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Cäsar ist tot

Samstag, 25. Oktober 2008, 16:59 Uhr
Der Leipziger Musiker, Sänger, Komponist und Produzent Peter „Cäsar“ Gläser starb am Donnerstag an einer Krebserkrankung. Wie kaum ein anderer hat er die Rockgeschichte der DDR mitbestimmt und mit seiner Kreativität und Natürlichkeit ein Vorbild für ganze Generationen junger Musiker gegeben. In den letzten Jahren gastierte er auch mehrfach in der Rolandstadt. Olaf Schulze mit einem Nachruf.


„Der absolute Höhepunkt war die aufregende Zeit mit Renft“, verriet mir Cäsar vor zehn Jahren in einem Interview zu seinem 50. Geburtstag. „Ich war 17 als ich dort einstieg und wenn wir spielten, holte mich mein Vater Punkt 22.00 Uhr ab. Dann musste ein anderer Gitarrist für mich übernehmen.“

Das war 1966, die Beat-Revolte von Leipzig stand noch aus. Die Gruppe RENFT war auf dem Wege zum Staatsfeind Nr. 1 zu werden und ihr Lead-Gitarrist war ein schmales Bürschlein namens Peter Gläser.

„Ich hatte schon als Kind ein faible für Musik, meine Eltern brachten mich zur Musikschule und ich lernte Flöte spielen. Na und dann kamen die Beatles und die Stones und in der Pubertät habe ich die Gitarre als Instrument für mich entdeckt.“

Nach der Ausbürgerung der RENFT-Texter Kunert und Pannach und der Auflösung der RENFT-Combo begann Cäsars Karriere als Bandleader. Mit KARUSSELL und dem Renft-Schlagzeuger Jochen Hohl an der Seite schuf er eine ganze Reihe von Hits, die später Evergreens wurden. Er war Theatermusiker, trat als flötender Schauspieler auf, schrieb einen Lyrik-Band, war Hörspiel- und Dokumentarfilm-Komponist, vereinigte nach der Wende die alten „Renftler“ wieder, spielte mit seinem Sohn Robert in einem Bluestrio und widmete sich mit seinem Projekt „Cäsar und die Spieler“ auch den folkigen Klängen, wobei er seine Fähigkeiten als Flötist demonstrieren konnte. Cäsar hatte nach seiner Rückkehr in die Leipziger Heimat in den Neunzigern sein eigenes Tonstudio aufgebaut, in dem er jungen Bands wie „Niemann“ Hilfe und Unterstützung angedeihen ließ.

Seine Lieder „Apfeltraum“, „Wer die Rose ehrt“ oder „Cäsars Blues“ sind Kultnummern. Sein Gitarrenspiel ist so einmalig wie seine raue Stimme, seine Freundlichkeit, sein Humor und sein Optimismus waren ansteckend und richtungsweisend. Über 40 Jahre stand er auf der Bühne, lebte für die Musik und mit ihr, war ein positiv Verrückter, der keine Ruhepausen kannte und immer kreativ war. Auf die Frage, warum er Musiker geworden sei, antwortete er ohne nachzudenken: „Ich kann doch nichts anderes. Außer Autofahren.“

Am 7. Januar wäre Cäsar 60 Jahre alt geworden, das Geburtstagskonzert war in Planung. Bis zuletzt gab er seinen Angehörigen und Freunden Lebensmut und schickte sie weiter auf dem Weg, den er selbst beschritten hatte.

Auf welcher Wolke auch immer Cäsar jetzt in die Harfensaiten greift, dort geht mächtig die Post ab und die Engel werden bald ins Schwitzen kommen. Mach’s gut, Cäsar, wir werden dich vermissen, aber nie vergessen.
Olaf Schulze
Autor: nnz

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