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Wie weiter in Roßleben?

Samstag, 25. Oktober 2008, 09:41 Uhr
Ohne Unterstützung durch die Politik kein Kaliwerk Roßleben! Auf diesen Nenner kommt man, wenn man die Fakten analysiert, die aus einem Gespräch mit Dr. H. Marx von der Kali-Umwelttechnik Sondershausen resultieren....

Kaliwerk Roßleben (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Kaliwerk Roßleben (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Kommt man in das Gebäude der K-Utec Salt Technologies AG am Petersenschacht, so fällt ein Bild von Prof. Dr. Spackler ins Auge. Er hatte wesentliche Grundlagen für die Entwicklung der Kaliindustrie geschaffen. Getreu dem Vermächtnis haben sich im Unternehmen Wissenschaftler zusammengeschlossen, die über das „know how“ verfügen, um Kali zu gewinnen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie den Auftrag erhalten haben, ein Konzept für die Kaligewinnung aus der Lagerstätte Roßleben zu erarbeiten.

Der Auftraggeber ist ein Unternehmen aus Luxemburg. Immerhin gibt es Vorräte von 200,8 Mio teff (Rohsalz) mit einem durchschnittlichen Gehalt von 17,5 bis 20 % K2O. Und hier liegt der erste Knackpunkt. Roßleben in Thüringen ist nicht der einzige Standort um Kali zu gewinnen. Überall in der Welt, so zum Beispiel in Russland an der Wolga, in Kanada. Argentinien, in Afrika sollen neue Kaliwerke entstehen, wobei vermutlich in diesen Werken K2O –Werte von 26 % und mehr anstehen. In der Roßlebener Lagerstätte liegen sie bei 17 bis 20 % K2O.

Das bedeutet bei gleichen Investitionskosten zum Aufbau eines Werkes für Roßleben einen deutlichen Wettbewerbsnachteil. Deshalb, so Dr. Marx, ist die Politik gefordert, um entsprechende flankierende Fördermaßnahmen zu ergreifen und Einfluss zu nehmen, dass die Genehmigungsverfahren beschleunigt bearbeitet werden. Immerhin könnten zirka 700 – 800 primäre und sekundäre Arbeitsplätze entstehen.

Eine lohnende Aufgabe für die Politiker in Thüringen und Sachsen-Anhalt, denn die Lagerstätte, die es gilt in Angriff zu nehmen, liegt zu 90 % in Sachsen-Anhalt. Bei allem Verständnis für Steuergelder, die dann fließen, sollte man an erster Stelle daran denken, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, die für diese Region von großer Bedeutung sind.

K-UTEC favorisiert als Geschäftsstandort für eine neues Kaliwerk den Ort Roßleben. Das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude, das mit Gründung der Gewerkschaft Roßleben errichtet wurde, bietet sich dafür geradezu an.

Kaliwerk Roßleben (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Kaliwerk Roßleben (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Ein weiterer Knackpunkt ist die zukünftige ICE-Strecke, die über die Lagerstätte führt. Bei Geschwindigkeiten von 300 km/h darf es keine Absenkungen geben. Hier hat man bei der Genehmigung für die Trassenführung nicht an die Lagerstätte gedacht. Das Ergebnis werden Lagerstättenverluste sein.

Sollte es ein „OK“ für den Bau eines Kaliwerks geben, so liegt die Einschätzung des Beginns der ersten Förderung bei 5 – 6 Jahren und damit auch des eigentlichen "Geld verdienens". Zu erst gilt es aber so schnell wie möglich ein Gutachten durch die GVV auf den Weg zu bringen. Die GVV (Gesellschaft zur Verwertung und Verwahrung von stillgelegten Bergwerksbetrieben) verwaltet die Lagerstätte, die Eigentum der BRD ist. Danach müssen „zentnerweise“ Papiere für die Genehmigungsverfahren erarbeitet werden. Erst wenn alle Genehmigungen erteilt sind, kann der erste Spatenstich erfolgen.

Positiv ist erst mal zu vermelden, dass K-UTEC über Verfahren verfügt, um die polyhalitischen Salze der Lagerstätte aufzubereiten, denn die Sulfate bereiten Schwierigkeiten. Für Interessierte sei gesagt , das unter anderen Polyhalit (Foto)chemisch gesehen aus K2SO4 x MgSO4 x 2 CaSO4 x 2 H2O besteht. Weiterhin ist bei der Technologie der Gewinnung und Aufbereitung vorgesehen, dass es keine Aufhaldung und keine Abwässer geben wird, die sonst bei anderen Verfahren übertage angefallen wären. Die nicht verwertbaren Endprodukte der Aufbereitung sollen mit industriellen Abfällen vermischt und als Versatz in die untertägigen Hohlräumen eingebracht werden. Immerhin stehen 25 Millionen m³ als Hohlraum zur Verfügung.
Kaliwerk Roßleben (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) Kaliwerk Roßleben (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Angeboten werden dann ein Kalium-Magnesium-Dünger, kurz KAMAG genannt, Kalikieserit und K60. Bei einer wesentlich gesteigerten jährlichen Produktionsmenge von zirka 3,5 Mio. teff (Rohsalz) sind erkundete Vorräte für mehr als 50 Jahre Produktionsdauer vorhanden. Nun aber sind erst mal auch die Politiker gefragt, um die notwendige Unterstützung für so ein Vorhaben zu geben.
Text und Fotos: Hans-Jürgen Schmidt
Autor: nnz/kn

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