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Händlerinteresse gering

Dienstag, 03. November 2009, 08:11 Uhr
Gestern Abend fand im Sondershäuser Carl-Schroeder-Saal ein Kundenforum unter dem Leitthema "Seniorenfreundliche (Innen-) Stadt" statt. Wie sich die Gewerbetreibenden von Sondershausen mit diesem Thema „anfreundeten, erfahren Sie hier...

Schon die Anzahl der Voranmeldungen zum Kundenforum war seitens der Gewerbetreibenden gering um nicht zu sagen tendierte gegen Null. Und auch die Teilnahme gestern war auch nicht berauschend, wie ein Blick in die Runde zeigt, denn der größte Teil der Besucher entstammte der Zielgruppe 60+. Und auch hier muss man differenzieren. Es ist offensichtlich kein Klischee, dass besonders bei den älteren Leuten nur die Frauen für das Einkaufen zuständig sind. Dem sogenannten starken Geschlecht ging die Veranstaltung „auch am Hut vorbei“, wie man so schön sagt.

Kundenforum 60+ (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Kundenforum 60+ (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Wäre man gehässig, könnte man das starke Fehlen der Gewerbetreibenden so auslegen, dass die Händler kein oder zumindest wenig Interesse an dieser Käufergruppe haben. Wenn man sich da nicht ins eigene Fleisch schneidet. Wenn durch den demografischen Wandel die Stadt Sondershausen von ca. 20.700 Einwohnern (2008) voraussichtlich auf 18.450 (2020) sinken wird, wird der Anteil der Bevölkerung in der Gruppe 60* von 32% auf immerhin 38% steigen. Will man wirklich so einem großen Klientel die kalte Schulter zeigen? Da reicht auch nicht aus, dass mit Vorsitzende des Werberings, Andrea Westermeyer und Eckhard Wehmeier der Vorsitzende des SGW (Sondershäuser Gewerbeverein) an der Veranstaltung teilnahmen.

Kundenforum 60+ (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Kundenforum 60+ (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Andrea Westermeyer, Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU), Karl-Heinz Langhorst (ehemaliger Sparkassendirektor der Kyffhäusersparkasse als Moderator das Forums), Angela Böhme vom Stadtmarketing der Stadt Sondershausen und Eckhard Wehmeier


Dabei sind die von der Fokusgruppe 60+ im Projekt "Neue Chancen für die Innenstadt" Ideen und Vorschläge entwickelten Vorstellungen (kn berichtete bereits ausführlich), wie Kundenfreundlichkeit, mal ein Stuhl und ein Tisch zum ausruhen, oder gewisse Bringedienste keine utopischen Forderungen, sondern werden auch von jüngeren Zielgruppen gern angenommen, so sie denn überhaupt angeboten werden. Und wenn die Zielgruppe 60+ bei der Werbung vernachlässigt wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man lieber nach Nordhausen fährt, wie es eine Teilnehmerin des Forums so anschaulich schilderte, oder einfach im Versandhandel oder Online im Internet einkauft.

Auf geteiltes Interesse stieß der Vorschlag des Stadtmarketings Sondershausen, so eine Art Gütesiegel „Seniorenfreundlicher Betrieb Sondershausen“ ins Leben zu rufen, an den sich die Gewerbetreibenden beteiligen können. Auf Antrag beurteilen Senioren in einem Punktsystem die Seniorenfreundlichkeit und eine Jury aus „Profis“ macht eine parallel Bewertung. Die Punkte sollen addiert werden und bei Erreichen einer Mindestpunktzahl wird dann das Gütesiegel vergeben und kann von außen sichtbar angebracht, oder bei Werbeprospekten verwendet werden.

Obwohl so ein Gütesiegel keine neue Erfindung ist, einige Städte praktizieren es bereits, war das Echo der wenigen anwesenden Händler aus Sondershausen auch noch geteilt. Manche wollten lieber ein allgemeines Gütesiegel. Letztendlich einigte man sich, dass der Vorschlag nochmals zwischen Werbering, SGW und Stadtmarketing diskutiert wird.

Ob so Gütesiegel wirklich etwas bringen wird, kann man tatsächlich geteilter Meinung sein. Wie alle ähnlichen Gütesiegel stellt er aber eine Anerkennung für geleistete Arbeit dar, und sollte ruhig als Marketinginstrument eingesetzt werden. Letztendlich entscheide der Kunde sowieso mit seinem Kauf, ob er die angebotenen Waren annimmt. Einer der Händler war in der Diskussion auch schon zu dem Schluss gekommen, eigentlich biete ich schon einige Leistungen an, ohne es richtig bekannt zu machen. Schon aus diesem Grund her war die gestrige Veranstaltung ganz sicher wichtig für eine künftige Einkaufskultur in Sondershausen.
Autor: khh

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