Feierstunde in Sondershausen (2)
Sonntag, 04. Oktober 2009, 11:45 Uhr
Am gestrigen Vormittag fand im Carl-Schroeder-Saal eine Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit statt, zu der die Stadt Sondershausen geladen hatte. Die beeinduckende Festrede hielt Dieter Strödter...
Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Dieter Strödter ist den älteren Sondershäusern ein Begriff. In der Zeit der Wende war er es, der die erste unabhängige Untersuchungskommission in Sondershausen leitete. In seiner bemerkenswerten Festrede zum Tag der Einheit, die ganz im Zeichen des baldigen 20 jährigen Falls der Mauer stehen sollte, ging Strödter nicht mal schwerpunktmäßig auf die damaligen Geschehnisse ein, sondern mehr auf aktuelle Probleme unserer Zeit.
Bei aller Euphorie zum Mauerfall gibt es Probleme in der jetzigen zeit, so Strödter, die wir nicht ausblenden dürfen. Er meinte damit die hohe Arbeitslosigkeit, das Abwandern wegen des Niedriglohnes, die Verarmung wegen Hartz IV und das Gefühl vieler Bürger aus dem Osten, in der ehemaligen DDR zweitrangig gelebt zu haben. Sein weiterer Schwerpunkt war aber die jetzige schwerste Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg.
Was soll man Jugendlichen heute auf die angesprochenen Probleme antworten? Man kann nur sagen, ohne ausreichende Anzahl von Demokraten kann man diese Gesellschaft nicht schützen, wie der Blick Richtung Weimarer Republik zeigte. Auch kritisierte er die Leistungsgesellschaft, die zulässt, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht.
Erfragte, wie konnte es passieren, dass die Finanzkrise so ein Chaos in der Weltwirtschaft hervorrufen konnte, ohne dass die Politik ausreichend tätig wurde. Damit, so Strödter, wird das Vertrauen in die parlamentarische Ordnung zerstört. Er stellte aber auch fest, dass die jetzige Regierung hinsichtlich der Kontrolle der Banken zur Zeit immer noch keine geeigneten Maßnahmen ergriffen hätte.
Er kritisierte auch die bisherige Steuerpolitik, die zum Beispiel Veräußerungsgewinn der Gesellschaften nicht besteuere, aber die Lohnempfänger dauernd belaste. Das so, so Strödter, bekämen jetzt die beiden großen Volksparteien zu spüren mit starken Stimmverlusten und Politikverdrossenheit der Bürger.
Es dürfe keine Verklärung der ehemaligen DDR geben, aber die hiesigen Bürger können trotzdem erhobenen Hauptes auf die DDR zurückblicken, auch wenn da schreckliches passierte, wie die Umweltzerstörung und der ganze Unterdrückungsapparat der Stasi. Unter großem Beifall des Publikums informierte Strödter abschließend, dass es am 09. November eine große Fotoausstellung im Rathaus Sondershausen geben werde, die an die damaligen Ereignisse der Wendezeit erinnern soll.
Begrüßt hatte die zahlreichen Besucher Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU), der ganz besonders die neu bzw. wiedergewählten Abgeordneten einschloss, so Bundestagsmitglied Johannes Selle (CDU) und die beiden Landtagsmitglieder Gudrun Holbe (CDU) und Dorothea Marx (SPD). Aber auch einige Kreistagsmitglieder und Stadträte von Sondershausen konnte er begrüßen. Besonders freute sich Kreyer, dass vom Bundeswehrstandort Sondershausen eine große Abordnung unter der Leitung vom Kommandeur des Raketenartilleriebataillon 132 Oberstleutnant Klaus-Günther Glaab.
Im Anschluss an die Festrede folgte ein kulturell sehr anspruchsvolles Programm. Für die Organisation und seine dazu geschriebenen Texte bedankte sich die 1. Beigeordnete des Bürgermeisters, Cornelia Kraffzick, mit einem Blumenstrauß.
Dramaturgische Idee und Programmgestaltung erfolgte durch Heinz Unger. Sprecher der Texte von Heinz Unger waren Brigitte Ballhause und Dr. Steffen Seiferling. Eine Vereinigung verschiedener Chöre unter Leitung von Kantor Andreas Fauß und unterstützt durch das Streichquintett des Carl-Schroeder-Konservatoriums unter der Leitung von Katrin Deichstetter, sorgte für höchsten künstlerischen Genuss.
Programmfolge
Künstlerischer "Höhepunkt" war fünf Sekunden nach der Nationalhymne das Klingeln eines Handys.
