Geschichten zum Bergbau
Sonntag, 16. März 2008, 06:00 Uhr
In alten Geschichtsbüchern hat Hans-Jürgen Schmidt im Stadtarchiv der Stadt Sondershausen gestöbert. Und auch alten Münzen wurde schon in "Glückauf" gefunden. Was da so früher mal verdient wurde ist ganz interessant...
Im Jahre 1936 wurde beim Abbruch alter Maschinenfundamente im Kaliwerk "Glückauf" Sondershausen eine Zinkkapsel mit einigen Nickelmünzen und in schriftlicher Form einen geschichtlichen Hinweis zum Jahr 1903 entdeckt. Es gab die Information, dass das Kraftwerk eine Dampfmaschine von 110 PS hatte, die einen Drehstromgenerator antrieb. Ein 600 PS starke Zwillingsmaschine zur Schachtförderung und "3 Stück je 325 PS zur Drehstromerzeugung".
In der Direktion waren beschäftigt: Direktor Bergrat H. Fuchs, Fabrikdirektor Dr. M. Hagen, Maschinenmeister D. Kunze und Obersteiger Klaube. Beim Bau der Zentrale waren tätig: Mauerpolier K. Selle aus Großfurra und Zimmerpolier Freiberg., denen 20 Maurer und Zimmerleute unterstellt waren. Im Kaliwerk waren 500 Personen beschäftigt. Davon waren 260 unter Tage und im Mühlenbereich, 120 in der Chlorkaliumfabrik und 120 im sogenannten Zentralbetrieb tätig Unter dem Aspekt Tagesneuigkeiten wurde erwähnt, dass es in Posen und Schlesien Überschwemmungen gab. Der Schaden wurde mit 30 Millionen Mark beziffert. Also gab es schon damals ein Oderhochwasser. Nach vierzehntätigen Todeskampf war Papst Leo XIII. gestorben, war weiter vermerkt.
Fördermaschine von Schacht I des Kaliwerkes "Glückauf" Sondershausen um 1913 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Fördermaschine von Schacht I des Kaliwerkes "Glückauf" Sondershausen um 1913.
Die Bergleute im unter Tage Bereich verdienten 3 bis 4,50 Mark pro Schicht. Sonst war der Schichtlohn der Arbeiter 2 bis 2,75 Mark. Dem gegenüber kostete ein Pfund Fleisch 0,60 Mark, ein Brot 8 Pfennige und ein Liter Bier 30 Pfennige. Heute verdient ein Bohrwagenfahrer mit Sprengberechtigung in der Lohngruppe 8 in der Schicht ca. 80 €. Einen Vergleich kann man schlecht anstellen. Allein die Tatsache, dass man 1903 vorwiegend mit dem Fahrrad auf dem Schacht fuhr und heute mit dem PKW und die Strom und Mietkosten mit ins Kalkül gezogen werden müssen, kann jeder selbst Vergleiche anstellen.
Zu erwähnen wäre noch, das schriftlich niedergeschrieben wurde, dass "beim Ausschachten der Fundamente Münzen (Silber) gefunden wurden. Dieselben tragen als Prägung Ludwig XV. und Ludwig XVI. von Frankreich sowie einige andere Potentaten (Herrscher, z.B. Fürsten, der Autor) des gleichen Zeitalters. Sie dürften in den Jahren 1800 - 1806 von französischen Emigranten vergraben worden sein. Schon beim Ausschachten der großen Maschinenfundamente wurden ca. 200 Stück in einem irdenen Topf (Tontopf) gefunden." Als Datum der Aufzeichnungen war der 30.Juli 1903 vermerkt.
Die sogenannte "Elektrische Zentrale" im Kaliwerk "Glückauf" Sonderhausen um 1913 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Die sogenannte "Elektrische Zentrale" im Kaliwerk "Glückauf" Sonderhausen um 1913.
Es erhebt sich die Frage, ob man bei der Demontage des Kaliwerkes ähnliches gefunden hat bzw. hätte, wenn nicht der Bagger alles abgeräumt hätte?
