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Richter Kropp: Tatort Bahnhof

Mittwoch, 25. Februar 2009, 12:51 Uhr
Bahnhof Sangerhausen, Gleis 4 – es ist der 14. März des veragangenen Jahres, 22.00 Uhr. Die junge Vietnamesin Lu (20) befindet sich am Gleis und wartet auf den Zug nach Nordhausen, als sich ihr drei junge deutsche Männer alkoholisiert nähern. Einer davon hatte jetzt eine Begegnung mit Richter Christian Kropp.


Der eine, Christopher O. (19, Name geändert) ist Lehrling und Ausländerhasser. Mit den Worten „Fidschischlampe“ wird Lu traktiert, Christopher spuckt ihr mehrmals in das Gesicht und schlägt ihr mit der Faust in das Gesicht. Als sie sich auf einem anderen Gleis in Sicherheit bringt, folgen ihr die Hooligans und Christopher schlägt sie nieder, so dass sie beinahe unter den Zug gerät.

Körperverletzung in zwei Fällen sowie Beleidigung standen jetzt zur Verhandlung vor dem Sondershäuser Amtsgericht an. Den Vorsitz hatte Jugendrichter Christian Kropp. Kropp äußerte gleich zu Beginn der Verhandlung wenig Verständnis für solch einen Ausländerhass, zumal Lu als Studentin der Betriebswirtschaft offensichtlich mehr „auf dem Kasten“ hatte, als der pöbelnde Mob.

Daraufhin kam auch so etwas wie ein Geständnis von Christopher, jedoch nur für die Beleidigungen. Um die Schläge zu gestehen, war er angeblich zu betrunken. Lu konnte in reinem Deutsch dann die ganze Geschichte erzählen, einer der Kumpane von Christopher konnte wenigstens Teile dazu beitragen.

Ob er denn dem jungen Mädchen noch etwas zu sagen habe, so die Frage des Richters. Er wisse nicht was, darauf Christopher. Zum Beispiel könnten sie sich entschuldigen, lautete die launische Antwort des Jugendrichters. Eine Gesamtfreiheitsstrafe von 6 Monaten, so lautete das Ergebnis der Verhandlung vor dem Sondershäuser Amtsgericht.

Christopher muss 900 Euro an den Förderverein des Kyffhäuser Gymnasiums zahlen und hat sich straffrei zu führen. Eine Bewährungshelferin überwacht das Ganze. Die deutlichen Worte des Richters an seinen jungen Delinquenten:“ Wer zu dumm ist, in den richtigen Zug zu steigen, sollte in seinem Leben lieber kleine Brötchen backen!“

Denn Christopher hatte die Geduld des Richters aufs Äußerste strapaziert. Er war zwei Stunden zu spät zum Gerichtstermin gekommen, weil er in Artern in den falschen Zug gestiegen war. Große Worte kann er wohl nur in Gegenwart seiner Freunde und unter Alkohol machen. Immerhin hat er das Urteil akzeptiert, das Verfahren ist rechtskräftig geworden.
Autor: nnz/kn

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