Rolf Münzner – Grafik und Zeichnung
Mittwoch, 18. Februar 2009, 07:01 Uhr
Eine Sonderausstellung des Künstlers Rolf Münzner beginnt mit einer Vernissage am Samstag, 28. Februar 2009 um 16.00 Uhr in Anwesenheit des Künstlers im Panoramamuseum Bad Frankenhausen. Mehr zum Künstler und zur Ausstellung erfahren Sie hier...
Rund 150 grafische Blätter, knapp 90 Zeichnungen und eine Reihe bibliophiler Buchausgaben, Einblattdrucke und Mappenwerke von Rolf Münzner aus der Zeit von 1975 bis heute präsentiert das Panorama Museum Bad Frankenhausen vom 28. Februar bis zum 01. Juni 2009.
Die alte Singer, III, 2006 (zum 23.3.1966), Steindruck / Asphaltschabtechnik / Kreide / Ritzung, 31 x 42 cm
Zu sehen im
Panorama Museum
Am Schlachtberg 9, 06567 Bad Frankenhausen
Tel: 034671 / 6 19 21 Fax: 034671 / 6 19 20
Website: www.panorama-museum.de
Rolf Münzner, geboren 1942, gilt längst weit über seinen eigentlichen Wirkungskreis hinaus als einer der führenden Meister zeitgenössischer Grafik und Zeichnung überhaupt. Mehr als drei Jahrzehnte hat er an seinem einstigen Studienort, der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, selbst als Lehrer gewirkt und das Profil der international bekannten und vielbeachteten Kunstauffassung der »Leipziger Schule« zweier Generationen entscheidend mitgeprägt. Zeichnen war ihm dabei stets die Basis seines künstlerischen Tuns und dessen unmittelbarster Ausdruck.
Besondere Aufmerksamkeit und Anerkennung erlangte er darüber hinaus schon früh in der seltenen Technik des Steindruckes in Asphaltschabmanier, die er derart virtuos beherrscht und zu solch künstlerischer Vollendung geführt hat, dass seine Schabblätter zum Besten gehören, was die neuere Kunst auf dem Gebiet der Grafik hervorgebracht hat. Die Nachtschwärze des Steins gibt ein Welttheater irrlichternder Gestalten frei, hoffmanneske Verwirrspiele zwischen finsterer Realität und suggestiver Phantastik, die scheinbar alle Erfahrung überschreiten und voll subtiler Überzeichnung sind, tatsächlich aber ein zutiefst ernstes und wahrhaftiges, auch gesellschafts- und moralkritisches Welt- und Menschenbild vor Augen stellen, das vielfältigste Bezüge zur Literatur mit ganz persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen vereint.
Im Spiegel der Literatur findet der Künstler Wesensmomente der Wirklichkeit. »Alles ist voll innerer Bedeutung, manchmal rätselhaft, auch humorig, tragikomisch und voller Schwermut«, betonte er schon vor langer Zeit. Mit seiner Verknüpfung widerstreitender Aspekte, seiner hintergründigen, so komplexen wie oft rätselhaften Metaphorik, seiner Neigung zu Verfeinerungen und Übertreibungen, zu Forcierungen und Überspitzungen, zu Parodien und Satiren, bald ironisch, bald phantastisch, bald erschreckend oder grotesk, erweist er sich als ein Protagonist jenes »Leipziger Manierismus«, dem er ebenso souverän entwachsen ist, wie er ihm neue Facetten zuweist, indem er das Vorbild der Alten bruchlos mit den besten Errungenschaften der Moderne zu verbinden weiß.
