kn-Forum: Passend rechnen
Dienstag, 21. Juli 2009, 07:54 Uhr
Die Diskussion um Wirtschaftszahlen geht im Kyffhäuserkreis munter weiter. Torsten Blümel, der für die LINKE in den Landtag gewählt werden will, hat seinen Worten nach mit Zahlen eines CDU-Ministeriums argumentiert...
Herr Thomas Gottweiss, enger Vertrauter von CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring, unterstellt mir in seiner Antwort auf meinen Artikel "Glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast!" schlampige Recherche.
Da blutet mir doch wahrhaft das Herz und ich weiß nicht so recht, ob ich mich wirklich verteidigen sollte. Denn immerhin beruhten meine Zahlen auf Aussagen des Wirtschaftsministers und des Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Arbeit (TMWTA). Die Quellen dazu hatte ich ja angegeben. Gebe ich schlampige Recherche mit diesen Quellen zu, dann müsste das ja heißen, Herr Gottweiss bescheinigt sowohl seinem Minister Jürgen Reinholz von der CDU als auch dessen Ministerium eine schlampige Arbeit. Das wäre somit mein Bauernopfer, denn ich habe es lt. Gottweiss mit meiner Aussage ja nicht verdient, gewählt zu werden. Aber dann Minister Reinholz ja eben so wenig!? Sag ich doch, die CDU gehört abgewählt!
Andererseits muss ich mich ja nicht als Bauernopfer anbiedern und kann mich verteidigen. Nach einem Aufsatz von Herrn Detlev Ewald (Thüringer Landesamt für Statistik) vom März 2008 betrug die Betriebsdichte in der Thüringer Industrie im Jahre 2000 30,5 Betriebe /
100.000 Einwohner und 2007 37,6 Betriebe. Im Jahr 2008 gab es in Thüringen nach dem "Thüringer Wirtschaftsreport IV/2008 (Stand 03/2009)" vom TMWTA 885 Betriebe mit 50 oder mehr Beschäftigten, was bei einer Einwohnerzahl von rund 2,3 Mio. eine Betriebsdichte von rund 38,5 Betrieben auf 100.000 Einwohner ergibt. Somit erscheint die Zahl 38 sehr real. Oder Herr Gottweiss kann mir erklären, wieso aus einer Dichte von 37,5 Betrieben/100.000 EW 12 Monate später 81 werden sollen.
Aber es gibt sicher eine Antwort dafür. Und die hängt mit meiner Frage im Ursprungsartikel zusammen, wieso die Arbeitslosenquote im Kyffhäuserkreis so hoch ist, wenn Thüringen in der Betriebsdichte so hervorragend ist. Und wir sind wieder da: "Glaube nur der Statistik..."
Thüringen rühmt sich mit einer hohen Betriebsdichte, aber Thüringer Betriebe haben im Vergleich zu anderen Bundesländern wenig Beschäftigte. Es nützt mir wenig, viele kleine Betriebe zu haben und mich dessen Anzahl zu rühmen. Und je mehr kleinere Betriebe ich einbeziehe, umso besser steht Thüringen statistisch da.
Aber nur statistisch. Und damit die CDU Erfolge für den Wahlkampf vermelden kann, hat man wohl kleinere Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten eingerechnet. Und somit ist so ein kleiner Betrieb statistisch einem VW-Werk in Niedersachsen gleichgestellt. Nur nützen wird uns das nichts. Die Aussagen der CDU ähneln so ein wenig dem sozialistischen Wettbewerb: Was nicht passt, wird statistisch passend gerechnet.
Herr Gottweiss: Thüringen hatte im Jahre 2008 eine Betriebsdichte von rund 38 Betrieben/100.000 EW bei Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten. Da habe ich nicht schlampig recherchiert und der Wirtschaftsminister wird Ihnen diese Zahlen bestätigen. Das Landesamt für Statistik übrigens auch. Und das wird seit 2007 so gerechnet. Aber das passt nicht so recht in den Wahlkampf der CDU. Also verändert man die Statistik für das Jahr 2008. Ohne die Berechnungsgröße zu nennen. Und alle denken, es geht vorwärts.
