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Böschungssicherung am Steinbruch

Dienstag, 22. Juli 2008, 12:06 Uhr
Die Böschungssicherung am Steinbruch unterhalb des Kyffhäuserdenkmals gegen Felsabbruch und Steinschlag ist eine wichtige Sicherungsmaßnahme am Kyffhäuser, für die der Freistaat erhebliche Mittel bereitstellen wird....


Schon beim Besuch von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) jüngst am Kyffhäuser, war auf die schwierige Problematik der Sicherungsarbeiten am Kyffhäuser hingewiesen worden. Was alles getan werden muss, erfahren Sie im nachfolgenden Bericht.

Auf dem Grat der mit ca. 300 m Höhenunterschied steil zur Goldenen Aue hin abfallenden Nordflanke des Kyffhäusergebirges befinden sich die Ruinen der mittelalterlichen Reichsburg Kyffhausen - bestehend aus Ober-, Mittel- und Unterburg sowie das in den Jahren 1890 bis 1896 errichtete Kyffhäuserdenkmal zu Ehren von Wilhelm den I., Kaiser des Deutschen Reichs und König von Preußen.

Das Baumaterial sowohl für die mittelalterliche Burg als auch für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wurde aus dem an der Südflanke des Burgberges - unmittelbar unterhalb von Burg und Denkmal - gelegenem Steinbruch gebrochen. Der seit Ende der Bauarbeiten im Jahre 1896 auflässige Steinbruch wurde als keilförmiger Einschnitt auf einem Niveau von ca. 400 m NN angelegt. Er hat in Ost-West-Richtung eine maximale Erstreckung von ca. 300 m und die Böschungshöhen betragen ca. 20 bis 40 m. Insgesamt wurden aus dem Steinbruch ca. 150.000 m³ Naturstein gebrochen, wovon ca. 25.000 m³ als Werkstein für den Bau des Denkmals benötigt wurden.

Zur Versorgung der Bauleute des Kaiser-Wilhelm-Denkmals wurde im Steinbruch direkt unterhalb der Baustelle der Burghof errichtet. Schon ein Jahr später war der erste Wirt im Burghof zu Gange und verwöhnte die Neugierigen, die die Großbaustelle in Augenschein nehmen wollten. Aufgrund des ständig wachsenden Besucherstromes wurde in fast jedem Jahr, immer entlang des Steinbruchs, angebaut.

Der aus mehreren zusammenhängenden Abschnitten bestehende Gebäudekomplex hat eine Gesamtlänge von ca. 120 m und wurde teilweise unmittelbar an der Felsböschung errichtet. Der ehemalige Hotel- und Gaststättenkomplex füllt die westliche Hälfte des ehemaligen Steinbruchs aus, während in der östlichen Hälfte lediglich Garagen und Parkplätze errichtet wurden.

Böschungssicherung am Kyffhäuser (Foto: Archiv Landratsamt Kyffhäuserkreis) Böschungssicherung am Kyffhäuser (Foto: Archiv Landratsamt Kyffhäuserkreis)

Der Steinbruch wurde nach heutigen Maßstäben in einem ungesicherten Zustand hinterlassen. Die Felsböschung steht zumeist sehr steil, teilweise sogar überhängend, so dass es immer wieder zu Steinfällen oder Felsstürzen kommt. Der letzte größere Abbruch ereignete sich im Jahre 1992 mit einem Volumen von ca. 50 bis 70 m³ Gestein. Als beliebtes Fotomotiv hat sich der Sandsteinbrocken auf den Garagen erwiesen, der sich bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus der Felswand löste und auf die Garagen schlug.

Böschungssicherung am Kyffhäuser (Foto: Archiv Landratsamt Kyffhäuserkreis) Böschungssicherung am Kyffhäuser (Foto: Archiv Landratsamt Kyffhäuserkreis) Der Kyffhäuserlandkreis ist Eigentümer der Grundstücke von Denkmal und Steinbruch. Er ist damit in der Pflicht, angrenzende Grundstücke vor Gefährdungen zu schützen, die von seinen Liegenschaften ausgehen können. In diesem Fall heißt das konkret, dass die Gebäude, die Außenanlagen, die Beschäftigten und Gäste der Gaststätte »Burghof« vor Gefährdungen, die von der Steinbruchböschung ausgehen können, zu schützen sind.

In Frage kommende Gefährdungsarten sind dabei Felssturz von Böschungspartien ausgelöst durch Verwitterung sowie Steinschlag von Einzelsteinen aus der Böschung. Für beide Versagensmechanismen sind dauerhaft wirksame Sicherungsmittel erarbeitet worden. Dabei ist ein besonderes Augenmerk auf den Aspekt zu legen, dass die Steinbruchböschung die dominante Ansichtsfläche des Kyffhäusers-Burgberges für anreisende Besucher ist (Aussicht vom Parkplatz und vom Hotel). Die anzuwendenden Sicherungstechniken wurden also auch unter optischen Gesichtspunkten so ausgewählt, dass die touristische Attraktivität des Kyffhäusers durch die Arbeiten zu- und nicht abnimmt. Gleichfalls wurden die für das Landschaftsschutzgebiet geltenden Auflagen zu berücksichtigt.

Das Landratsamt Kyffhäuserkreis beauftragt das Technische Büro der Schachtbau Nordhausen GmbH zur Planung und Entwicklung eines schlüssigen Sicherungskonzeptes das allen Ansprüchen von Sicherheit, Denkmalschutz und Landschaftspflege gerecht wird. Der Steinbruch wurde in vier Abschnitte von West nach Ost eingeteilt. Die Abschnitte eins bis drei befinden sich direkt hinter dem Hotel und der Abschnitt 4 liegt zwischen Parkplatz und Denkmal.

In den ersten drei Abschnitten werden primär aktive Sicherungselemente, wie Daueranker (Bild in der Galerie)mit Netzverzug sowie farblich angepasster Spritzbeton zur Schließung von Klüften, eingebaut, während im Abschnitt 4 eine passive Sicherung vorgenommen wird. Diese passive Sicherung umfasst einen 2,5m x 2,0m starken Fangedamm auf dem Garagenkomplex um auch den Aufprall stärkerer Gesteinsbrocken widerstehen zu können. Eine Gefährdung von Autos der Besucher auf dem Parkplatze ist dadurch auszuschließen.

Zur Verbesserung der Ansicht wird vor den Garagen eine Stirnwand aus Stahlbeton errichtet und diese mit einem gegliederten Verblendmauerwerk versehen. Der Böschungsbereich oberhalb des Steinbruches wurde Anfang des Jahres bereits von Bewuchs befreit und wird ebenfalls in die Sicherung mit einbezogen. Zur Anwendung kommt ein Geotextil das einen späteren Bewuchs mit Büschen und Bäumen wieder ermöglicht und in kurzer Zeit aus dem Blickfeld verschwunden sein wird. Die bereits vorhandenen Steinschlagschutzzäune oberhalb des Steinbruchs werden ersetzt, in der Lage besser an die Topographie angepasst und über die gesamte Breite des Steinbruches aufgebaut. Die gesamte Baumaßnahme wird mit ca. 950 000 € Netto veranschlagt.

Nach Abschluss der Bauarbeiten hat der Kyffhäuserkreis einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des Burghofes und seiner Gäste geleistet. Die durchgeführten Bauarbeiten schaffen gleichzeitig bessere Bedingungen für einen barrierefreien Zugang mittels Stollen und Schacht zum Denkmal um auch älteren und gehbehinderten Menschen einen Zugang zu diesem geschichtsträchtigen Ort zu ermöglichen.
Autor: khh

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