Die Modernisierung des Kaliwerkes "Glückauf"
Sonntag, 16. November 2008, 07:05 Uhr
In der Reihe Geschichte der Kaliindustrie in der Kyffhäuserregion geht es um das Kaliwerk in Sondershausen. Heute soll über die Modernisierung des Kaliwerkes von 1924 bi 1934 berichtete werden (eine wörtliche Wiedergabe) . Dabei bezieht sich Hans-Jürgen Schmidt auf Informationen, die Oberingenieur Ernst Schmidt 1962 zusammengetragen hatte...
Im Hinblick auf den Konzern der Wintershall AG ist vielleicht folgendes von allgemeinem Interesse. Laut. Notiz des Wirtschaftsministeriums von Thüringen vom 7.12.1931 wurde mit Vertrag vom 30.11./3.12.1931 eine neue Gesellschaft gegründet: "Thüringer Erdöl AG Sondershausen". Das geschah auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Land Thüringen und der Wintershall AG. Danach hatte die Wintershall AG das ausschließliche Recht zum Aufsuchen von Erdöl und bei fündig werden auch das Recht zur Gewinnung.
Wie bereits erwähnt, war beschlossen worden, die Schachtanlage 1 zum Großbetrieb auszubauen. Um die Produktion wesentlich zu erhöhen, war es vor allem notwendig, die Rohsalzförderung zu steigern. Deshalb erfolgte als erste einschneidende Maßnahme im Grubenbetrieb bereits ab 1924 die Umstellung der Streckenförderung vom Betrieb mit elektrischen Lokomotiven auf Seilbahnbetrieb. Die restlose Verwirklichung dieser Maßnahme zog sich aber über Jahre hinaus.
Die Einführung der Schrapperförderung begann im Jahre 1927. Damit war auch der Auftakt für eine wesentliche Steigerung des Energiebedarfes im Untertagebetrieb gegeben. Seilbahnförderung, Schrapperbetrieb und die Weiterentwicklung der elektrischen Gesteinsbohrmaschinen von der Type E121 über EI31 und El35 sowie E155 bis zur E158 gestatteten eine merkliche Erhöhung der Förderleistung.
Modernisierung Kaliwerk Glückauf (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Diesen Verhältnissen musste jedoch schnellstens die Schachtförderung angepasst werden. Bekanntlich trug jeder Förderkorb nur zwei Förderwagen. Zwischen Weihnachten 1925 und Neujahr 1925/26 wurden die Förderkörbe gegen solche mit zwei Etagen eingetauscht, von denen jeder vier Förderwagen fasste. Gleichzeitig wurde die Dampffördermaschinenanlage umgebaut. Die 70 t schwere konische Seiltrommel wurde gegen eine Koepescheibe ausgewechselt. Zur besonderen Sicherung des Fahrbetriebes erhielt die Maschine 1926 einen modernen Präzisions?Fahrtregler, Patent Jversen.
Bei weiteren Umbauten, vor allem Pfingsten 1927, ist die Fördermaschine mit neuen Zylindern, moderner Steuerung und Bremseinrichtung ausgerüstet worden. Gleichzeitig wurde die Dampfspannung von 8 atü auf 10 atü heraufgesetzt, so dass die Maschine den an sie gestellten Ansprüchen durchaus genügte. Schließlich ist dann im Jahre 1933 die Förderanlage mit einer modernen Fertigsignalanlage versehen worden. Den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit war damit also auch in dieser Hinsicht Genüge getan. Die Signalanlage ist seinerzeit vom Werk Alexanderhall übernommen worden, welches vorübergehend stillgelegt worden war. Die Abnahmeprüfung der Anlage erfolgte am 3.1.1934.
Um der Gefahr der Vereisung der Schachtröhre im einziehenden Schacht 1 zu begegnen, ist im Jahre 1930 weiterhin eine Schachtheizungsanlage nach Prof. Junkers für 2,5 atü
Dampfspannung und mit einer Leistung von 48000 m³/h Luft eingebaut worden. Die Abnahme dieser Anlage fand am 27.1.1934 statt.
