Arterner Ansichten 27: Das Brunnenfest
Samstag, 26. Juli 2008, 07:02 Uhr
Einen historischen Rückblick auf das am nächsten Wochenende beginnende Brunnenfest macht Klaus Henze in seinem Bericht. Wenn Sie noch nicht wissen, das wievielte Brunnenfest es sein wird, lassen Sie sich überraschen, Sie werden staunen...
Am nächsten Wochenende, vom 1. bis 3. August, findet in Artern das traditionelle Brunnenfest statt, das 234. Damit ist es das älteste Volksfest, das in der Unstrut- und Salinestadt heute noch gefeiert wird. In den Ratsakten der Stadt wird im Jahre 1774 "der öffentliche Aufzug der Salzwerksleute mit Musik:" erwähnt, bei dem es in diesem Jahre zu Ungehörigkeiten gekommen sei, fand der Arterner Heimatforscher und Chronist Artur Klatt (†) heraus. Auch die nachfolgende Beschreibung des Festes geht auf einen Bericht von Klatt zurück. Sicher hat dieser öffentliche Aufzug der Salinearbeiter bald jährlich Saline ab dem Jahre 1728 stattgefunden, wobei der Zeitpunkt im Laufe der Jahre wechselte. Als die Arterner 1815 preußisch geworden waren, ging man dazu über a1s ersten Tag des Brunnenfestes den 3. August; den Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., zu nehmen.
Nach seinem Tode ab 1840 wurde das Fest auf den Sonntag verlegt, der in die Zeit vom 10. bis 15. September fiel. Später wieder wurde es auf den ersten Sonntag im August gelegt. Lange Zeit bezog die Knappschaft, die Gesamtheit der Salinearbeiter, das Bier, auch Stadtbier oder Braunbier genannt, von den reihum brauberechtigten Bürgern der Stadt. Während des Festes gab es dann Freibier. Neben dem Umzug bildete der Festtanz der Salinearbeiter einen Höhepunkt. Neben den landläufigen und gerade modernen Tänzen wurde hier der Bergmannstanz aufgeführt, der sehr beliebt war und der die Glanznummer eines jeden Brunnenfestes bildete. Noch im Jahre 1926 wurde er nachweislich hier getanzt. Inzwischen, seit dem 230. Brunnenfest im Jahr 2004, gehört dieser Tanz wieder zu dem Brunnenfestprogramm und wird auch zu anderen Höhepunkten im Zusammenhang mit der Saline und Borlach aufgeführt.
Das Fest lief fast immer nach einem gleichen Schema ab. dessen Gestaltung der Vorstand der Saline bestimmte. Im Programm zum Brunnenfest am 14. und 15. September 1862 heißt es: "Am ersten Brunnenfesttag früh, 6 Uhr Morgen Gesang auf der Halde am Soleschacht mit Salutierung der Kanonen. Nachmittags 12 1/2 Uhr Stellung zur Kirchen-Parade in vorschriftsmäßiger Bergmanns-Tracht vor der Wohnung des Herrn Salzamts-Direktors" Vor dem Soleschacht hatten sich auch die Schulkinder aufgestellt, und jedes Knappschaftskind wie auch die Knappschaftswaisen erhielten durch die Knappschaftsältesten eine Brezel. Im Programm heißt es weiter: "Es wird, gewünscht, dass die Knaben mit kleinen .schwarzen und weißen Fahnen (den preußischen Landesfarben), die Mädchen mit Kränzen im Haar geschmückt werden." Der Tanz dauerte an beiden Brunnfesttagen bis nachts .zwei Uhr. Nicht der Knappschaft angehörige Tänzer hatten 15 Silbergroschen pro Tag zu zahlen. Die Arbeiterbelegschaft grenzte sich überhaupt Fremden gegenüber ab, was dadurch gefördert wurde, dass die Saline eine eigene Gemeindeverwaltung hatte und nicht dem Rat der Stadt unterstand. Die Söhne der Salinearbeiter gingen wieder in die Saline und konnten es hier bis zum Obersieder, Kohlenmesser und Oberläder (Salzpacker), weiter aber nicht bringen.
Nachdem die Arterner Saline dem Kaliwerk Roßleben zugeschlagen und 1964 ganz geschlossen wurde, gab es auch einen Abbruch beim Brunnenfest. Es verlor seinen Bezug zur Tradition der Saline und wurde zum allgemeinen Volksfest. Erst der Barbarossa-Verein und in den letzten Jahren der Salineverein gaben dem Fest wieder historischen Bezug, knüpften an alte Traditionen an und belebten sie wieder. So darf der Salzsieder, dargestellt durch Ronald Römer (Foto oben) nicht mehr fehlen und ist bereits weit über Arterns Grenzen hinaus gefragt.
Fotos
Obere Reihe: Rückblick auf Höhepunkte vergangener Brunnenfeste von links: Treffen einstiger Arterner Bürgermeister, Borlachschüler führen eine Szene aus dem Wirken Borlachs in Artern auf (beides 1999), die Salzprinzessin darf nicht mehr fehlen.
