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Zum Kaliwerk in Roßleben

Sonntag, 15. Juni 2008, 06:00 Uhr
Roßleben könnte bald wieder ein aktiver Kalistandort werden. Da ist es gut, auch mal in die Geschichte des bisherigen Kaliabbaus in der Region Roßleben zu schauen...

Bei der Betrachtung des Kaliwerkes muss man den Schacht „Roßleben“ (Schacht I) und den Schacht „Wendelstein“ (Schacht II) im Zusammenhang betrachten, denn in den späteren Jahren verschmolzen die beiden Schachtanlagen zu einem Kaliwerk. Der Schacht II befindet sich ca. 1700 m vom Schacht I entfernt. Nur die Gewerkschaftsgründungen fanden zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt statt.
Geschichte Kaliabbau Roßleben (Foto: Archiv Has-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann) Geschichte Kaliabbau Roßleben (Foto: Archiv Has-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann)

Die Gewerkschaft „Roßleben“ wurde am 10.8.1903 gegründet. Die Gerechtsame hatte eine Größe von 52.241.370 m² in den Gemarkungen Roßleben, Ziegelroda, Wendelstein, Weißenschirmbach, Gatterstedt, Lodersleben, Leimbach, Bottendorf, Schönewerda, um einige zu nennen. Die Anzahl der Kuxe betrug 1.000. Davon waren 994 im Besitz der Alkaliwerke Westeregel. Damit ist auch gesagt, dass die Gewerkschaft dem Konzern Westeregeln angehörte.
Die Gewerkschaft „Wendelstein“ wurde 1910 gegründet. Die Abteufarbeiten des Schachtes begannen am 10.10.1910. Zu erwähnen ist, dass das Rohsalz aus den Schachtanlagen in Wangen zu erst per Bahn später per Seilbahn zur Fabrik in Roßleben transportiert wurde,
Die Teufarbeiten am Schacht „Roßleben“ (Schacht I) begannen im Juni 1903. Er hatte eine Teufe von 410 m. Der Schacht „Wendelstein“ (Schacht II) hatte eine Teufe von 403 m. Das ehemalige Schachtgelände liegt heute nicht mehr im Kyffhäuserkreis. Begonnen wurde mit den Teufarbeiten
im März 1909. Beide Schachtanlagen waren durchschlägig.
Es gab weiterhin noch die Absicht, 2 weitere Schächte zu teufen, die Schächte „Dreilinden I und II“, also eine Doppelschachtanlage. Im März 1913 erfolgte der erste Spatenstich. Bedingt durch den ersten Weltkrieg wurden die Teufarbeiten nicht fortgeführt. Die Quellen geben unterschiedliche Teufen an, einmal wurden 20 m genannt und zum anderen 4 m von Schacht II und 6 m von Schacht I.
Die Bohrarbeiten ergaben eine ausgezeichnete Hartsalzlagerstätte mit K2O- Gehalten von über 20 %. Gefördert wurde auf Schacht „Roßleben“ seit Anfang 1905 und auf Schacht „Wendelstein“ seit Juni 1912.
Verarbeitet wurde das Rohsalz in einer Chlorkaliumfabrik mit einem Durchsatz von 6.000 dz Hartsalz zu Beginn der Inbetriebnahme. Im Jahre 1913 gab es einen Absatz 165. 613 dz K2O.
Geschichte Kaliabbau Roßleben (Foto: Archiv Has-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann) Geschichte Kaliabbau Roßleben (Foto: Archiv Has-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann)

Zum Besitz der Gewerkschaft gehörten: 1 Direktorenwohnhaus, 6 Beamten- und 8 Arbeiterwohnhäuser, eine Arbeiterkolonie mit 10 Vier- und 2 Zweifamilienhäuser und 62 ha. Des Weiteren gab es eine normalspurige Anschlussbahn vom Schacht zum Bahnhof Roßleben..
Geleitet wurde das Bergwerk von RICHARD EBELING aus Roßleben, ERNST PFISTER aus Heygendorf,
dem Fabrikleiter DR. ING. ERICH LAMPE und dem Prokuristen DIETZEL, beide aus Roßleben.
Den Grubenvorstand als Vorsitzender leitete Bergrat GEORG EBELING aus Hannover.
Ende 1919 hatte die Gewerkschaft eine Belegschaftsstärke von zirka 600 Mann. Zu
erwähnen ist, dass es mit der Verarbeitung von Hartsalz Probleme gab, so dass zu Beginn
kaum Hartsalz verarbeitet wurde. Es lag an den sulfatischen Salzen in Form von Polyhalit und Langbeinit. Deshalb wurde zuerst vorwiegend Carnallitit verarbeitet. Endgültig wurde das Problem
erst zu DDR-Zeiten gelöst, indem man vom Heißlöseverfahren auf die Flotation umgestellt
hatte.

Gravierende Veränderungen und Probleme und Hinweise im Kaliwerk

Am 21.3.1939 gab es einen Laugeneinbruch im Westfeld der 4. Sohle, der zum Absaufen des gesamten Grubenfeldes führte. Im Schacht stand der Laugenspiegel bei 11 m Teufe. Die Grube musste daraufhin von zwischen 1940 und 1945 gesümpft werden. Erst am 7.2.1946 konnte die Förderung auf Schacht I wiederaufgenommen werden.

Auf Schacht II wurde bis 1922 gefördert. Danach diente der Schacht der Wetterführung und ab 1960 weitgehend als Materialschacht, nachdem es 1978 eine Modernisierung gab. Zu erwähnen ist, dass es auf der Schachtanlage II von 1955 bis 1964 ein Haftarbeitslager für ca. 250 Strafgefangene gab. Sie arbeitete in der Grube. Während dieser Zeit gab es öfters Alarm durch das Bewachungspersonal, weil es einzelnen Gefangenen trotz scharfer Bewachung immer wieder gelang, über das Fahrtentrum herauszuklettern und im naheliegenden Ziegelrodaer Forst unterzutauchen.

Auf Schacht I wurde am 7.10.1964 eine 4-Seil-Fördermaschien in Betrieb genommen. Dies bedeutete auch, dass es an Stelle eines Fördergerüstetes jetzt einen Förderturm gab. Insgesamt gab es auf der Schachtanlage eine Rekonstruktion und somit eine Modernisierung.

Insgesamt wurden von 1905 bis 1991 98.566 529 teff und 13.184 844 t K2O gefördert bzw. produziert.

Die Einstellung der Förderung war im Oktober 1991 auf Beschluss des Aufsichtsrates der Mitteldeutschen Kali AG vom 29.11.1991. Damit war mit der Verwahrung und dem Abriss das Todesurteil für 2000 Menschen gesprochen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben. 1990 und 1991 begann man die Leute in den Vorruhestand zu schicken, während 1991/92 die Massenentlassungen begannen. 1992 waren noch rund 800 Mann angelegt. 1993 schrumpfte die Zahl auf etwa 100, um dann 1997 bis auf 32 abzusinken. 1998 löschte dann der letzte Beschäftigte das Licht.


Text und Bilder: Archiv Hans-Jürgen Schmidt und Rolf Bosmann




Autor: khh

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