Von der Hängebank bis zur Mühle wurde der selbsttätige Wagenumlauf eingerichtet. Das Abschieben der Wagen vom Förderkorb erfolgte nun nicht mehr von Hand, sondern durch die neue mechanische Abschiebevorrichtung. In der Mühle wurden vor allem die Transportwege durch Einbau von Elevatoren und Transportbändern, an Stelle von Transportschnecken, wesentlich verbessert. Die Mühlengruppen wurden ergänzt bzw. modernisiert und die großen Gruppenantriebe gegen Einzelantriebe ausgetauscht.
Das Lösehaus wurde völlig umgebaut. Die alten "Löseschnecken" im Lösehaus I verschwanden. An ihre Stelle traten zuerst ein neuer großer Apparat, dem kurze Zeit später zwei andere, noch größere folgten, die in den Lösehäusern II/III Aufstellung fanden. Im Zusammenhang damit entstanden eine moderne Vakuumanlage, der Kühlturm, der bis 1959 in den ganzen Umgebung jegliche Vegetation vernichtete sowie die Seilbahnanlage, die bis zum gleichen Zeitpunkt ihren Dienst getan hat. Für die Beseitigung der wesentlich größeren Mengen an Rückstand war bereits vor dem Bau der Seilbahnanlage die vorhandene Spülversatzanlage leistungsfähiger gestaltet worden. Übertage sind schon 1925 die beiden Laugenhochbehälter sowie der zweite Spülversatzbunker gebaut worden. Auch das Pumpenhaus errichtete man in diesem Jahr. Vorher befanden sich Pumpenhaus und zwei gemauerte Laugebecken unmittelbar an der Westseite des Lösehauses. Unter Tage wurde der große Pumpenraum ausgeschossen. Anstelle der alten Triplexpumpe wurde ein Hochdruck-Zentrifugalpumpe mit einem Drehstrommotor von 300 PS und später, im Jahre 1929, eine neue Drillingspumpe von der Gutehoffnungshütte für eine Leistung von 60 m³/h eingebaut.
In rascher Folge, d.h. praktisch bis zum Ende des Jahres 1929, folgten die erweiterte Trockenstation, der Lagerschuppen für 80 %-iges Chlorkalium und schließlich der große Lagerschuppen und die Verladung für 40 %-iges Chlorkalium.
Der gesamte Umbau ist ohne jede Betriebsunterbrechung durchgeführt worden, auch der des Lösehauses. Vielleicht ist auch der Hinweis interessant, dass der Bau des gesamten Komplexes 40, Schuppen mit Verladung und Bandbrücke, nur vier Monate, und zwar Juli bis November 1929 in Anspruch nahm. Am 15.11.1929 wurde das erste Salz eingespeichert. Das war allerdings nur möglich, weil die gesamte Industrie in dieser Zeit der allgemeinen Wirtschaftsdepression geradezu nach Aufträgen hungerte. Handwerker und auch sonst alle gewünschten Leute waren im riesigen Arbeitslosenheer in jeder Qualifikation vorhanden. Es gab also weder Mangel an Arbeitskräften noch an Material. Die erweiterte Trockenstation hatte unter anderem auch einen neuen Schornstein erhalten.
Die Konstruktion desselben war von der Bauabteilung des Konzerns, meines Wissens vom Bauingenieur Sander, entwickelt worden. Einige Zeit nach der Inbetriebnahme zeigten sich im inneren Futter Rissbildungen, die natürlich sehr unerwünscht waren. Trotzdem die Angelegenheit als sehr delikat behandelt wurde, erschien nach einiger Zeit in einer nordamerikanischen Fachzeitschrift ein Artikel, der diesen Fall eingehend behandelte. Das Schönste daran war aber, dass der Artikel mit Fotografien der vorhandenen Risse im Sondershäuser Schornstein ausgestattet war! Im Wintershallkonzern wusste aber kein Mensch etwas davon, wann und durch wen diese Aufnahmen gemacht waren. Offenbar wurde damals schon Werksspionage getrieben.
Mit der Inbetriebnahme all dieser neuen Anlagen stieg die Produktion von Glückauf Sondershausen auf ein Mehrfaches derjenigen vom Jahre 1924.
Im gleichen Maße stieg natürlich auch der Bedarf an Dampf für die KCI?Fabrik und für die 1929 in Betrieb gegangene Mischdüngerfabrik.
