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Einige haben genug, ...

Dienstag, 29. Juli 2008, 20:15 Uhr
... die anderen haben schon lange genug. Unter diesem Thema steht eine Leserzuschrift von Klaus Saalbach, die sich mit den jüngsten Ereignissen in Sondershausen beschäftigt....


Sondershausen hat die höchste Arbeitslosigkeit von Thüringen aber, das scheint die Lobbyisten im Rathaus nicht zu stören. Mit Arroganz und Machtherrlichkeit dulden sie keinen Widerspruch und machen jeden Bürger unserer Stadt, der nur ansatzweise Kritik äußert, mundtot. Dabei entpuppen sich die Damen und Herren von CDU, SPD und den Freien Wählern bei Abstimmungen in unserem Stadtparlament immer mehr als Marionetten einer Handvoll \"Machthungriger\".

Seit Jahren wird gefordert, dass analog zu den Gepflogenheiten in anderen Städten und Gemeinden, uns Bürgern, zumindest in jeder zweiten Stadtratsitzung ca. 15 Minuten Redezeit eingeräumt werden, um wichtige Probleme und Sorgen im Bezug auf unsere Stadt vortragen zu dürfen. Denn nur in den Stadtratsitzungen, wo alle Mitglieder der Fraktionen zugegen sind, kann man seinen gewählten Parlamentariern direkt in die Augen sehen. Die Stadtratmitglieder könnten dann die Informationen und Kritiken ungefiltert aus erster Hand, von den Bürgern erhalten und dann vielleicht auch einmal nach ihrem Gewissen und nicht nach Fraktionszwang entscheiden. Nur es führt einfach kein Weg rein. Man wird den Eindruck nicht los, dass man des Volkes Meinung mehr fürchtet, als der Teufel das Weihwasser.

So ignoriert man einfach die Nöte und Sorgen des gemeinen Volkes. Und wenn es doch einmal kriselt, dann inszeniert man eben eine Jubelveranstaltung- wenn möglich mit viel Feuerwerk- um die Gemüter wieder zu besänftigen. Aber diese Veranstaltungen natürlich am Monatsanfang, wo auch die Hartz IV-Bezieher noch etwas Geld im Portmonee haben. Denn welche Mutter kann schon ihrem Kind eine Bratwurst vom Stand oder ein Eis abschlagen, wenn sie in dessen traurige Augen schaut.
Brot und Spiele war schon die Devise im antiken Rom und scheint auch heute noch einige Gemüter zu beruhigen.

Dabei werden wir Bürger auf Schritt und Tritt zur Kasse gebeten. Ob für überzogene Energiepreise für Strom und Gas oder deftige Wasser- und Abwassergebühren, Grundsteuern, Müllabfuhr bis hin zu Friedhofsgebühren; die Bürger müssen zahlen. Die Stadtwerke gehören zu 51 Prozent der Stadt und werfen deftige Gewinne in Millionenhöhe ab. Aber die Gewinnhöhe kennen nur wenige "Auserwählte" und bestimmen, wo die Mittel hinzufliessen haben. Das ist so geheim, dass noch nicht einmal Stadtratsmitglieder explizit informiert werden.

So etwas nennt man in Sondershausen Demokratie !!

Aber wie soll man sonst über die Köpfe der Bürger hinweg derartige Prestigeveranstaltungen wie Cruciskirche oder Schlossfestspiele finanzieren?
Über die Notwendigkeit und den zu erreichenden Effekt kann man nur den Kopf schütteln, denn der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Hier wird die Wurst der Pelle hinterhergeworfen.

Allein die Restaurierung und Umgestaltung der Cruciskirche zu einer Begegnungsstätte, verschlingt mehr als 2,3 Millionen Euro. In diesem Jahr will unsere Stadtverwaltung noch 522400,00 Euro außerplanmäßig zuschießen. (Siehe TA vom 16.06.d.J) Auch wenn ein Teil dieser Summe über eventuell zu erwartende Fördermittel später zurückgezahlt wird ( oder auch nicht), wäre das Geld für soziale Zwecke für unsere Kinder und Jugendlichen besser angelegt.

Man fragt sich immer wieder, ob die Verantwortlichen unserer Stadt mit ihrem eigenen Geld auch so großzügig und leichtsinnig umgehen würden. Aber Fördermittel sind Steuermittel !! Wenn jede kleine Provinzstadt nur annähernd so maßlos mit Steuermitteln umgehen würde wie Sondershausen, braucht man sich nicht zu wundern, warum unsere Gehälter, Löhne und Renten nicht an Westniveau angeglichen werden können.... Nur; einige Lobbyisten unserer Stadt werden ja schon nach Westtarif entlohnt oder erhalten Westpensionen. Denen kann es natürlich egal sein, wie es mit uns Normalbürgern im Osten weitergeht.

In Zeiten leerer Kassen von Stadt und Land, würden doch schon einmal die Begründungen für die Fördermittelanträge interessieren. Die Cruciskirche wurde bereits vor dem 2.Weltkrieg als Kirche entweiht, diente dann als Lagerraum bis sie aus Altersgründen in den 60-ziger Jahren zusammenfiel(Keine Kriegsschäden wie bei der Dresdner Frauenkirche).

Ins Staunen kommt man über die \"Kofinanzierung\" durch Brüssel und wie der Verkehrsminister, Herr Tiefensee, für das Modellprojekt Demografischer Wandel, gedacht für die von Arbeitslosigkeit geplagten Kreise Mansfelder Land und Kyffhäuserkreis, sich ausgerechnet in unserer Stadt die Cruciskirche ausgewählt hat.

