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Spender brechen weg!

Donnerstag, 17. September 2009, 19:21 Uhr
Zu einem Informationsbesuch bei der „Tafel“ der Gemeinnützige Förderungsgesellschaft Arbeit und Umwelt mbH (FAU) war heute ein Bundestagskandidat zu Besuch. Da kn noch nicht über die Tafel berichtet hatte, mischte man sich einfach mal unter die Besucher...


Nach dem er am Vormittag auf Wahlkampftour in Greußen auf dem Markt war, informierte sich der SPD-Bundestagskandidat Steffen Lemme über die Arbeit der „Sondershäuser Tafel“ in der Bedürftige der Stadt Sondershausen sich mit kostengünstigen Lebensmitteln versorgen können, um überhaupt halbwegs über die Runden zu kommen. Organisiert wird die Tafel von der FAU. Geschäftsführer Lothar Hildesheim gab dem Gast einen Abriss über die Arbeit der Tafel.

Besuch bei der Tafel (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Besuch bei der Tafel (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Marion Schmidt, Lothar Hildesheim und Steffen Lemme

Hildesheim informierte, dass die FAU 1991 gegründet wurde. Als 2000 der Verein Sondershäuser Tafel aufhörte zu existieren, wurde die FAU beauftragt, die Arbeit der Tafel weiter zu führen. Nach vielen Orten in der Stadt, in der die Tafel schon mal untergebracht war, hat man nun seit 2005 in der August-Bebel-Straße in einem Hintergebäude nun ein Platz gefunden, örtlich zusammen mit der Kleiderkammer und der Möbelkammer. Das war wichtig, so Hildesheim, weil zu Stoßzeiten zwischen einzelnen Abteilungen, die Mitarbeiter schnell wechseln können. Genau so wichtig aber auch, dass nun die Bedürftigen nicht mehr wie früher direkt an einer vielbefahrenen Straße wie auf einem Präsentierteller anstehen müssen.

Die Verantwortlich der FAU für die Tafel, Marion Schmidt, informierte, dass es 2008 immerhin schon 306 gemeldete Abholerausweise gab. So einen Ausweis kann nur bekommen wer bedürftig ist, so Schmidt. Deshalb müssen die Bedürftigen entsprechende Bescheide, z.B. von der ARGE, oder ihren Rentenbescheid vorlegen. Auffällig sei, so Schmidt, dass vor allem in letzter Zeit ein Anstieg bei älteren Rentnerinnen und alleinstehenden Müttern zu verzeichnen ist.

Lothar Hildesheim ärgerte sich im Gespräch sehr deutlich über die Neiddiskussion, die manchmal in der Stadt herrscht. So kommen nicht selten Beschwerden, dass sich Leute, die Arbeit haben, angeblich durch kostengünstigen Einkauf bei der Tafel bereichern würden. Bei uns bereichert sich keiner, so Hildesheim. Es gibt aber leider auch eine ganze Reihe Leute, die mit ihrer Arbeit nicht mal mehr so viel verdienen, dass sie ihre Familien ausreichend versorgen können, und auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Diese Personen müssen ja auch ihre Bedürftigkeit nachweisen, ehe sie bei der Tafel günstig einkaufen dürfen. Auch Mitarbeiter der Tafel zweigen nichts für sich persönlich ab, so Hildesheim sehr klar.

Im August 2009 wurden in Summe 698 Personen (532 Erwachsene und 166 Kinder) versorgt. Die Ausgabe erfolgte dabei an acht Tagen im Monat. Es sind mehr Personen als Bezugsschein, weil man mehr als einmal im Monat kommen darf.

Probleme gibt es leider bei der Spendenbereitschaft der Firmen und Händler. Waren es früher mal bis zu 45 Spender, so sind es aktuell nur noch 21 Spender, davon 12 regelmäßige. Ursache, so Hildesheim ist nicht etwa böser Wille, sondern die wirtschaftliche Kraft der Firmen lässt oft nach. Im Gegensatz zu früher wir knallhärter kalkuliert, so dass auch die Menge der Spenden bei den verbliebenen Spender oft auch noch sinkt. Bei Brot- und Backwaren sieht es bei den Spenden noch recht gut aus, problematisch seien allerdings Wurstwaren und Joghurts.

Weggeschickt werden musste aber noch kein Bedürftiger. Wenn die Entwicklung des Spendenaufkommens weiter zurückgeht, so Hildesheim, dann besteht durchaus Gefahr für die Tafel. Denn es entstehen ja auch gewisse Kosten (Fahrzeuge, Sprit usw.), die ja auch gedeckt werden müssen.

Besuch bei der Tafel (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Besuch bei der Tafel (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Begutachtet wird ein Wasserschaden. Einige Gebäudeteile, besonders das direkt an der August-Bebelstraße stehende, sind in einem teils recht traurigen Zustand.

Zwar lag der Schwerpunkt bei der Besichtigung der Tafel, aber Steffen Lemme besichtigte und informierte sich auch über die Kleider- und Möbelkammer. Während bei Geschirr und Gläsern ein reichliches Angebot besteht, werden aber durchaus besonders Küchen und Kleiderschränke gesucht. Hildesheim stellte aber auch klar, wir sind kein Entsorgungsbetrieb. Wenn der FAU Sachen angeboten werden, dann sollten sie auch wirklich noch ausreichenden Gebrauchswert haben. Die FAU überzeugt sich meist vorher, holt aber auch bei Verwendbarkeit die gespendeten Stücke ab.

Die Möbelkammer organisiert von der Sache her keine Umzüge, mit kleinen Ausnahmen. Für sozial schwache, wird auf Antrag der ARGE auch mal ein Umzug organisiert. Auch bei den Kleidungsstücken muss stark gesiebt werden. Oft kommen die Stücke völlig ungewaschen an. Einige Kleidungsstücke müssen noch hergerichtet werden (Siehe Bilder). Aber eines stellte Hildesheim auch klar. Bei aller Bedürftigkeit, verschenkt wird nichts. Auch wenn die Entgelte nicht hoch sind, kostenlos geht nichts raus, weder aus der Möbelkammer, der Kleiderkammer noch bei der Tafel.

Lemme setzte seine Informationstour mit einem Besuch der Paracelsus-Schule in Bad Frankenhausen und dem DRK- Seniorenheim in der Hospitalstraße von Sondershausen fort.
Autor: khh

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