Arterner Ansichten 25: Eisenwerk Brünner
Samstag, 12. Juli 2008, 07:02 Uhr
In unserer Reihe Arterner Ansichten stellt uns in Folge 26 Klas Henze das ehemalige Eisenwerk Brünner vor...
Wenn es um die industrielle Entwicklung der Stadt Artern geht, wird wohl immer der Name Paul Reuß genannt. Am 1. Juli 1881 gründete Paul Reuß auf einem halben Morgen Feld Am Pflaumenweg" nach Voigtstedt in der Nähe des Bahnhofs zu Artern eine 80 qm große Blechschmiede mit Schlosserei, aus der dann später die Kyffhäuserhütte wurde, mit der über 100 Jahre das Schicksal vieler Familien aus Artern und Umgebung verbunden war.
Nicht weniger Bedeutung hat aber wohl für die industrielle Entwicklung der Stadt der Name Otto Brünner (unsere Repro). 1875: errichtete der Kupferschmied Otto Brünner am Markt eine Kupferschmiede. 1876 erwarb dieser ein Grundstück in der Harzstraße als Werkstatt und in dessen Vorderhaus-, Küchen- und landwirtschaftliche Geräte durch die Meisterin angeboten und verkauft wurden.
Arterner Ansichten 26 (Foto: Archiv Klaus Henze)
Meister Brünner setzte seine Kenntnisse und Erfahrungen aus der Landwirtschaft sowie den Brennereibetrieben um, indem er die Produktion von Kartoffeldämpfern anging. 1876 stellte er den ersten viel beachteten selbst gefertigten Kartoffeldämpfapparat vor, der zwar praktisch, aber noch viel zu teuer war. Trotz des hohen Preises kamen viele Bestellungen. Als Paul Reuß seine Schmiede als Grundstein der späteren Kyffhäuserhütte eröffnete, stellte Brünner bereits fabrikmäßig gefertigte Dämpfapparate her. Bald rückten Dämpfapparate und Dampferzeuger in den Vordergrund der Produktion.
1890 erwarb Otto Brünner dann das Grundstück Bahnhofstraße 10. Mit der Verlegung des Betriebes wurde eine entsprechende Neuorganisation vorgenommen. Neben der Fabrikation von Dämpfapparaten wurde der Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen aller Art betrieben und gleichzeitig auch eine Landmaschinenreparatur eingerichtet. Handel und Fabrikation florierten und der Name Otto Brünner wurde weit bekannt.
1900 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Otto Brünner behielt die technische Leitung, während Kaufmann Arthur Buschmann (bisher Buchhaltungschef bei einer Konkurrenzfirma) die kaufmännische Leitung übernahm.
1902 wurde das Nachbargrundstück erworben und Bürogebäude erbaut sowie der Fabrikationszweig für Milchzentrifugen errichtet. Der Betrieb entwickelte sich trotz des 1. Weltkrieges gut, konnte anbauen und auch seine Vertretungen ausbauen.
1919 trat Otto Brünner aus gesundheitlichen Gründen als Direktor zurück, war jedoch als Mitglied des Aufsichtsrates weiterhin tätig. Mit der Betriebsleitung wurde der bereits seit längerer Zeit im Betrieb tätige technische Prokurist A. Schuller beauftragt.
1925 feierte das Eisenwerk Brünner stolz sein 50-jähriges Bestehen sowie zugleich Hunderttausend Viehfutter-Dämpfapparate und Dämpfanlagen und würdigte die Entwicklung des Unternehmens mit einer Festschrift, der die Fakten zu diesem Beitrag entnommen wurden.
Mit Hauptversammlungsbeschluss vom 25. Juli 1937 wird das Vermögen des Eisenwerks Brünner, Artern, durch die benachbarte Kyffhäuserhütte übernommen, dessen Hauptgesellschafter sie inzwischen bereits war. Es ist das spätere Werk III der Kyffhäuserhütte, heute hat die Arbeits-, Bildungs- und Strukturgesellschaft (ABS) hier ihren Sitz.
Wer mehr über die Industrialisierung der Stadt Artern, insbesondere die Geschichte der Kyffhäuserhütte erfahren will, kann dies im Oberen Hof (Ritterstraße) in der Ausstellung zur Geschichte der Kyffhäuserhütte, welche wir in unserer Folge 15 vom 19. April vorstellten. Die Ausstellung ist freitags geöffnet und Eintritt frei.
Text und Repro: Klaus Henze
In Galerie von links:
· Das Bürogebäude des Eisenwerkes Brünner wurde erst vor zwei Jahren abgerissen, es war bei vielen Arternern durch die Nutzung als Konsum unter dem Begriff Hütten-Konsum bekannt.
· Blick auf das Eisenwerk Brünner in seiner Blüte, später Werk III der Kyffhäuserhütte.