Münzners unbedingte Eigenart wie seine gleichzeitige Zugehörigkeit zu dem, was man neuerdings die alte »Leipziger Schule« nennt, ist angesichts der maßgeblichen Charakteristika seiner Kunst evident. Sein grundlegendes Bekenntnis zum Menschen, zur Figur, zum sichtbaren Gegenstand, doch auch zur Subjektivität des künstlerischen Ausdrucks, seine kritische Realitätssicht und traumhafte Phantastik, seine einzigartige Fähigkeit zu poetischer Verdichtung prononcierter Gedanklichkeit, sein Hang zu Gleichnissen und Verfremdung, seine Bravour im zeichnerischen Herangehen und der Beherrschung der künstlerischen Mittel wie sein Streben nach Perfektion in der letztendlichen Ausführung gehören ebenso dazu wie vielfältigste Bindungen an kunstgeschichtliche Vorbilder und die Welt der Literatur. Kunstgeschichte und Literatur hat er einst selbst als seine entscheidenden Lehrmeister bezeichnet.
Mit Hochachtung verweist er auf die Leistungen seiner »Väter«, auf Rembrandt und Goya, auf Satiriker wie Hogarth und Doré, auf die Meister des Grotesken wie Callot, Ensor, Kubin, Grosz und auch den frühen Klee. Wesentliche Anregungen verdankt er dazu Gerhard Kurt Müller, in den Sechzigern Leiter der Klasse für Grafik und Illustration, Professor und kurzzeitig auch Rektor der Leipziger Akademie, der zu Unrecht allzu oft vergessen wird, wenn von den Begründern der »Leipziger Schule« die Rede ist. Er war es, der Rolf Münzner noch als Student zur Literatur führte. Literatur, das ist Münzners zweite Natur. Sie bietet ihm den Stoff zur Entfaltung vielschichtigster Imaginationen, Gedanken und Problemsichten, ja ganzer Menschheitsdramen und Weltbilder. Literatur- und Wirklichkeitserlebnisse befruchten sich in wechselseitiger Durchdringung, entzünden und steigern sich im Miteinander, um letztlich in großartiger Kunst zu neuer Bedeutung zu gelangen.
Münzner ist nicht nur überaus belesen und kundig in literarischen Dingen, sondern so souverän, dass er sich mühelos auch von der Vorlage lösen kann. Von Anbeginn ging es ihm nicht lediglich um bloße Bebilderungen der Texte, sondern um tiefsinnige Deutungen der Werke, um Erhellung ihrer archethematischen Gehalte. Daher können seine Arbeiten immer auch unabhängig von ihrem literarischen Ursprung gesehen werden und bestehen.
Gerd Lindner
Autor: nnz/knRund 150 grafische Blätter, knapp 90 Zeichnungen und eine Reihe bibliophiler Buchausgaben, Einblattdrucke und Mappenwerke von Rolf Münzner aus der Zeit von 1975 bis heute präsentiert das Panorama Museum Bad Frankenhausen vom 28. Februar bis zum 01. Juni 2009.
Die alte Singer, III, 2006 (zum 23.3.1966), Steindruck / Asphaltschabtechnik / Kreide / Ritzung, 31 x 42 cm
Zu sehen im
Panorama Museum
Am Schlachtberg 9, 06567 Bad Frankenhausen
Tel: 034671 / 6 19 21 Fax: 034671 / 6 19 20
Website: www.panorama-museum.de
Rolf Münzner, geboren 1942, gilt längst weit über seinen eigentlichen Wirkungskreis hinaus als einer der führenden Meister zeitgenössischer Grafik und Zeichnung überhaupt. Mehr als drei Jahrzehnte hat er an seinem einstigen Studienort, der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, selbst als Lehrer gewirkt und das Profil der international bekannten und vielbeachteten Kunstauffassung der »Leipziger Schule« zweier Generationen entscheidend mitgeprägt. Zeichnen war ihm dabei stets die Basis seines künstlerischen Tuns und dessen unmittelbarster Ausdruck.
Besondere Aufmerksamkeit und Anerkennung erlangte er darüber hinaus schon früh in der seltenen Technik des Steindruckes in Asphaltschabmanier, die er derart virtuos beherrscht und zu solch künstlerischer Vollendung geführt hat, dass seine Schabblätter zum Besten gehören, was die neuere Kunst auf dem Gebiet der Grafik hervorgebracht hat. Die Nachtschwärze des Steins gibt ein Welttheater irrlichternder Gestalten frei, hoffmanneske Verwirrspiele zwischen finsterer Realität und suggestiver Phantastik, die scheinbar alle Erfahrung überschreiten und voll subtiler Überzeichnung sind, tatsächlich aber ein zutiefst ernstes und wahrhaftiges, auch gesellschafts- und moralkritisches Welt- und Menschenbild vor Augen stellen, das vielfältigste Bezüge zur Literatur mit ganz persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen vereint.
