Blick zum Nachbar
Mittwoch, 16. Juli 2008, 07:01 Uhr
Zum 350. Todestag der Gräfin Clara von Schwarzburg-Frankenhausen (1571-1658) findet die
Eröffnung einer Ausstellung, verbunden mit einem Vortrag am 18. Juli 2008 im Schloss zu Heringen statt...
Gräfin Clara von Schwarzburg-Frankenhausen lebte als Witwe 60 Jahre lang im Schloss zu Heringen und verstarb hier vor 350 Jahren am 18. Juli 1658. Ihr langjähriger Witwensitz konnte in den letzten Jahrzehnten vor dem Verfall gerettet werden und erfährt zur Zeit eine umfassende und grundlegende Sanierung. Der prominentesten Bewohnerin des Schlosses ist eine kleine Ausstellung gewidmet, die am 18. Juli 2008, ihrem 350. Todestag, eröffnet werden wird und den Grundstock für die Darstellung der Stadtgeschichte Heringen bilden soll.
Gräfin Clara (Foto: Archiv Schloss Heringen)
In ihren Briefen bezeichnete sie sich stets als geborene Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, und es ist für uns interessant zu wissen, dass sie mit den Kurfürsten und späteren Königen von Großbritannien und Hannover, aber auch mit dem dänischen Königshaus eng verwandt war. Verwandtschaftliche Beziehungen verbanden sie auch mit anderen Fürstenhäusern.
Als viertälteste Tochter einer mit Kindern reich gesegneten Ehe Herzog Wilhelms des Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg (Neues Haus Lüneburg) und seiner Gemahlin Dorothea, einer Tochter König Christians III. von Dänemark, erblickte sie am 16. Januar 1571 das Licht der Welt. Ihr Vater, der sein Herzogtum seit 1569 allein regierte, bemühte sich, durch Sparsamkeit und gute Verwaltung den Wohlstand seines Landes zu heben. Er sah in der "Wahrung des rechten lutherischen Bekenntnisses sowohl draußen im Lande wie innerhalb der eigenen Familie" eine Aufgabe von besonderer Wichtigkeit. Auch seine Tochter Clara ist davon für ihr ganzes Leben geprägt worden.
Claras Kindheit wurde dadurch getrübt, dass ihr Vater an einem Gemütsleiden erkrankte und spätestens 1582 − sie war damals 11 Jahre alt − in völlige geistige Umnachtung verfiel. Er starb am 20. August 1592. Zu diesem Zeitpunkt war Clara bereits mit dem Grafen Wilhelm von Schwarzburg-Frankenhausen so gut wie verlobt. Der 57jährige verwitwete Graf hielt im August 1592 am Hof zu Celle um ihre Hand an. Nach der Beisetzung des Vaters wurde ein Ehevertrag ausgehandelt. Clara erhielt eine Mitgift von 12.000 Talern. Von ihrem künftigen Gemahl wurden ihr als Witwensitz Schloss und Amt Heringen schwarzburgischen Teils sowie ein Jahreseinkommen von 2.400 Talern und eine einmalige Morgengabe von 1.000 Talern zugesichert. Das "eheliche Beylager" wurde am Sonntag Jubilate, dem 6. Mai 1593, gehalten.
Für Claras späteres Witwendasein war von Bedeutung, dass es Graf Wilhelm gelang, gegen Zahlung von 41.914 Gulden den stolbergischen Anteil am Amt Heringen pfandweise zu erwerben. In seinem Testament von 1596 vermachte er ihr die lebenslange Nutzung, sofern sie im Witwenstande verbleiben sollte.
Die Ehe mit Graf Wilhelm währte nur 5 Jahre. Er starb auf Schloss Straußberg am 30. September 1598 im 64. Lebensjahr. In einer Gruft vor dem Altar in der Unterkirche zu Frankenhausen, um deren Erbauung er sich verdient gemacht hatte, ist er beigesetzt worden. Mit dem Stadtilmer Vertrag von 1599 fiel sein Herrschaftsgebiet und damit auch das Amt Heringen an Graf Albrecht VII., seinen einzigen noch lebenden Bruder und Begründer der Rudolstädter Linie.