Recherchiert im Stadtarchiv der Stadt Sonderhausen von
Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khhIm Jahre 1936 wurde beim Abbruch alter Maschinenfundamente im Kaliwerk "Glückauf" Sondershausen eine Zinkkapsel mit einigen Nickelmünzen und in schriftlicher Form einen geschichtlichen Hinweis zum Jahr 1903 entdeckt. Es gab die Information, dass das Kraftwerk eine Dampfmaschine von 110 PS hatte, die einen Drehstromgenerator antrieb. Ein 600 PS starke Zwillingsmaschine zur Schachtförderung und "3 Stück je 325 PS zur Drehstromerzeugung".
In der Direktion waren beschäftigt: Direktor Bergrat H. Fuchs, Fabrikdirektor Dr. M. Hagen, Maschinenmeister D. Kunze und Obersteiger Klaube. Beim Bau der Zentrale waren tätig: Mauerpolier K. Selle aus Großfurra und Zimmerpolier Freiberg., denen 20 Maurer und Zimmerleute unterstellt waren. Im Kaliwerk waren 500 Personen beschäftigt. Davon waren 260 unter Tage und im Mühlenbereich, 120 in der Chlorkaliumfabrik und 120 im sogenannten Zentralbetrieb tätig Unter dem Aspekt Tagesneuigkeiten wurde erwähnt, dass es in Posen und Schlesien Überschwemmungen gab. Der Schaden wurde mit 30 Millionen Mark beziffert. Also gab es schon damals ein Oderhochwasser. Nach vierzehntätigen Todeskampf war Papst Leo XIII. gestorben, war weiter vermerkt.
Fördermaschine von Schacht I des Kaliwerkes "Glückauf" Sondershausen um 1913 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Fördermaschine von Schacht I des Kaliwerkes "Glückauf" Sondershausen um 1913.
Die Bergleute im unter Tage Bereich verdienten 3 bis 4,50 Mark pro Schicht. Sonst war der Schichtlohn der Arbeiter 2 bis 2,75 Mark. Dem gegenüber kostete ein Pfund Fleisch 0,60 Mark, ein Brot 8 Pfennige und ein Liter Bier 30 Pfennige. Heute verdient ein Bohrwagenfahrer mit Sprengberechtigung in der Lohngruppe 8 in der Schicht ca. 80 €. Einen Vergleich kann man schlecht anstellen. Allein die Tatsache, dass man 1903 vorwiegend mit dem Fahrrad auf dem Schacht fuhr und heute mit dem PKW und die Strom und Mietkosten mit ins Kalkül gezogen werden müssen, kann jeder selbst Vergleiche anstellen.
Zu erwähnen wäre noch, das schriftlich niedergeschrieben wurde, dass "beim Ausschachten der Fundamente Münzen (Silber) gefunden wurden. Dieselben tragen als Prägung Ludwig XV. und Ludwig XVI. von Frankreich sowie einige andere Potentaten (Herrscher, z.B. Fürsten, der Autor) des gleichen Zeitalters. Sie dürften in den Jahren 1800 - 1806 von französischen Emigranten vergraben worden sein. Schon beim Ausschachten der großen Maschinenfundamente wurden ca. 200 Stück in einem irdenen Topf (Tontopf) gefunden." Als Datum der Aufzeichnungen war der 30.Juli 1903 vermerkt.
Die sogenannte "Elektrische Zentrale" im Kaliwerk "Glückauf" Sonderhausen um 1913 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)
Die sogenannte "Elektrische Zentrale" im Kaliwerk "Glückauf" Sonderhausen um 1913.
Es erhebt sich die Frage, ob man bei der Demontage des Kaliwerkes ähnliches gefunden hat bzw. hätte, wenn nicht der Bagger alles abgeräumt hätte?
Recherchiert im Stadtarchiv der Stadt Sonderhausen von
Hans-Jürgen Schmidt
