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Erschütternde Bilder

Freitag, 31. Oktober 2008, 00:02 Uhr
Im Rahmen der Kinderschutztagung am Mittwoch in Sondershausen waren auch erschütternde Bilder zu sehen, die auch aufrütteln sollen, beim Schutz der Kinder nicht nachzulassen...

Mit Dr. Juliane Höfig, Rechtsmedizinerin der Uni-Klinik Jena, hatte man sich Spezialistin in die Tagung geholt, die sich schon von Berufswegen mit Kindesmisshandlungen auskennt.

Bis zu 4000 Fälle von Kindesmisshandlung werden pro Jahr aktenkundig, so Dr. Höfig. Die Dunkelziffer kann man nur erahnen. Bei zehn bis zwölf Fällen führt die Misshandlung zum Tod. Die Bilder, welche von der Rechtsmedizinerin gezeigt wurden, sorgte selbst bei den Spezialisten im Saal für Betroffenheit. Auch andere Zahlen erschütterten. Zwischen 15 000 und 17 000 Kinder und Jugendliche werden bundesweit pro Jahr sexuell missbraucht. Was bisher kaum ins Gedächtnis der Bürger vorgedrungen ist: 90 % des sexuellen Missbrauchs findet im familiären Umfeld statt. Und in 75 % der Fälle sind die Kinder unter sieben Jahre alt!

Kinderschutztagung Kyffhäuserkreis (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Kinderschutztagung Kyffhäuserkreis (Foto: Karl-Heinz Herrmann)


Die Ursachen für Kindesmisshandlungen sieht Dr. Höfig in der Überforderung der Eltern. Durch häufige Arztwechsel gelingt es dann solchen Eltern oft, ihre wiederholten Taten zu verschleiern, wenn sie mit verletzten Kindern doch mal zum Arzt müssen. Ihre Forderung an die Mediziner war klar, bei plötzlichen Kindestod keine leichtfertige Ausstellung eines Todesscheins.

Die in von Dr. Höfig vorgestellte Thüringer Ambulanz für Kinderschutz (TAKS) wird wohl in dieser Form nur in großen Städten zu realisieren sein. Dabei wird neben einer Tag und Nacht zu erreichenden Ambulanz ein ganzes Netzwerk von Ärzten, Staatsanwaltschaft, Polizei und Ämtern geschaffen.



Der von Dr. Roland Eulitz, Landesärztekammer Thüringen, gehaltene Diskussionsbeitrag zum Thema Gewalt gegen Kinder “Leitfaden für Diagnostik, Prävention und Hilfe“ beeindruckte ebenfalls. Interessant dabei seine Forderung, man sollte überlegen, ob nicht doch wieder, wie früher schon einmal praktiziert, alle toten Kinder obduziert werden sollten. Da viele Fälle von Kindesmissbrauch und Kindeswohlgefährdung oft doch nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.


Der im Kyffhäuserkreis eingeschlagene Weg der Kinder- und Jugendarbeit ist auf dem guten Weg. Das zeigen nicht nur die Diskussionsbeiträge vom 1. Beigeordneten des Landrates, Georg Schäfer (SPD) und der Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, Cornelia Kraffzick (SPD) , wenn auf einige erreichte Ergebnisse zurückschaut, wie die Eröffnung des Kinderschutzdienstes, der Rufbereitschaft des Jugendamtes rund um die Uhr, dem runden Tisch in der Jugendarbeit, der Einsatz einer Familienhebamme und dem anspruchsvollen Hausbesuchsprogramms des Jugendamtes (kn berichtete schon ausführlich.

Trotz allem gilt es aufzupassen, denn Kinder- und Jugendschutz setzen sich nicht von allein durch, und das oft praktizierte „Wegsehen“ hilft den Kindern leider nicht. Kinder und Jugendschutz ist, dass zeigte auch diese Tagung, nicht nur eine Sache der Ämter.
Autor: khh

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