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Barrierefreiheit verlangt Engagement

Freitag, 02. Mai 2008, 22:11 Uhr
Nachdem am heute Vormittag der Sozialverband VdK Nordthüringen bereits vor und im Foyer des Landratsamtes in Sondershausen an verschiedenen Ständen umfangreiche Informationen im Angebot hatte (kn berichtete) hatte man für den Nachmittag zu einem Forum im Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Gesellschafterprojektes eingeladen. Gedanken hier zu von Klaus Henze...

Im Mittelpunkt standen Fragen der selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und Barrierefreiheit. Der Einladung des Kreisverbandes gefolgt waren neben Vertretern der Ortsverbände und Behindertenbeiräte auch Vertreter der Behindertenverbände. Kreisvorsitzender Bernd Reiber gab einen Rückblick auf die Höhepunkte von acht Jahren Teilnahme an der Aktion um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Er erinnerte daran, dass man 2001 im wahrsten Sinne des Wortes am 5. Mai fünf Minuten vor 12 vor dem Arterner Rathaus einen Trommelwirbel startete, um mit Nachdruck ein Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen zu fordern. Im nächsten Jahr warb man für die Unterstützung der Erklärung von Barcelona „Die Stadt und die Behinderten“. In den letzten drei Jahren stellte man die heute noch aktuelle Frage: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ Dabei wurde immer wieder unterstrichen, dass Menschen mit Behinderungen Teil dieser Gesellschaft sind.

Ergebnis diesen beharrlichen Wirkens ist u. a., dass 7 Kommunen im der Kreises Nordhausen und Kyffhäuserkreis der Erklärung von Barcelona beitraten, beide Kreise und eine ganze Reihe Kommunen Behindertenbeauftragte bzw. Behindertenbeiräte ins Leben riefen, die heute ein wichtiges Wort in Sachen Barrierefreiheit mitreden.

Barrierefreiheit verlang Engagement  (Foto: Klaus Henze, Artern) Barrierefreiheit verlang Engagement (Foto: Klaus Henze, Artern)

Gesprächspartner: Dr. Claus-Dieter Junker, Peter Hengstermann, Ursula Blaschke, Goldi Morcinek.

Die Behindertenbeauftragte des Kyffhäuserkreises Goldi Morcinek sprach dann über Standards und Erfordernisse zur Barrierefreiheit. Der Landrat des Kyffhäuserkreises Peter Hengstermann (CDU) spielte auf den viel umstrittenen „Brückentag“ an den die Teilnehmer der Veranstaltung opferten, als er feststellte, dass der Sozialverband VdK auch eine Brücke schlage, mit dessen Initiative es gelinge, Hindernisse und Barrieren zu überwinden. Er unterstrich, dass die Schaffung von Barrierefreiheit das Lebensniveau aller Menschen erhöhe. Diese Problematik müsse auch im Rahmen der Maßnahmen in der Modellregion zum demographischen Wandel entsprechendes Gewicht haben, das Wahrzeichen der Region, der Kyffhäuser, auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich werden. E r betonte, Barrierefreiheit werden nicht durch Vorschriften, sondern durch Engagement geschaffen und forderte den VdK als größten Sozialverband auf, die Interessen der Einzelnen zu bündeln. Damit gab er Fritz Apel vom Regionalverband für Hörbehinderte und Gabriele Friedrich vom Blinden- und Sehbehindertenverband das Stichwort.

Barrierefreiheit verlang Engagement  (Foto: Klaus Henze, Artern) Barrierefreiheit verlang Engagement (Foto: Klaus Henze, Artern)

Es gab viele interessierte Zuhörer, das Forum hatte wohl den Nerv getroffen.


Tipps für Wohnraumanpassung, insbesondere für solche, die für den Lebensabend rechtzeitig vorsorgen wollen, aber auch jene, die trotz ihrer Behinderung ihre Umgebung nicht verlassen möchten, gab dann nochmals Ursula Blaschke von der Fachberatungsstelle in Frankfurt am Main. Der Vortrag wurde mit Interesse aufgenommen, nachdem sie am Vormittag bereits individuelle Beratungen, sogar nach Voranmeldung einen Hausbesuch durchgeführt hatte.

Dr. Claus-Dieter Junker, stv. Vorsitzender des VdK-Landesverbandes Hessen-Thüringen kam in den abschließenden Worten wieder auf die Frage der Aktion zurück „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ und fügte die Frage an: „Was erreichen wir als großer Sozialverband?“, um dann die Forderung zu erneuern, dass die Sozial- und Behindertenverbände ihre Kräfte bündeln müssen, um die Politik zu zwingen. Der VdK führt gegenwärtig eine bundesweite Aktion gegen Armut, denn, so Junker, „auch Armut wird zur Barriere und Behinderung“. Übrigens weilt Dr. Junker am 6. Mai bereits wieder in unserem Kreis im Zusammenhang mit Barrierefreiheit, konkret in Bottendorf, wo er zwei Öffentliche Einrichtungen mit der VdK-Plakette des Landesverbandes Hessen-Thüringen „barrierefrei erbaut“ auszeichnen wird.

Text: Klaus Henze Artern.
Bilder: Klaus Henze Artern.

Autor: khh

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