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Unterwegs ins Glockenmuseum

Sonntag, 19. Juli 2009, 07:03 Uhr
Die drei am Freitag in der Elisabethkirche von Sondershausen aus dem Glockenturm entfernten Glocken, nehmen sehr unterschiedliche Wege. Mit Pfarrer Günter Albrecht schaute kn mal in die Historie und gibt einen Ausblick wie es weitergeht...

Über den interessanten Glockenfehlguss der Glocke „Johannes der Täufer“ und dass alle Glocken der Elisabethkirche erst mal aus dem Glockenturm müssen, hatte kn schon berichtet. Am Freitag kurz vor Acht war es soweit. Mit einem Kranauto sollten die Glocken sicher auf die Erde gebracht werden. Spannend dabei immer, wo holt man die Glocken raus.

Glocken Elisabethkirche (Foto: Katholisches Pfarramt Sondershausen) Glocken Elisabethkirche (Foto: Katholisches Pfarramt Sondershausen)


Mit dem Ausbau der Glocken und dem späteren Neubau des Glockenstuhls wurde die Fa. Huke & Söhne (Zimmerei) Sondershausen beauftragt, die sich in einer Ausschreibung durchgesetzt hatten. Bevor aber neue Glocken eingesetzt werden können, müssen erst der Glockenboden und der Glockenstuhl erneuert werden. Dafür wird übrigens Eichenholz verwendet werden. Nach dem Entfernen der Glocken nutze man gleich die Gelegenheit, das dazu benötigte Holz in den Kirchturm zu befördern, siehe in der Bildergalerie.

Glocken Elisabethkirche (Foto: Katholisches Pfarramt Sondershausen) Glocken Elisabethkirche (Foto: Katholisches Pfarramt Sondershausen)


Einen sehr unterschiedlichen Weg werden die drei Glocken gehen, die dann auf dem Transporter der Firma landeten. Die älteste Glocke, die „Hubertus-Glocke“, die schon 1907 gegossen worden war, wird in der hessischen Glocken- und Kunstgießerei Rinker (35760 Sinn / Hessen) gereinigt und später wieder nach Sondershausen zurückkommen. Die durch den Fehlguss bekannt gewordene Glocke „Johannes der Täufer“ mit der falschen Werksangabe Aploda wird im Deutschen Glockenmuseum auf Burg Greifenstein (in der Nähe von Wetzlar) einen schönen Platz finden.

Glocken Elisabethkirche (Foto: Katholisches Pfarramt Sondershausen) Glocken Elisabethkirche (Foto: Katholisches Pfarramt Sondershausen)


Was aus der dritten Glocke werden wird, ist noch nicht klar. Sie wird aber keinesfalls zurück nach Sondershausen kommen. Das Problem der bisherigen drei Glocken war nämlich, dass sie nicht in ihrem Klang harmonierten. Bei dieser Glocke wird zuerst geprüft, ob sich nicht eine Kirche findet, die eine Glocke von genau diesem Klang brauchen, und auch ob jemand das dort auch finanzieren kann. Nur wenn alle Stricke reißen, könnte diese Glocke auch wieder eingeschmolzen werden.

Wird jetzt die Elisabethkirche etwa nur noch eine Glocke haben, wird sich jetzt der besorgte Leser fragen? Natürlich nicht. Es bestand schon lange die Vision beim Thema Glocken den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, verriet Pfarrer Günter Albrecht gegenüber kn. Als im Jahre 1908 der Neubau der stattfand, hatte die Elisabethkirche nämlich schon mal vier Glocken. Aber im 1. Weltkrieg (19179 hatte das damalige Kriegsministerium drei der Glocken beschlagnahmt, abgebaut und eingeschmolzen, um daraus Kriegsgerät bauen zu können.

Bis zum Jahr 1952 läutete tatsächlich nur eine Glocke. Erst 1952 wurde eine und dann nochmals 1959 eine weitere Glocken hinzu gekauft, so dass man seit dem mit drei Glocken läuten konnte. Allerdings harmonierten die drei Glocken nicht im Klang, die erst von Hand und später elektrisch geläutet wurden. Mit der anstehenden Sanierung der Elisabethkirche wurde auch die Vision geprüft, wieder ein Geläut von vier Glocken einsetzen zu wollen.

Mit dem kirchlichem Bauamt und einem Glockensachverständigen wurde dann das Projekt ausgearbeitet, bei dem eine der alten Glocken aufgearbeitet wird und drei neue Glocken dazu gekauft werden, so dass demnächst wieder vier Glocken in der Elisabethkirche läuten werden, wie zuletzt vor dem 1. Weltkrieg. Das wird Projekt ca. 70.000 Euro kosten. Davon sind noch 13.000 Euro aufzubringen. Spenden dazu, auch von privat sind erwünscht. Sie können das Geld im Pfarramt abgeben oder über das
Spendenkonto
Katholische Kirchgemeinde
Kyffhäusersparkasse Konto 3 000 017 770
BLZ 820 550 00 Stichwort: Glocken.

Wie geht es jetzt zeitlich weiter? Am Freitag, den 28. August 2009 gibt es eine Busfahrt zum Glockenguss mit Besichtigung des Deutschen Glockenmuseums. Interessenten können sich im Pfarramt unter Telefon 03632 / 543238 anmelden. Die feierliche Glockenweihe wird am Freitag dem 4. Oktober 2009 um 14:00 Uhr mit einem Festgottesdienst begangen, mit anschließendem Gemeindefest im Pfarrgarten. Die Endmontage der Glocken und dem Antrieb mit Steuerung wird dann Ende Oktober / Anfang 2009 erfolgen, so dass danach wieder vier Glocken läuten werden können.
Bilder: Katholisches Pfarramt

Autor: khh

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