Der Bedarf an Elektroenergie war aber in allen Werkanlagen, entsprechen der neuen größeren Apparaturen und der erhöhten Produktionsziffern, ganz rapid angestiegen. Es ist verständlich, dass die Sorgen um die Deckung der Energie beim Ausbau der Werkanlagen nicht gering waren.
Recherchiert von Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khhIm Hinblick auf den Konzern der Wintershall AG ist vielleicht folgendes von allgemeinem Interesse. Laut. Notiz des Wirtschaftsministeriums von Thüringen vom 7.12.1931 wurde mit Vertrag vom 30.11./3.12.1931 eine neue Gesellschaft gegründet: "Thüringer Erdöl AG Sondershausen". Das geschah auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Land Thüringen und der Wintershall AG. Danach hatte die Wintershall AG das ausschließliche Recht zum Aufsuchen von Erdöl und bei fündig werden auch das Recht zur Gewinnung.
Wie bereits erwähnt, war beschlossen worden, die Schachtanlage 1 zum Großbetrieb auszubauen. Um die Produktion wesentlich zu erhöhen, war es vor allem notwendig, die Rohsalzförderung zu steigern. Deshalb erfolgte als erste einschneidende Maßnahme im Grubenbetrieb bereits ab 1924 die Umstellung der Streckenförderung vom Betrieb mit elektrischen Lokomotiven auf Seilbahnbetrieb. Die restlose Verwirklichung dieser Maßnahme zog sich aber über Jahre hinaus.
Die Einführung der Schrapperförderung begann im Jahre 1927. Damit war auch der Auftakt für eine wesentliche Steigerung des Energiebedarfes im Untertagebetrieb gegeben. Seilbahnförderung, Schrapperbetrieb und die Weiterentwicklung der elektrischen Gesteinsbohrmaschinen von der Type E121 über EI31 und El35 sowie E155 bis zur E158 gestatteten eine merkliche Erhöhung der Förderleistung.
Modernisierung Kaliwerk Glückauf (Foto: Archiv Hans-Joachim Schmidt)
Diesen Verhältnissen musste jedoch schnellstens die Schachtförderung angepasst werden. Bekanntlich trug jeder Förderkorb nur zwei Förderwagen. Zwischen Weihnachten 1925 und Neujahr 1925/26 wurden die Förderkörbe gegen solche mit zwei Etagen eingetauscht, von denen jeder vier Förderwagen fasste. Gleichzeitig wurde die Dampffördermaschinenanlage umgebaut. Die 70 t schwere konische Seiltrommel wurde gegen eine Koepescheibe ausgewechselt. Zur besonderen Sicherung des Fahrbetriebes erhielt die Maschine 1926 einen modernen Präzisions?Fahrtregler, Patent Jversen.Bei weiteren Umbauten, vor allem Pfingsten 1927, ist die Fördermaschine mit neuen Zylindern, moderner Steuerung und Bremseinrichtung ausgerüstet worden. Gleichzeitig wurde die Dampfspannung von 8 atü auf 10 atü heraufgesetzt, so dass die Maschine den an sie gestellten Ansprüchen durchaus genügte. Schließlich ist dann im Jahre 1933 die Förderanlage mit einer modernen Fertigsignalanlage versehen worden. Den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit war damit also auch in dieser Hinsicht Genüge getan. Die Signalanlage ist seinerzeit vom Werk Alexanderhall übernommen worden, welches vorübergehend stillgelegt worden war. Die Abnahmeprüfung der Anlage erfolgte am 3.1.1934.
Um der Gefahr der Vereisung der Schachtröhre im einziehenden Schacht 1 zu begegnen, ist im Jahre 1930 weiterhin eine Schachtheizungsanlage nach Prof. Junkers für 2,5 atü
Dampfspannung und mit einer Leistung von 48000 m³/h Luft eingebaut worden. Die Abnahme dieser Anlage fand am 27.1.1934 statt.
Von der Hängebank bis zur Mühle wurde der selbsttätige Wagenumlauf eingerichtet. Das Abschieben der Wagen vom Förderkorb erfolgte nun nicht mehr von Hand, sondern durch die neue mechanische Abschiebevorrichtung. In der Mühle wurden vor allem die Transportwege durch Einbau von Elevatoren und Transportbändern, an Stelle von Transportschnecken, wesentlich verbessert. Die Mühlengruppen wurden ergänzt bzw. modernisiert und die großen Gruppenantriebe gegen Einzelantriebe ausgetauscht.
