bezahlen. Der Schornstein blieb trotzdem stehen und tat viele Jahre seine Dienste.
Einen Tag später, am 26. April 1996, wurde der Rübenbunker gesprengt. Am 18. Dezember des gleichen Jahres brannte das einstige Lehrlingswohnheim ab. Schließlich am 10. Januar 1997 wurde auch der letzte, kurz vor der Wende neu gebaute und nie in Betrieb genommene Schornstein gesprengt. Heute ist das ehemalige Betriebsgelände eine Brachfläche. Die LEG hofft, daraus ein weiteres Gewerbegebiet für Artern gestalten und belegen zu können. Wir hoffen mit. Aber wenn man hört, dass die Thüringer Landesregierung Gewerbegebiete nicht mehr fördern will, wird das schon mit großen Fragezeichen versehen.
Text und Fotos: Klaus Henze
Autor: khhEin letzter Blick auf die Reste der einstigen Zuckerfabrik kurz vor der Sprengung des Schornsteins, dessen Ende in der Galerie am Ende des Beitrags dokumentiert wird.
Am 14. März 1865 erfolgte die Grundsteinlegung für die Arterner Aktienzuckerfabrik am Arterner Ortsausgang in Richtung Querfurt. In der ersten Kampagne wurden im Durchschnitt pro Tag 60 Tonnen Zuckerrüben zu Rohzucker verarbeitet. In den Jahren von 1930 bis 1935 erfolgte die Umstellung der Produktion von Rohzucker auf Weißzucker.
Damals wurden fast 850 Arbeitskräfte in der Kampagne mit der 84-Stunden-Arbeitswoche eingesetzt. Auch zu DDR-Zeiten war die Zuckerfabrik Artern ein wichtiger Arbeitgeber. So waren hier im Jahr 1986 immerhin 520 Werktätige beschäftigt.. Für die durchschnittlich einhunderttägige Rübenverarbeitungskampagne wurden außerdem 120 Saisonarbeitskräfte eingesetzt.
In einer Kampagne wurden damals in Artern über 180.000 Tonnen Zuckerrüben zu rund 20.000 Tonnen Zucker verarbeitet. Die anfallenden Nebenprodukte, wie Rübenschnitzel und Melasse, dienten als wichtige Futtergrundlage in der Landwirtschaft sowie als Rohstoffe in der weiterverarbeitenden Industrie. Zwischen der Zuckerfabrik und der Stadt hatte sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt, wie das in DDR-Zeiten so üblich war. Der Betrieb lieferte Fernwärme für hunderte Wohnungen und Einrichtungen der Stadt.
Die Zuckerfabrik war für die Arterner mehr als der "Brötchengeber", sondern bestimmte ganz wesentlich die Entwicklung der Stadt mit.
Wie in vielen Betrieben wurde auch den Mitarbeitern der Zuckerfabrik in Artern nach der Wende Hoffnung gemacht, die sich jedoch bald trübte. Die Zuckerfabrik schloss ihre Tore wie andere Betriebe auch.
Obwohl nicht offiziell bekannt gemacht hatte sich unter den Arternern herumgesprochen, dass am 25. April 1996 der Schornstein der Zuckerfabrik gesprengt werden sollte. Für manche war das wohl eine Art nachträgliche Hinrichtung, für die Anderen letztes Gedenken. Viele Arterner waren gekommen, um das Ereignis zu beobachten.
Das letzte Stündlein des alten Schornsteins schlug kurz nach 16 Uhr. Zwei Tage hatten sich Sprengmeister Anton Lehmeier und Sohn aus dem bayerischen Lauterhofen an dem 90-Meter-Riesen zu schaffen gemacht. 65 taktisch verteilte Bohrlöcher, 25 Kilogramm Sprengstoff und ein elektrisches Zündkabel besiegelten das Ende. Ein gewaltiges, dumpfes Donnern, und schon fiel er genau so zusammen, wie die Experten es vorausgesagt hatten.
Der 1925 erbaute Ziegelschornstein war eigentlich sofort nach Fertigstellung reklamiert worden. Immerhin wich er um 1,75 Meter vom Lot ab. Grund genug für die Bauherren damals, die Rechnung nicht zu bezahlen. Der Schornstein blieb trotzdem stehen und tat viele Jahre seine Dienste.
Einen Tag später, am 26. April 1996, wurde der Rübenbunker gesprengt. Am 18. Dezember des gleichen Jahres brannte das einstige Lehrlingswohnheim ab. Schließlich am 10. Januar 1997 wurde auch der letzte, kurz vor der Wende neu gebaute und nie in Betrieb genommene Schornstein gesprengt. Heute ist das ehemalige Betriebsgelände eine Brachfläche. Die LEG hofft, daraus ein weiteres Gewerbegebiet für Artern gestalten und belegen zu können. Wir hoffen mit. Aber wenn man hört, dass die Thüringer Landesregierung Gewerbegebiete nicht mehr fördern will, wird das schon mit großen Fragezeichen versehen.
Text und Fotos: Klaus Henze