Die junge Witwe stand nun vor der Aufgabe, sich das Schloss Heringen als ihren lebenslangen Witwensitz herzurichten, die Verwaltung ihres Witwengutes aufmerksam zu überwachen und darauf zu achten, dass die Einnahmen und Berechtigungen ihres Wittums nicht geschmälert würden. Als verwitwete Frau wurde sie für ihr restliches Leben unter Vormundschaft gestellt. Erste Vormünder waren ihr ältester Bruder, der regierende Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg und Johann Georg Fürst zu Anhalt.
Probleme ihrer Witwenversorgung ließen nicht lange auf sich warten. Wegen der Höhe der ihr zugesicherten Einnahmen und Deputate an Brennholz, Wein und Wild entstanden Konflikte mit den Grafen von Rudolstadt und deren Kanzlei in Frankenhausen, wegen ihrer Berechtigungen und Einnahmen auch Streitigkeiten mit der benachbarten Reichsstadt Nordhausen, mit dem Stift zum Heiligen Kreuz, mit den Grafen von Stolberg und einigen adligen Rittergütern in ihrem Wittumsamt. Sie nutzte ihren Handlungsspielraum in beeindruckender Weise, mitunter bis an die Grenzen des Zulässigen gehend, erwies sich als eine umsichtige Verwalterin ihres Vermögens und bemühte sich wohl erfolgreich (genaue Zahlen liegen nicht vor), ihre Einkünfte zu mehren. Während des Dreißigjährigen Krieges zeichnete sie sich durch Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick aus und bewahrte Stadt und Amt Heringen vor größeren Schäden und Kriegsgreueln, wobei ihr die enge Verwandtschaft zu Herzog Georg von Calenberg, ihrem Bruder und Stammvater des Hauses Hannover, von Nutzen war. Die ihr anvertrauten Personen, z.T. fürstlichen Ranges, unterstützte und förderte sie und stand ihnen in Not und Krankheit bei. Schulen und Kirchen beschenkte sie großzügig. In diesem Sinne blieb sie insbesondere den Einwohnern Heringens unvergessen.
Dr. Peter Kuhlbrodt, Nordhausen
Die Interessengemeinschaft Schloss Heringen 1327 e.V. und die Stadt Heringen laden Sie zur Eröffnung der kleinen Ausstellung anlässlich des 350. Todestages am 18. Juli 2008 um 19.00 Uhr in das Heringer Schloss ein, ebenso zum anschließenden Vortrag im Schloss zu Heringen über das Leben und Wirken der Fürstinwitwe Clara.
Autor: khhEröffnung einer Ausstellung, verbunden mit einem Vortrag am 18. Juli 2008 im Schloss zu Heringen statt...
Gräfin Clara von Schwarzburg-Frankenhausen lebte als Witwe 60 Jahre lang im Schloss zu Heringen und verstarb hier vor 350 Jahren am 18. Juli 1658. Ihr langjähriger Witwensitz konnte in den letzten Jahrzehnten vor dem Verfall gerettet werden und erfährt zur Zeit eine umfassende und grundlegende Sanierung. Der prominentesten Bewohnerin des Schlosses ist eine kleine Ausstellung gewidmet, die am 18. Juli 2008, ihrem 350. Todestag, eröffnet werden wird und den Grundstock für die Darstellung der Stadtgeschichte Heringen bilden soll.
Gräfin Clara (Foto: Archiv Schloss Heringen)
In ihren Briefen bezeichnete sie sich stets als geborene Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, und es ist für uns interessant zu wissen, dass sie mit den Kurfürsten und späteren Königen von Großbritannien und Hannover, aber auch mit dem dänischen Königshaus eng verwandt war. Verwandtschaftliche Beziehungen verbanden sie auch mit anderen Fürstenhäusern. Als viertälteste Tochter einer mit Kindern reich gesegneten Ehe Herzog Wilhelms des Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg (Neues Haus Lüneburg) und seiner Gemahlin Dorothea, einer Tochter König Christians III. von Dänemark, erblickte sie am 16. Januar 1571 das Licht der Welt. Ihr Vater, der sein Herzogtum seit 1569 allein regierte, bemühte sich, durch Sparsamkeit und gute Verwaltung den Wohlstand seines Landes zu heben. Er sah in der "Wahrung des rechten lutherischen Bekenntnisses sowohl draußen im Lande wie innerhalb der eigenen Familie" eine Aufgabe von besonderer Wichtigkeit. Auch seine Tochter Clara ist davon für ihr ganzes Leben geprägt worden.