Das Lösehaus wurde völlig umgebaut. Die alten "Löseschnecken" im Lösehaus I verschwanden. An ihre Stelle traten zuerst ein neuer großer Apparat, dem kurze Zeit später zwei andere, noch größere folgten, die in den Lösehäusern II/III Aufstellung fanden. Im Zusammenhang damit entstanden eine moderne Vakuumanlage, der Kühlturm, der bis 1959 in den ganzen Umgebung jegliche Vegetation vernichtete sowie die Seilbahnanlage, die bis zum gleichen Zeitpunkt ihren Dienst getan hat. Für die Beseitigung der wesentlich größeren Mengen an Rückstand war bereits vor dem Bau der Seilbahnanlage die vorhandene Spülversatzanlage leistungsfähiger gestaltet worden. Übertage sind schon 1925 die beiden Laugenhochbehälter sowie der zweite Spülversatzbunker gebaut worden. Auch das Pumpenhaus errichtete man in diesem Jahr. Vorher befanden sich Pumpenhaus und zwei gemauerte Laugebecken unmittelbar an der Westseite des Lösehauses. Unter Tage wurde der große Pumpenraum ausgeschossen. Anstelle der alten Triplexpumpe wurde ein Hochdruck-Zentrifugalpumpe mit einem Drehstrommotor von 300 PS und später, im Jahre 1929, eine neue Drillingspumpe von der Gutehoffnungshütte für eine Leistung von 60 m³/h eingebaut.
In rascher Folge, d.h. praktisch bis zum Ende des Jahres 1929, folgten die erweiterte Trockenstation, der Lagerschuppen für 80 %-iges Chlorkalium und schließlich der große Lagerschuppen und die Verladung für 40 %-iges Chlorkalium.
Der gesamte Umbau ist ohne jede Betriebsunterbrechung durchgeführt worden, auch der des Lösehauses. Vielleicht ist auch der Hinweis interessant, dass der Bau des gesamten Komplexes 40, Schuppen mit Verladung und Bandbrücke, nur vier Monate, und zwar Juli bis November 1929 in Anspruch nahm. Am 15.11.1929 wurde das erste Salz eingespeichert. Das war allerdings nur möglich, weil die gesamte Industrie in dieser Zeit der allgemeinen Wirtschaftsdepression geradezu nach Aufträgen hungerte. Handwerker und auch sonst alle gewünschten Leute waren im riesigen Arbeitslosenheer in jeder Qualifikation vorhanden. Es gab also weder Mangel an Arbeitskräften noch an Material. Die erweiterte Trockenstation hatte unter anderem auch einen neuen Schornstein erhalten.
Die Konstruktion desselben war von der Bauabteilung des Konzerns, meines Wissens vom Bauingenieur Sander, entwickelt worden. Einige Zeit nach der Inbetriebnahme zeigten sich im inneren Futter Rissbildungen, die natürlich sehr unerwünscht waren. Trotzdem die Angelegenheit als sehr delikat behandelt wurde, erschien nach einiger Zeit in einer nordamerikanischen Fachzeitschrift ein Artikel, der diesen Fall eingehend behandelte. Das Schönste daran war aber, dass der Artikel mit Fotografien der vorhandenen Risse im Sondershäuser Schornstein ausgestattet war! Im Wintershallkonzern wusste aber kein Mensch etwas davon, wann und durch wen diese Aufnahmen gemacht waren. Offenbar wurde damals schon Werksspionage getrieben.
Mit der Inbetriebnahme all dieser neuen Anlagen stieg die Produktion von Glückauf Sondershausen auf ein Mehrfaches derjenigen vom Jahre 1924.
Im gleichen Maße stieg natürlich auch der Bedarf an Dampf für die KCI?Fabrik und für die 1929 in Betrieb gegangene Mischdüngerfabrik.
Der Bedarf an Elektroenergie war aber in allen Werkanlagen, entsprechen der neuen größeren Apparaturen und der erhöhten Produktionsziffern, ganz rapid angestiegen. Es ist verständlich, dass die Sorgen um die Deckung der Energie beim Ausbau der Werkanlagen nicht gering waren.
Recherchiert von Hans-Jürgen Schmidt