· Blick in den Kesselbau, einem wichtigen Bereich des Betriebes.
Autor: khhWenn es um die industrielle Entwicklung der Stadt Artern geht, wird wohl immer der Name Paul Reuß genannt. Am 1. Juli 1881 gründete Paul Reuß auf einem halben Morgen Feld Am Pflaumenweg" nach Voigtstedt in der Nähe des Bahnhofs zu Artern eine 80 qm große Blechschmiede mit Schlosserei, aus der dann später die Kyffhäuserhütte wurde, mit der über 100 Jahre das Schicksal vieler Familien aus Artern und Umgebung verbunden war.
Nicht weniger Bedeutung hat aber wohl für die industrielle Entwicklung der Stadt der Name Otto Brünner (unsere Repro). 1875: errichtete der Kupferschmied Otto Brünner am Markt eine Kupferschmiede. 1876 erwarb dieser ein Grundstück in der Harzstraße als Werkstatt und in dessen Vorderhaus-, Küchen- und landwirtschaftliche Geräte durch die Meisterin angeboten und verkauft wurden.
Arterner Ansichten 26 (Foto: Archiv Klaus Henze)
Meister Brünner setzte seine Kenntnisse und Erfahrungen aus der Landwirtschaft sowie den Brennereibetrieben um, indem er die Produktion von Kartoffeldämpfern anging. 1876 stellte er den ersten viel beachteten selbst gefertigten Kartoffeldämpfapparat vor, der zwar praktisch, aber noch viel zu teuer war. Trotz des hohen Preises kamen viele Bestellungen. Als Paul Reuß seine Schmiede als Grundstein der späteren Kyffhäuserhütte eröffnete, stellte Brünner bereits fabrikmäßig gefertigte Dämpfapparate her. Bald rückten Dämpfapparate und Dampferzeuger in den Vordergrund der Produktion. 1890 erwarb Otto Brünner dann das Grundstück Bahnhofstraße 10. Mit der Verlegung des Betriebes wurde eine entsprechende Neuorganisation vorgenommen. Neben der Fabrikation von Dämpfapparaten wurde der Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen aller Art betrieben und gleichzeitig auch eine Landmaschinenreparatur eingerichtet. Handel und Fabrikation florierten und der Name Otto Brünner wurde weit bekannt.
1900 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Otto Brünner behielt die technische Leitung, während Kaufmann Arthur Buschmann (bisher Buchhaltungschef bei einer Konkurrenzfirma) die kaufmännische Leitung übernahm.
1902 wurde das Nachbargrundstück erworben und Bürogebäude erbaut sowie der Fabrikationszweig für Milchzentrifugen errichtet. Der Betrieb entwickelte sich trotz des 1. Weltkrieges gut, konnte anbauen und auch seine Vertretungen ausbauen.
1919 trat Otto Brünner aus gesundheitlichen Gründen als Direktor zurück, war jedoch als Mitglied des Aufsichtsrates weiterhin tätig. Mit der Betriebsleitung wurde der bereits seit längerer Zeit im Betrieb tätige technische Prokurist A. Schuller beauftragt.
1925 feierte das Eisenwerk Brünner stolz sein 50-jähriges Bestehen sowie zugleich Hunderttausend Viehfutter-Dämpfapparate und Dämpfanlagen und würdigte die Entwicklung des Unternehmens mit einer Festschrift, der die Fakten zu diesem Beitrag entnommen wurden.
Mit Hauptversammlungsbeschluss vom 25. Juli 1937 wird das Vermögen des Eisenwerks Brünner, Artern, durch die benachbarte Kyffhäuserhütte übernommen, dessen Hauptgesellschafter sie inzwischen bereits war. Es ist das spätere Werk III der Kyffhäuserhütte, heute hat die Arbeits-, Bildungs- und Strukturgesellschaft (ABS) hier ihren Sitz.
Wer mehr über die Industrialisierung der Stadt Artern, insbesondere die Geschichte der Kyffhäuserhütte erfahren will, kann dies im Oberen Hof (Ritterstraße) in der Ausstellung zur Geschichte der Kyffhäuserhütte, welche wir in unserer Folge 15 vom 19. April vorstellten. Die Ausstellung ist freitags geöffnet und Eintritt frei.
Text und Repro: Klaus Henze
In Galerie von links:
· Das Bürogebäude des Eisenwerkes Brünner wurde erst vor zwei Jahren abgerissen, es war bei vielen Arternern durch die Nutzung als Konsum unter dem Begriff Hütten-Konsum bekannt.
· Blick auf das Eisenwerk Brünner in seiner Blüte, später Werk III der Kyffhäuserhütte.
· Blick in den Kesselbau, einem wichtigen Bereich des Betriebes.



