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nnz/kn-Interview: Leidenschaft und Vielfalt

Montag, 02. November 2009, 16:30 Uhr
Das Loh-Orchester Sondershausen spielt im Haus der Kunst in Sondershausen sowie im Theater Nordhausen Musik, die von den Abenteuern eines bekannten Helden erzählt: Richard Strauss’ große Sinfonische Dichtung „Don Quixote“ über den Ritter, der auszieht, um die Geschichten aus seinen Ritterromanen selber zu erleben. Dazu Ilka Kühn im Gespräch mit dem Solisten...


Die Musik von Richard Strauss (komponiert 1897) erzählt die Geschichten dieses spanischen Helden und wirkt dabei wie ein Solokonzert, denn Don Quixote wird durch das Cello dargestellt. Die virtuose Cellopartie wird Ramon Jaffé übernehmen. Bereits vor zwei Jahren überzeugte er das Sondershäuser und Nordhäuser Publikum durch sein Spiel in einem Sinfoniekonzert.

Am Freitag vor und am Montag nach den Sinfoniekonzerten spielt Ramon Jaffé das Solocello außerdem noch einmal in der OrchesterWerkstatt für Schüler, in der das Loh-Orchester Strauss’ Sinfonische Dichtung noch einmal für Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren zur Aufführung bringt. Der im lettischen Riga geborene Cellist plaudert hier ein wenig über sich, seinen musikalischen Werdegang und die Frage, ob in jedem von uns der Wunsch steckt, ein Held zu sein…

nnz: Herr Jaffé, warum lernten Sie Cello? Was schätzen Sie an diesem Instrument besonders?

Jaffé: Ich habe meine erste Cellostunde im Alter von viereinhalb Jahren von meinem Vater Don Jaffé bekommen, sie ist die erste konkrete Erinnerung aus meiner Kindheit. Mein Vater war einer der erfolgreichsten Cellolehrer der UdSSR, das Verhältnis zu den Schülern endete nicht mit der Unterrichtsstunde, seine Klasse war wie eine Familie. So war es für mich das Natürlichste von der Welt, ein Mitglied dieser Familie zu werden. Die Träume vom Kosmonauten, Lokomotivführer etc. währten sehr kurz, ich wusste schon nach kürzester Zeit, dass ich von Beruf Cellist werde. Ich liebe am Cello die unglaublichen klanglichen Möglichkeiten, das Süffige, Zarte, aber auch Raue. Ich würde meine Beziehung zum Instrument schon als eine Liebesbeziehung bezeichnen mit allen ihren Facetten, Höhen und Tiefen.

nnz: Wem haben Sie auf Ihrem musikalischen Werdegang am meisten zu verdanken?

Jaffé: Da gibt es eine ganz eindeutige Antwort: Außer meiner eigenen Arbeit war es mein Vater, der mich pädagogisch vom ersten Bogenstrich bis zum Diplom begleitet hat. Später bin ich zu anderen Lehrern gegangen, deren Bedeutung war für mich unterschiedlich stark. Mit meinem Vater ist der gedankliche Austausch bis heute sehr intensiv. Außerdem habe ich in ihm einen Komponisten gefunden, der mir viele Repertoirewünsche erfüllt hat.

nnz: Was ist auf dem Cello Ihre größte Leidenschaft? Welche Musik spielen Sie am liebsten und warum?

Jaffé: Meine größte Leidenschaft ist die Vielfalt. Es ist wunderbar, ein Konzert von Vivaldi oder Boccherini zu spielen, hinterher einen Chatschaturjan und darauf ein Trio von Beethoven oder einen musikalisch-literarischen Abend folgen zu lassen. Daneben halte ich es für sehr bereichernd für klassische Musiker, wenn sie sich mit ihrem ganzem Herzen und Hingabe auf ganz andere Musikrichtungen einlassen. Bei mir ist es in erster Linie der Flamenco, da hatte ich mehrere Jahre das Glück, eine aus heutiger Sicht Flamenco-Legende zum Freund und Partner zu haben. Pedro Bacan führte mich in diese unglaubliche Welt ein. Ich habe ein Flamenco-Trio, gemeinsam geben wir jedes Jahr eine Reihe von Konzerten. Daneben spiele ich auch mit großer Leidenschaft Tango und mit dem phänomenalen Sitar-Spieler Pradeep Ratnayake indische Musik.

nnz: Don Quixote: Was für ein Typ ist er für Sie? Denken Sie, dass in jedem von uns der Wunsch steckt, ein Held/eine Heldin zu sein?

Jaffé: Don Quixote ist für mich ein Mensch, der es wagt, seine Träume zu leben, auch wenn er sich bewusst oder unbewusst der Lächerlichkeit preisgibt. Wer kann das von sich schon behaupten? Ich kann mir vorstellen, dass dieser Mensch trotz der dauernden Niederlagen aufrechter und glücklicher durchs Leben ging als so mancher „normale“ Mensch. Insofern ist er ein Held, und es steht für mich außer Zweifel, dass auf dieser Ebene jeder Mensch ein Held sein möchte.

nnz: Als Cellosolist schlüpfen Sie in der Musik von Strauss in die Rolle des Don Quixote. Was für ein Typ ist er bei Strauss? Wie werden Sie Don Quixote darstellen?

Jaffé: Strauss’ „Don Quixote“ ist eines meiner absoluten Lieblingswerke im Cellorepertoire. Mir fallen wenige menschliche Eigenschaften ein, die in diesem Stück nicht vorkommen. Wir können Humor, innere Kraft, Adel, Liebe, Trauer, Heldentum, Schwäche und vieles andere, was ich nicht in Worte zu fassen vermag, hier erleben. Und das, was ich in Worte fassen kann und das andere, von welchem ich glaube, es nur durch mein Instrument darstellen zu können, soll als Leitfaden meiner Interpretation dieser großartigen Komposition dienen.

nnz: Vielen Dank für das Gespräch

Das 2. Sinfoniekonzert unter dem Motto „Spanische Helden“ findet jeweils um 19.30 Uhr am 7. November in Sondershausen, Haus der Kunst, sowie am 8. November im Theater Nordhausen statt. Um 18.45 Uhr laden Markus L. Frank und Konzertdramaturgin Juliane Hirschmann erneut zu einer Einführung in das Foyer ein. Neben Strauss’ Sinfonischer Dichtung stehen die Ouvertüre zu Mendelssohns früher Oper „Die Hochzeit des Camacho“ und die „Sinfonía Sevillana“ des Spaniers Joaquín Turina auf dem Programm. Karten gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52), in der Sondershausen-Information (Tel. 0 36 32/78 81 11) und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.
Autor: nnz/kn

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