Zweite Reihe: Wichtigste Veranstaltungsorte in der Saline sind auch in diesem Jahr wieder der Rummelplatz, die Freilichtbühne und das Sportstadion.
Fotos: Klaus Henze
Autor: khhAm nächsten Wochenende, vom 1. bis 3. August, findet in Artern das traditionelle Brunnenfest statt, das 234. Damit ist es das älteste Volksfest, das in der Unstrut- und Salinestadt heute noch gefeiert wird. In den Ratsakten der Stadt wird im Jahre 1774 "der öffentliche Aufzug der Salzwerksleute mit Musik:" erwähnt, bei dem es in diesem Jahre zu Ungehörigkeiten gekommen sei, fand der Arterner Heimatforscher und Chronist Artur Klatt (†) heraus. Auch die nachfolgende Beschreibung des Festes geht auf einen Bericht von Klatt zurück. Sicher hat dieser öffentliche Aufzug der Salinearbeiter bald jährlich Saline ab dem Jahre 1728 stattgefunden, wobei der Zeitpunkt im Laufe der Jahre wechselte. Als die Arterner 1815 preußisch geworden waren, ging man dazu über a1s ersten Tag des Brunnenfestes den 3. August; den Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., zu nehmen.
Nach seinem Tode ab 1840 wurde das Fest auf den Sonntag verlegt, der in die Zeit vom 10. bis 15. September fiel. Später wieder wurde es auf den ersten Sonntag im August gelegt. Lange Zeit bezog die Knappschaft, die Gesamtheit der Salinearbeiter, das Bier, auch Stadtbier oder Braunbier genannt, von den reihum brauberechtigten Bürgern der Stadt. Während des Festes gab es dann Freibier. Neben dem Umzug bildete der Festtanz der Salinearbeiter einen Höhepunkt. Neben den landläufigen und gerade modernen Tänzen wurde hier der Bergmannstanz aufgeführt, der sehr beliebt war und der die Glanznummer eines jeden Brunnenfestes bildete. Noch im Jahre 1926 wurde er nachweislich hier getanzt. Inzwischen, seit dem 230. Brunnenfest im Jahr 2004, gehört dieser Tanz wieder zu dem Brunnenfestprogramm und wird auch zu anderen Höhepunkten im Zusammenhang mit der Saline und Borlach aufgeführt.
Das Fest lief fast immer nach einem gleichen Schema ab. dessen Gestaltung der Vorstand der Saline bestimmte. Im Programm zum Brunnenfest am 14. und 15. September 1862 heißt es: "Am ersten Brunnenfesttag früh, 6 Uhr Morgen Gesang auf der Halde am Soleschacht mit Salutierung der Kanonen. Nachmittags 12 1/2 Uhr Stellung zur Kirchen-Parade in vorschriftsmäßiger Bergmanns-Tracht vor der Wohnung des Herrn Salzamts-Direktors" Vor dem Soleschacht hatten sich auch die Schulkinder aufgestellt, und jedes Knappschaftskind wie auch die Knappschaftswaisen erhielten durch die Knappschaftsältesten eine Brezel. Im Programm heißt es weiter: "Es wird, gewünscht, dass die Knaben mit kleinen .schwarzen und weißen Fahnen (den preußischen Landesfarben), die Mädchen mit Kränzen im Haar geschmückt werden." Der Tanz dauerte an beiden Brunnfesttagen bis nachts .zwei Uhr. Nicht der Knappschaft angehörige Tänzer hatten 15 Silbergroschen pro Tag zu zahlen. Die Arbeiterbelegschaft grenzte sich überhaupt Fremden gegenüber ab, was dadurch gefördert wurde, dass die Saline eine eigene Gemeindeverwaltung hatte und nicht dem Rat der Stadt unterstand. Die Söhne der Salinearbeiter gingen wieder in die Saline und konnten es hier bis zum Obersieder, Kohlenmesser und Oberläder (Salzpacker), weiter aber nicht bringen.
Nachdem die Arterner Saline dem Kaliwerk Roßleben zugeschlagen und 1964 ganz geschlossen wurde, gab es auch einen Abbruch beim Brunnenfest. Es verlor seinen Bezug zur Tradition der Saline und wurde zum allgemeinen Volksfest. Erst der Barbarossa-Verein und in den letzten Jahren der Salineverein gaben dem Fest wieder historischen Bezug, knüpften an alte Traditionen an und belebten sie wieder. So darf der Salzsieder, dargestellt durch Ronald Römer (Foto oben) nicht mehr fehlen und ist bereits weit über Arterns Grenzen hinaus gefragt.
Fotos
Obere Reihe: Rückblick auf Höhepunkte vergangener Brunnenfeste von links: Treffen einstiger Arterner Bürgermeister, Borlachschüler führen eine Szene aus dem Wirken Borlachs in Artern auf (beides 1999), die Salzprinzessin darf nicht mehr fehlen.
Zweite Reihe: Wichtigste Veranstaltungsorte in der Saline sind auch in diesem Jahr wieder der Rummelplatz, die Freilichtbühne und das Sportstadion.
Fotos: Klaus Henze