Claras Kindheit wurde dadurch getrübt, dass ihr Vater an einem Gemütsleiden erkrankte und spätestens 1582 − sie war damals 11 Jahre alt − in völlige geistige Umnachtung verfiel. Er starb am 20. August 1592. Zu diesem Zeitpunkt war Clara bereits mit dem Grafen Wilhelm von Schwarzburg-Frankenhausen so gut wie verlobt. Der 57jährige verwitwete Graf hielt im August 1592 am Hof zu Celle um ihre Hand an. Nach der Beisetzung des Vaters wurde ein Ehevertrag ausgehandelt. Clara erhielt eine Mitgift von 12.000 Talern. Von ihrem künftigen Gemahl wurden ihr als Witwensitz Schloss und Amt Heringen schwarzburgischen Teils sowie ein Jahreseinkommen von 2.400 Talern und eine einmalige Morgengabe von 1.000 Talern zugesichert. Das "eheliche Beylager" wurde am Sonntag Jubilate, dem 6. Mai 1593, gehalten.
Für Claras späteres Witwendasein war von Bedeutung, dass es Graf Wilhelm gelang, gegen Zahlung von 41.914 Gulden den stolbergischen Anteil am Amt Heringen pfandweise zu erwerben. In seinem Testament von 1596 vermachte er ihr die lebenslange Nutzung, sofern sie im Witwenstande verbleiben sollte.
Die Ehe mit Graf Wilhelm währte nur 5 Jahre. Er starb auf Schloss Straußberg am 30. September 1598 im 64. Lebensjahr. In einer Gruft vor dem Altar in der Unterkirche zu Frankenhausen, um deren Erbauung er sich verdient gemacht hatte, ist er beigesetzt worden. Mit dem Stadtilmer Vertrag von 1599 fiel sein Herrschaftsgebiet und damit auch das Amt Heringen an Graf Albrecht VII., seinen einzigen noch lebenden Bruder und Begründer der Rudolstädter Linie.
Die junge Witwe stand nun vor der Aufgabe, sich das Schloss Heringen als ihren lebenslangen Witwensitz herzurichten, die Verwaltung ihres Witwengutes aufmerksam zu überwachen und darauf zu achten, dass die Einnahmen und Berechtigungen ihres Wittums nicht geschmälert würden. Als verwitwete Frau wurde sie für ihr restliches Leben unter Vormundschaft gestellt. Erste Vormünder waren ihr ältester Bruder, der regierende Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg und Johann Georg Fürst zu Anhalt.
Probleme ihrer Witwenversorgung ließen nicht lange auf sich warten. Wegen der Höhe der ihr zugesicherten Einnahmen und Deputate an Brennholz, Wein und Wild entstanden Konflikte mit den Grafen von Rudolstadt und deren Kanzlei in Frankenhausen, wegen ihrer Berechtigungen und Einnahmen auch Streitigkeiten mit der benachbarten Reichsstadt Nordhausen, mit dem Stift zum Heiligen Kreuz, mit den Grafen von Stolberg und einigen adligen Rittergütern in ihrem Wittumsamt. Sie nutzte ihren Handlungsspielraum in beeindruckender Weise, mitunter bis an die Grenzen des Zulässigen gehend, erwies sich als eine umsichtige Verwalterin ihres Vermögens und bemühte sich wohl erfolgreich (genaue Zahlen liegen nicht vor), ihre Einkünfte zu mehren. Während des Dreißigjährigen Krieges zeichnete sie sich durch Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick aus und bewahrte Stadt und Amt Heringen vor größeren Schäden und Kriegsgreueln, wobei ihr die enge Verwandtschaft zu Herzog Georg von Calenberg, ihrem Bruder und Stammvater des Hauses Hannover, von Nutzen war. Die ihr anvertrauten Personen, z.T. fürstlichen Ranges, unterstützte und förderte sie und stand ihnen in Not und Krankheit bei. Schulen und Kirchen beschenkte sie großzügig. In diesem Sinne blieb sie insbesondere den Einwohnern Heringens unvergessen.
Dr. Peter Kuhlbrodt, Nordhausen
Die Interessengemeinschaft Schloss Heringen 1327 e.V. und die Stadt Heringen laden Sie zur Eröffnung der kleinen Ausstellung anlässlich des 350. Todestages am 18. Juli 2008 um 19.00 Uhr in das Heringer Schloss ein, ebenso zum anschließenden Vortrag im Schloss zu Heringen über das Leben und Wirken der Fürstinwitwe Clara.