Fakt ist, hier wird kein einziger Arbeitsplatz geschaffen.

An diesem Beispiel sieht man deutlich, auf welche Fährte der Herr Minister hier gelockt wurde und dass unsere Lobbyisten im Rathaus vor nichts zurückschrecken.
Leerstehende, bereits für Millionen Euro modernisierte Gebäude für eine Begegnungsstätte der Bürger haben wir in Sondershausen genug. Sei es das nicht mehr benötigte Gebäude vom Umweltamt auf dem Petersen Schacht ( ehem. Spacklergebäude) oder das frühere Kombinatsgebäude in der Schachtstraße.

Eine wirklich reiche Stadt, wo das Gespenst der Arbeitslosigkeit nicht existiert, kann es sich leisten; einer Ruine wieder Leben einzuhauchen. Doch unsere Stadtväter leben über ihre Verhältnisse und haben scheinbar den festen Glauben Geld drucken zu können.
Wir alle möchten, dass unser Lohorchester erhalten bleibt. Nur wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen, dann doch sicherlich auch das Lohorchester(?); wenn auch nur ein wenig. Es kann doch nicht sein, dass unser gut bezahltes Orchester sich nur mit 6 % selber trägt und die fehlenden 94 % durch Zuschüsse von Stadt und Land aufgebracht werden müssen. Das wird den Bürgern gerne verschwiegen.

Allein der Anteil unserer Stadt beträgt, bei der gegenwärtig miserablen Finanzlage, jährlich 760000,00 Euro und obendrein finanzieren wir noch die Schlossfestspiele mit 150000,00 Euro. Letztere ohne finanzielle Gegenleistungen; denn alle Einnahmen von diesen Festspielen fließen nach Nordhausen. Sicherlich ist Kunst nicht zum Nulltarif zu haben, nur der Aufwand zum Nutzen sollte doch in einem einigermaßen gesunden Verhältnis stehen. Wenn die Konzertsäle unseres Orchesters nicht immer gefüllt sind, so liegt es vielleicht auch am Veranstalter oder mangelndem Interesse.

Wir haben erlebt, wie ein Herr von Däniken bei einem Eintrittspreis von 20,00 Euro vor einem übervollen Haus der Kunst gesprochen hat, oder wie Popgruppen mit immensen Eintrittsgeldern große Stadien füllen. Nur diese Veranstalter tragen sich selbst und erhalten keinerlei Zuschüsse.

Sondershausen trägt den Titel Musikstadt und hier hätte doch der Wiederaufbau der Lohhalle im Lohpark Priorität vor der Begegnungsstätte Cruciskirche gehabt. Die dann zu erwartenden Sonntagskonzerte in den Sommermonaten wären für Jung und Alt ein Erlebnis und die Bürger wüssten, dass sie in einer Musikstadt leben. Denn neben dem Lohorchester hat unsere Stadt viele Chöre. Musikgruppen und Kapellen, die das Musikleben mitbestimmen.

Letzten Endes sind es doch die kleineren und größeren Bands, die unsere Jugend und alle jung gebliebenen anziehen und welches Herz schlägt nicht höher, wenn unser Bergmannsblasorchester aufspielt(?); natürlich ehrenhalber, ohne Honorar.

Unsere Stadtväter wären gut beraten, wenn sie nur einen geringen Teil der jetzigen Subventionen für das Lohorchester und der jährlichen Schlossfestspiele
denen zurückgeben, die es erwirtschaftet oder- wie bereits vorstehend erwähnt- durch zuviel gezahlte Beiträge erbracht haben.

Hier sollten wir an unsere Zukunft, an unsere Kinder und Kindeskinder denken und in sie investieren. Wie z.B.
> Reduzierung der Kosten für die Kinderbetreuung
> kostenloses Schulessen für alle
> kostenloser Musikunterricht bei entsprechender
Begabung usw.

Denn was hat der Normalbürger davon, dass mit seinen Geldern Schlossfestspiele subventioniert werden, deren Eintrittspreise er sich selbst teilweise gar nicht leisten kann.
Der von dem auswärtigen Publikum erwartete Mehrumsatz in den Geschäften, sowie steigende Übernachtungszahlen blieben in den vergangenen Jahren aus.
Nur um für die Hautevolee von Sondershausen zu repräsentieren, sollte man die eigenen Bürger nicht abzocken.

Diese Schlossfestspiele haben erst dann eine Berechtigung, wenn sie sich zumindest selbst tragen würden; was nachweislich nicht der Fall ist. Wir haben und erhalten auch in Zukunft nicht den Status wie etwa die Städte Bayreuth oder Salzburg. Der Städtevertrag zwischen Nordhausen und Sondershausen sieht vor, dass die Ansiedlung von Gewerbe vorrangig in Nordhausen erfolgen soll und unsere Stadt sich vor allem der Kunst widmet.

NUR KUNST ALLEIN BRINGT KEINE ARBEITSPLÄTZE!!

Staunenswert ist, dass 18 Jahre nach der Wende noch immer lukrative Stellenangebote in unserer Stadt durch Altbundesbürger besetzt werden und wie unsere Stadtwerke ein Auffangbecken für \"verdienstvolle\" Politiker werden. Und das bei den höchsten Arbeitslosenzahlen in Thüringen. Waren und sind unsere Bürger wirklich so unter-qualifiziert?

Zu DDR-Zeiten brauchte man Beziehungen um an Südfrüchte zu gelangen und heute für gut bezahlte Arbeitsplätze. Das haben sich viele nach der Wende nicht träumen lassen, und wem wundert dann die Politikverdrossenheit?
Klaus Saalbach, Sondershausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: khh

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