Im Spiegel der Literatur findet der Künstler Wesensmomente der Wirklichkeit. »Alles ist voll innerer Bedeutung, manchmal rätselhaft, auch humorig, tragikomisch und voller Schwermut«, betonte er schon vor langer Zeit. Mit seiner Verknüpfung widerstreitender Aspekte, seiner hintergründigen, so komplexen wie oft rätselhaften Metaphorik, seiner Neigung zu Verfeinerungen und Übertreibungen, zu Forcierungen und Überspitzungen, zu Parodien und Satiren, bald ironisch, bald phantastisch, bald erschreckend oder grotesk, erweist er sich als ein Protagonist jenes »Leipziger Manierismus«, dem er ebenso souverän entwachsen ist, wie er ihm neue Facetten zuweist, indem er das Vorbild der Alten bruchlos mit den besten Errungenschaften der Moderne zu verbinden weiß.
Münzners unbedingte Eigenart wie seine gleichzeitige Zugehörigkeit zu dem, was man neuerdings die alte »Leipziger Schule« nennt, ist angesichts der maßgeblichen Charakteristika seiner Kunst evident. Sein grundlegendes Bekenntnis zum Menschen, zur Figur, zum sichtbaren Gegenstand, doch auch zur Subjektivität des künstlerischen Ausdrucks, seine kritische Realitätssicht und traumhafte Phantastik, seine einzigartige Fähigkeit zu poetischer Verdichtung prononcierter Gedanklichkeit, sein Hang zu Gleichnissen und Verfremdung, seine Bravour im zeichnerischen Herangehen und der Beherrschung der künstlerischen Mittel wie sein Streben nach Perfektion in der letztendlichen Ausführung gehören ebenso dazu wie vielfältigste Bindungen an kunstgeschichtliche Vorbilder und die Welt der Literatur. Kunstgeschichte und Literatur hat er einst selbst als seine entscheidenden Lehrmeister bezeichnet.
Mit Hochachtung verweist er auf die Leistungen seiner »Väter«, auf Rembrandt und Goya, auf Satiriker wie Hogarth und Doré, auf die Meister des Grotesken wie Callot, Ensor, Kubin, Grosz und auch den frühen Klee. Wesentliche Anregungen verdankt er dazu Gerhard Kurt Müller, in den Sechzigern Leiter der Klasse für Grafik und Illustration, Professor und kurzzeitig auch Rektor der Leipziger Akademie, der zu Unrecht allzu oft vergessen wird, wenn von den Begründern der »Leipziger Schule« die Rede ist. Er war es, der Rolf Münzner noch als Student zur Literatur führte. Literatur, das ist Münzners zweite Natur. Sie bietet ihm den Stoff zur Entfaltung vielschichtigster Imaginationen, Gedanken und Problemsichten, ja ganzer Menschheitsdramen und Weltbilder. Literatur- und Wirklichkeitserlebnisse befruchten sich in wechselseitiger Durchdringung, entzünden und steigern sich im Miteinander, um letztlich in großartiger Kunst zu neuer Bedeutung zu gelangen.
Münzner ist nicht nur überaus belesen und kundig in literarischen Dingen, sondern so souverän, dass er sich mühelos auch von der Vorlage lösen kann. Von Anbeginn ging es ihm nicht lediglich um bloße Bebilderungen der Texte, sondern um tiefsinnige Deutungen der Werke, um Erhellung ihrer archethematischen Gehalte. Daher können seine Arbeiten immer auch unabhängig von ihrem literarischen Ursprung gesehen werden und bestehen.
Gerd Lindner