Autor: khh
Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Dieter Strödter ist den älteren Sondershäusern ein Begriff. In der Zeit der Wende war er es, der die erste unabhängige Untersuchungskommission in Sondershausen leitete. In seiner bemerkenswerten Festrede zum Tag der Einheit, die ganz im Zeichen des baldigen 20 jährigen Falls der Mauer stehen sollte, ging Strödter nicht mal schwerpunktmäßig auf die damaligen Geschehnisse ein, sondern mehr auf aktuelle Probleme unserer Zeit.Bei aller Euphorie zum Mauerfall gibt es Probleme in der jetzigen zeit, so Strödter, die wir nicht ausblenden dürfen. Er meinte damit die hohe Arbeitslosigkeit, das Abwandern wegen des Niedriglohnes, die Verarmung wegen Hartz IV und das Gefühl vieler Bürger aus dem Osten, in der ehemaligen DDR zweitrangig gelebt zu haben. Sein weiterer Schwerpunkt war aber die jetzige schwerste Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg.
Was soll man Jugendlichen heute auf die angesprochenen Probleme antworten? Man kann nur sagen, ohne ausreichende Anzahl von Demokraten kann man diese Gesellschaft nicht schützen, wie der Blick Richtung Weimarer Republik zeigte. Auch kritisierte er die Leistungsgesellschaft, die zulässt, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht.
Erfragte, wie konnte es passieren, dass die Finanzkrise so ein Chaos in der Weltwirtschaft hervorrufen konnte, ohne dass die Politik ausreichend tätig wurde. Damit, so Strödter, wird das Vertrauen in die parlamentarische Ordnung zerstört. Er stellte aber auch fest, dass die jetzige Regierung hinsichtlich der Kontrolle der Banken zur Zeit immer noch keine geeigneten Maßnahmen ergriffen hätte.
Er kritisierte auch die bisherige Steuerpolitik, die zum Beispiel Veräußerungsgewinn der Gesellschaften nicht besteuere, aber die Lohnempfänger dauernd belaste. Das so, so Strödter, bekämen jetzt die beiden großen Volksparteien zu spüren mit starken Stimmverlusten und Politikverdrossenheit der Bürger.
Es dürfe keine Verklärung der ehemaligen DDR geben, aber die hiesigen Bürger können trotzdem erhobenen Hauptes auf die DDR zurückblicken, auch wenn da schreckliches passierte, wie die Umweltzerstörung und der ganze Unterdrückungsapparat der Stasi. Unter großem Beifall des Publikums informierte Strödter abschließend, dass es am 09. November eine große Fotoausstellung im Rathaus Sondershausen geben werde, die an die damaligen Ereignisse der Wendezeit erinnern soll.
Begrüßt hatte die zahlreichen Besucher Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU), der ganz besonders die neu bzw. wiedergewählten Abgeordneten einschloss, so Bundestagsmitglied Johannes Selle (CDU) und die beiden Landtagsmitglieder Gudrun Holbe (CDU) und Dorothea Marx (SPD). Aber auch einige Kreistagsmitglieder und Stadträte von Sondershausen konnte er begrüßen. Besonders freute sich Kreyer, dass vom Bundeswehrstandort Sondershausen eine große Abordnung unter der Leitung vom Kommandeur des Raketenartilleriebataillon 132 Oberstleutnant Klaus-Günther Glaab.
Im Anschluss an die Festrede folgte ein kulturell sehr anspruchsvolles Programm. Für die Organisation und seine dazu geschriebenen Texte bedankte sich die 1. Beigeordnete des Bürgermeisters, Cornelia Kraffzick, mit einem Blumenstrauß.
Dramaturgische Idee und Programmgestaltung erfolgte durch Heinz Unger. Sprecher der Texte von Heinz Unger waren Brigitte Ballhause und Dr. Steffen Seiferling. Eine Vereinigung verschiedener Chöre unter Leitung von Kantor Andreas Fauß und unterstützt durch das Streichquintett des Carl-Schroeder-Konservatoriums unter der Leitung von Katrin Deichstetter, sorgte für höchsten künstlerischen Genuss.
Programmfolge
- Präludium und Fughette (Vokalstudie) - gem. Chor/Streichquintett Heinz Unger
- Begrüßung Joachim Kreyer
- Festrede Dieter Strödter
- Sondershausen-Lied - gem. Chor/Streichquintett - Ema Barthels, Heinz Unger
- Musik, des Jahres Herzschlag - Text: Heinz Unger
- Es blasen die Posaunen u. Trompeten - Männerchor/Streicher Heinz Unger
- Bitterer Bergmannstribut - Text: Heinz Unger
- 0 sancta Barbara - Männerchor/Streicher Heinz Unger
- Der Suche Lohn - Text: Unger
- Steig am Abend hinauf auf den Hügel - Männerchor/Streicher Heinz Unger
- Drum laden wir uns Gäste ein - Text: Heinz Unger
- Du liebes Land, mein Thüringen - Männerchor/Streicher
- Kadenz einer Volkssehnsucht - Text: Heinz Unger
- Hymne der Bundesrepublik Deutschland Gemeinsamer Gesang der Anwesenden
Künstlerischer "Höhepunkt" war fünf Sekunden nach der Nationalhymne das Klingeln eines Handys.