Da ich nicht schlampig recherchiert habe, bleibt es also dabei: Ich bin wählbar und die CDU gehört mit ihren Taschenspielertricks abgewählt!
http://www.tls.thueringen.de/analysen/Aufsatz-03-2008.pdf
http://www.thueringen.de/imperia/md/content/tmwta/wirtschaftsreport/th-wirtreport_iv-08-gesamt.pdf
Torsten Blümel
Herr Thomas Gottweiss, enger Vertrauter von CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring, unterstellt mir in seiner Antwort auf meinen Artikel "Glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast!" schlampige Recherche.
Da blutet mir doch wahrhaft das Herz und ich weiß nicht so recht, ob ich mich wirklich verteidigen sollte. Denn immerhin beruhten meine Zahlen auf Aussagen des Wirtschaftsministers und des Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Arbeit (TMWTA). Die Quellen dazu hatte ich ja angegeben. Gebe ich schlampige Recherche mit diesen Quellen zu, dann müsste das ja heißen, Herr Gottweiss bescheinigt sowohl seinem Minister Jürgen Reinholz von der CDU als auch dessen Ministerium eine schlampige Arbeit. Das wäre somit mein Bauernopfer, denn ich habe es lt. Gottweiss mit meiner Aussage ja nicht verdient, gewählt zu werden. Aber dann Minister Reinholz ja eben so wenig!? Sag ich doch, die CDU gehört abgewählt!
Andererseits muss ich mich ja nicht als Bauernopfer anbiedern und kann mich verteidigen. Nach einem Aufsatz von Herrn Detlev Ewald (Thüringer Landesamt für Statistik) vom März 2008 betrug die Betriebsdichte in der Thüringer Industrie im Jahre 2000 30,5 Betriebe /
100.000 Einwohner und 2007 37,6 Betriebe. Im Jahr 2008 gab es in Thüringen nach dem "Thüringer Wirtschaftsreport IV/2008 (Stand 03/2009)" vom TMWTA 885 Betriebe mit 50 oder mehr Beschäftigten, was bei einer Einwohnerzahl von rund 2,3 Mio. eine Betriebsdichte von rund 38,5 Betrieben auf 100.000 Einwohner ergibt. Somit erscheint die Zahl 38 sehr real. Oder Herr Gottweiss kann mir erklären, wieso aus einer Dichte von 37,5 Betrieben/100.000 EW 12 Monate später 81 werden sollen.
Aber es gibt sicher eine Antwort dafür. Und die hängt mit meiner Frage im Ursprungsartikel zusammen, wieso die Arbeitslosenquote im Kyffhäuserkreis so hoch ist, wenn Thüringen in der Betriebsdichte so hervorragend ist. Und wir sind wieder da: "Glaube nur der Statistik..."
Thüringen rühmt sich mit einer hohen Betriebsdichte, aber Thüringer Betriebe haben im Vergleich zu anderen Bundesländern wenig Beschäftigte. Es nützt mir wenig, viele kleine Betriebe zu haben und mich dessen Anzahl zu rühmen. Und je mehr kleinere Betriebe ich einbeziehe, umso besser steht Thüringen statistisch da.
Aber nur statistisch. Und damit die CDU Erfolge für den Wahlkampf vermelden kann, hat man wohl kleinere Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten eingerechnet. Und somit ist so ein kleiner Betrieb statistisch einem VW-Werk in Niedersachsen gleichgestellt. Nur nützen wird uns das nichts. Die Aussagen der CDU ähneln so ein wenig dem sozialistischen Wettbewerb: Was nicht passt, wird statistisch passend gerechnet.
Herr Gottweiss: Thüringen hatte im Jahre 2008 eine Betriebsdichte von rund 38 Betrieben/100.000 EW bei Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten. Da habe ich nicht schlampig recherchiert und der Wirtschaftsminister wird Ihnen diese Zahlen bestätigen. Das Landesamt für Statistik übrigens auch. Und das wird seit 2007 so gerechnet. Aber das passt nicht so recht in den Wahlkampf der CDU. Also verändert man die Statistik für das Jahr 2008. Ohne die Berechnungsgröße zu nennen. Und alle denken, es geht vorwärts.
Da ich nicht schlampig recherchiert habe, bleibt es also dabei: Ich bin wählbar und die CDU gehört mit ihren Taschenspielertricks abgewählt!
http://www.tls.thueringen.de/analysen/Aufsatz-03-2008.pdf
http://www.thueringen.de/imperia/md/content/tmwta/wirtschaftsreport/th-wirtreport_iv-08-gesamt.pdf
Torsten Blümel
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz/knDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
