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Tourismus für Gorsleben?

Montag, 26. Januar 2009, 08:45 Uhr
Tourismus für Gorsleben?
Im letzten Teil unseres Berichtes zur Kreisbereisung von Landrat Peter Hengstermann (CDU) wird ein Thema angeschnitten, worüber nicht gesprochen wurde. Aber man sollte es vielleicht...

Beim Rundgang durch den Ort Gorsleben konnte man sich von den vielen Sehenswürdigkeiten überzeugen. Gorsleben wurde schon 772 urkundlich erwähnt. Welche Gemeinde kann da schon mithalten? Was es da alles zu sehen gibt, ist erstaunlich und ist leider viel zu wenig bekannt und genutzt. Eine Kirche bei der schon die Denkmalspflege mitmischt. Vor dem Tor zu Friedhof und Kirche die sehr alte Skulptur des Sensentodes, einer fast einzigartigen Sonnenuhr.

Skulptur Sensentod (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Skulptur Sensentod (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Skulptur des Sensentods. Vermutlich um 1696.

Kanzel Kirche Gorsleben (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Kanzel Kirche Gorsleben (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Und auch die Kirche hat viel zu bieten. Einen sehr sehenswerten Altar, der wahrscheinlich sogar älter ist, als es Pfarrer Jens Bechtlow annimmt. Auch wenn die Kanzel nicht mehr genutzt werden kann, ist sie doch ein schöner Blickfang für die Augen, ob es die Barockorgel aus 1700 für die Ohren ist, konnte nicht geprüft werden. Aber auch die Kirchenbilder lassen sich sehen.

Der Ort Gorsleben hat wahrscheinlich die größte Dichte von wohl sogar mittelalterlichen Rittergütern in Thüringen, wenn nicht gar Deutschlands. Von früher sechs sind jetzt noch fünf mehr oder weniger gut erhaltene vorhanden. Am besten davon der Schieferhof (Bildergalerie). Auch wenn sicher Eigentumsfragen zu klären wären, aber in der Nähe all dessen könnte problemlos ein Parkplatz geschaffen werden.

Auch wenn das Fachwerkhaus des Rot-Weiß-Gorsleben in der Tat für den Verein zu klein und zu weit vom Sportplatz weg sein dürfte. Sehenswert wie andere Fachwerkhäuser (Bildergalerie) ist es alle mal. Und auch mit einer optisch sehenswerten Gemeindeschenke mit Parkplätzen vor und hinter dem Haus und nur ca. 150 bis 200 m von Kirche und Rittergütern entfernt! Wer weiß, was noch für versteckte Kleinode sich in Gorsleben befinden, wenn man erst mal Experten gezielt suchen lässt.

Nicht zu vergessen. Im Ort hat sich ein bedeutender Künstler niedergelassen. Der wird sicher nicht böse sein, wenn vielleicht nicht nur mal jemand über seinen Zaun schaut, sondern vielleicht mal eine Skulptur kauft. Nur wissen muss man es. Sicher muss man mit Timm Kregel vorher abstimmen, ob er soviel Rummel überhaupt haben möchte. Aber auch ohne die Einbeziehung von Timm Kregel ist die Dichte der Sehenswürdigkeiten überwältigend.

Und bekommt der gemeine touristische Landstreicher etwas davon mit? Mitnichten! Wer durch Gorsleben fährt und kein superscharfes Auge hat, wird die Skulptur des Sensentodes kaum bemerken. Schilder, Hinweise oder ähnliches: Fehlanzeige. Die Homepage der Gemeinde ist bei den Suchmaschinen zwar noch angezeigt, aber im Netz nicht mehr vorhanden. Auch die Homepage der zuständigen Verwaltungsgemeinschaft weist auch nicht gerade üppig auf die Sehenswürdigkeiten hin.

Viel Geld hat der Kreis in den Unstrutradweg rein gesteckt, aber auch hier kommt Gorsleben bei der touristischen Darstellung schlecht weg. Auf www.unstrutradweg.de ist von Rittergütern, Sensentod, Alter und Kanzel nichts zu lesen. Aber wenigstens die Bonifazius-Kirche ist erwähnt.
(Korrektur: Der Sensentod wurde übersehen. Aber die Sehenswürdigkeiten der Kirche ungenügend erwähnt.)
Die längste Darstellung gibt es auf der Homepage der Kreisverwaltung www.kyffhaeuser.de. Nur welcher Tourist durchforstet die Homepage einer Kreisverwaltung? Oder will man lieber mit Absicht noch nicht so auf Gorsleben aufmerksam machen, weil gerade die Rittergüter nicht gerade, zumindest bis jetzt, den vorzeigenswürdigsten Eindruck hinterlassen?

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass durch den Ort die B85 führt, und wenige Kilometer weiter gleich hinter Etzleben sich die Anschlussstelle der A71 befindet, kann man sich ausrechnen, dass sich dort die Erreichbarkeit des Ortes noch wesentlich verbessern wird.

Es dürfte jetzt wohl höchste Zeit sein. dass sich Wirtschaftsförderung, Tourismusverband und Heimatforscher zusammensetzen, um bei diesen hervorragenden Voraussetzungen abzuklären, ob sich hier nicht doch ein touristisches Konzept basteln lässt. Sicher ist auch baulich etliches zu tun, aber vielleicht bietet ja hier auch das Konjunkturpaket etwas, denn man kann es bestimmt als Strukturmaßnahme für die Region verkaufen. Probieren sollte man es. Und wenn nur paar Hinweisschilder rauskommen. Am preiswertesten ist natürlich die Darstellung im Internet.

Karl-Heinz Herrmann
Autor: khh

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