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Alter schützt vor Willkür nicht

Mittwoch, 14. Januar 2009, 19:49 Uhr
Zum Thema geforderte Rentenkürzung und Konjunkturpaket II gibt es eine Stellungnahme von Sozialverband VdK Nordthüringen...

Der Sozialverband VdK stellt eindeutig fest, das die Rentner nicht Schuld an der Finanzkrise sind. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher hat den Vorschlag einzelner Bundestagsabgeordneter, angesichts der Neuverschuldung durch das Konjunkturpaket II die Renten zu kürzen, als "ungeheuerlich" bezeichnet.

Keine Bevölkerungsgruppe musste in den letzten fünf Jahren größere Kaufkraftverluste hinnehmen als die Rentner. Diese nun auch noch für die Banken- und Finanzkrise haftbar zu machen, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Die Renten seien in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt 1,64 Prozent gestiegen bei einer Inflationsrate von rund 10 Prozent in diesem Zeitraum, betonte die VdK-Chefin.

Die Banken- und Finanzkrise haben in erster Linie unfähige und gierige Manager in den Chefetagen von Banken verursacht. Den Rentnerinnen und Rentnern dafür die Mitverantwortung zu geben, ist unverschämt.

Verlierer bleiben die Rentner. Sie zahlen 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher, weil sie den steigenden Pflegebeitrag schultern müssen, ohne vom sinkenden Arbeitslosenversicherungsbeiträgen zu profitieren. Durch eine weitere Schrumpfung der Rente würden die Rentner unseres Landes vom Wachstum ausgeschlossen.

Altersarmut ist bei der heutigen Rentnergeneration vorprogrammiert Diesen Eindruck bestätigen auch unsere Mitglieder, die zum großen Teil ja Rentner sind bei persönlichen Gesprächen in den Beratungsstellen Nordhausen, Sondershausen und Artern oder zu den Verbandsnachmittagen.
Um die Einkommenslage der Rentner zu beurteilen, wird vielfach auf die so genannte Eckrente zurückgegriffen.

Die Eckrente ist eine fiktive Rente, die einem Versicherten gewährt würde, wenn er über 45 Versicherungsjahre hinweg stets ein Entgelt in Höhe des Durchschnittsentgeltes aller Versicherten erzielt und dementsprechende Beiträge geleistet hätte. Dabei wird außer Acht gelassen, dass durch Arbeitslosigkeit, Mini-Jobs, selbständige Tätigkeiten, Kindererziehungs- und Ausbildungszeiten etc. die Grundlagen eines Eckrentners in der Realität kaum erfüllt werden. Aus diesem Grunde sollten auch die Zahlen zur Eck- oder Durchschnittsrente in einem anderen Licht betrachtet werden.

Die für den Eckrentner erforderlichen 45 Beitragsjahre erreichen lediglich rund ein Viertel der Männer und nur jede zwanzigste Frau. Daraus folgen bereits heute Ruheständler, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Einkünften decken können. Für diesen Personenkreis hat der Gesetzgeber die so genannte bedarfsorientierte Grundsicherung eingeführt.

Ein weiterer Grund für die Altersarmut, ist der Personenkreis der Geringverdiener, da sie nur geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Diese Zunahme der von niedrig bezahlten Beschäftigungsverhältnissen führt langfristig auch zur Altersarmut.

Auch der Anstieg der geringverdienenden Selbständigen wird auf lange Sicht für diesen Personenkreis zu finanziellen Problemen im Alter führen.

Da der überwiegende Teil der Selbständigen nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, muss die Altersvorsorge privat erfolgen. Da etwa ein Drittel aller Selbständigen in den letzten Jahren lediglich über ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1,100 Euro verfügte, ist davon auszugehen, dass keine ausreichende Vorsorge getroffen werden kann.

Unser VdK Kreisverband Nordthüringen mit seinen über 1000 Mitglieder in den 14 Ortsverbänden der Kreise Nordhausen und Kyffhäuserkreis steht nicht nur voll hinter der VdK-Präsidentin Ulrike Mascher, sondern wird auch 2009, dem Superwahljahr, das Thema Armut nicht aus den Augen lassen.
Andreas Links, Sozialverband VdK Nordthüringen
Autor: nnz/kn

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