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Nordhausen als Vorreiter

Dienstag, 09. Dezember 2008, 12:37 Uhr
In der Krebstherapie ist vor Kurzem ein neues therapeutisches Verfahren entwickelt worden. Mit seiner Hilfe können bösartige Geschwülste noch schneller und wirksamer bestrahlt werden. Bundesweit ist das erste Gerät in Nordhausen im Einsatz...

Neue Technologie (Foto: shk) Neue Technologie (Foto: shk)

Diese „RapidArc“ genannte Methode steht bisher nur an wenigen Krebszentren weltweit zur Verfügung. Die erste Installation bundesweit ist in der Klinik für Strahlentherapie im Südharz-Krankenhaus Nordhausen erfolgt und wird seit gestern eingesetzt.

Im Mai dieses Jahres ist in einigen amerikanischen Kliniken und in den europäischen Universitäten von Amsterdam und Kopenhagen erstmals eine neue Form der Strahlentherapie mit dem Namen „RapidArc“ eingesetzt worden. Bisher benötigt die Strahlentherapie, besonders die seit einigen Jahren in der Radioonkologie des Südharz-Krankenhauses Nordhausen verfügbare präziseste Methode IMRT (intensitätsmodulierte Radiotherapie) einen erheblichen Zeitaufwand und damit viel Geduld von den Patienten.

Zum Beispiel liegt beim Prostatakrebs die reine Bestrahlungszeit bei 6 – 14 Minuten (im Durchschnitt 9 Minuten), muss der Lymphabfluss mitbehandelt werden, kann eine einzige tägliche Bestrahlung bis zu 27 Minuten erfordern. Einerseits beeinflusst diese lange Bestrahlungszeit die Genauigkeit, denn es ist sehr schwer für einen Patienten so lange wirklich unbeweglich und präzise zu liegen. Andererseits ergibt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, wie viele Patienten man bei dem bestehenden hohen Bedarf arbeitstäglich noch behandeln kann.

Diese (betriebswirtschaftliche) Belastungsgrenze wurde in Nordhausen seit drei Jahren ständig überschritten. Es erfüllt natürlich mit Stolz, dass in der Radioonkologie des Südharz-Krankenhauses Nordhausen in den vergangenen acht Jahren 2560 Patienten komplett mit IMRT behandelt wurden, darunter 549 Patienten mit einem Prostatakarzinom, 498 Patientinnen mit einem Mammakarzinom und 161 Patienten mit bösartigen Enddarmtumoren (Rektumkarzinomen).

Die Bezeichnung „Revolution“ für diese neue Form der Strahlentherapie ist aus dem Englischen mit dem Wort „Umdrehung“ zu übersetzen. Ein kanadischer Medizinphysiker mit dem schönen deutschen Namen Karl Otto hat eine Bestrahlungstechnik entwickelt, die der bisherigen konventionellen 3D-Strahlentherapie mit großer Wahrscheinlichkeit einen historischen Platz zuweisen wird.

Bei einer einzigen Rotation (Umdrehung = arc) des Linearbeschleunigers um den Patienten wird die Strahlung so moduliert (ständig verändert), dass eine ideale Anpassung der Dosisverteilung an das zu bestrahlende Tumorgebiet erreicht wird.

Allerdings erfordert diese Präzisionsstrahlentherapie eine noch intensivere Kontrolle ihrer Genauigkeit. Bisher wurden zur Kontrolle Röntgenbilder mithilfe des Bestrahlungsgerätes angefertigt, die nur knöcherne Strukturen, aber nie die Konturen der zu behandelnden Organtumoren darstellen konnten.

„In unserem neuen Linearbeschleuniger ist auch ein Computertomograf integriert, so dass wir vor der Bestrahlung tatsächlich die Organlage kontrollieren und dann evtl. korrigieren können“, sagt der Chefarzt der Klinik für Radioonkologie Dr. Wolfgang Oehler, „deshalb glauben wir der 2 plus 2-Philosophie unseres Ausrüsters:. 2 Minuten für die Lagerung und Genauigkeitskontrolle via CT und nur 2 Minuten Bestrahlungszeit. Wir sehen das Ende unseres Kapazitätsproblems bei gleichzeitiger Verbesserung der Dosisanpassung an das Tumorgebiet. “
Autor: nnz/kn

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