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Läutender Fehlguss

Mittwoch, 01. Juli 2009, 14:05 Uhr
In der Sondershäuser Elisabethkirche läutete jahrzehntelang eine Glockenrarität, von der bisher nur wenige wussten, dass sie einen Fehler hatte, ohne dass es zu hören war...

Eigentlich wollte kn nur mal an der Elisabethkirche von Sondershausen vorbeischauen, um zu sehen, wie so die Bauarbeiten an der Elisabethkirche laufen, zumal ein an einer Kirche arbeitender Kran auch nicht gerade zu den Alltäglichkeiten gehört. Aber dann präsentierte Pfarrer Günther Albrecht eine richtige kleine Sensation.

Glocke Johannes der Täufer (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Glocke Johannes der Täufer (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Beim Gang durch die völlig von außen mit Gerüsten zugestellte Kirche führte sein Weg auch zu den Glocken. Bei einem seiner letzten intensiven Inspektionen seiner Kirche war ihm an einer der Glocken etwas seltsames aufgefallen. An der aus der Glockengießerei Apolda stammenden Glocke stand nicht etwa Werk Apolda, sondern Werk Aploda. Ein Fehler beim Guss, der bisher völlig unbemerkt geblieben. Sogar in allen Gutachten zur Glocke ist dieser Fehler nicht verzeichnet worden, wie Pfarrer Albrecht bemerkte.

Glocke Johannes der Täufer (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Glocke Johannes der Täufer (Foto: Karl-Heinz Herrmann)


Die Glocke hat einen eigenen Namen und heißt „Johannes der Täufer“ und wurde 1924 von den Gebr. Ulbrich in Apolda gegossen. Zwischen den Stegen ist die Inschrift :
S. JOHANNES BAPT. O.P.N. - darunter
Werk APLODA/1917 VERSTUMMTE ICH DIENEND DEM VATERLANDE/1924 ERSTAND ICH EINER NEUEN KIRCHE UND ZEIT

Glocke Johannes der Täufer (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Glocke Johannes der Täufer (Foto: Karl-Heinz Herrmann)


Die älteste der Glocken in der Elisabethkirche stammte aus dem Jahre 1907. Insgesamt sind im Kirchturm drei Glocken, die vom Klang her leider nicht harmonieren, so Pfarrer Albrecht. Aber das wird sich bald ändern. Es ist vorgesehen, dass das gesamte Geläut ausgetauscht wird und eine vierte Glocke dazu kommt. Das wird ca. 70.000 Euro kosten. Davon sind noch 13.000 Euro aufzubringen. Die vier Glocken werden dann aber so gegossen, dass sie im Klang harmonieren. Dazu sagen Pfarrer Albrecht: „Eine Vision war geboren.“ Außerdem wird Pfarrer Albrecht noch im Laufe des Julis einen Spendenaufruf starten, um möglichst bald das Geld zusammenzuhaben. Wenn es klappt, könnte schon Anfang Oktober die Glockenweihe sein.

Die Glocke „Johannes der Täufer“ wird übrigens einen Platz im Glockenmuseum finden, nicht nur wegen des Fehlgusses, sondern auch wegen ihrer seltenen Bauart. Ende August so Pfarrer Albrecht wird eine Busfahrt zum Glockenguss nach Sinn bei Gießen organisiert.


Autor: khh

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