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Kein Neuer mit HDTV...

Mittwoch, 20. Januar 2010, 10:03 Uhr
...unterm Weihnachtsbaum? Ganz gut so. Denn was Ihnen vor und nach dem Fest von großen deutschen Tageszeitungen an Ratschlägen diesbezüglich angeboten wurde, ließ erahnen, dass die Verfasser noch nicht einmal den Videotext der ARD (Seite 460 ff.) dazu gelesen hatten. Guter Rat ist aber gar nicht teuer. Ein Mausklick in der nnz/kn genügt.


Das (d)englische Jägerlatein (Verzeihung, ihr lieben Waidmänner) der Elektronikmärkte ist selbst von Fachleuten nur noch mit einiger Überlegung zu durchschauen. Verkaufsförderung steht hier vor Kundeninformation, jedenfalls teilweise. Im Folgenden wollten wir eigentlich versuchen, Ihnen mit allgemein verständlichen Worten und Begriffen das zu erklären, was Ihnen beim Verkaufsgespräch so um die Ohren gehauen wird. Dabei wurde uns schnell klar, dass Ihnen mit individuellen Wertungen der Gebrauchseigenschaften vermutlich mehr geholfen ist. Ganz ohne Theorie sind wir leider nicht ausgekommen.

HDTV

Bei HDTV (High Definition Television) handelt es sich um eine Fernsehtechnologie, die sich gegenüber dem herkömmlichen SDTV (Standard Definition Television) durch eine höhere optische Auflösung des übertragenen Bildes auszeichnet. Mit HDTV können TV-Bilder detailreicher als bislang dargestellt werden. ARD und ZDF sendeten vom 19.12.2009 bis 06.01.2010 alle Programme auf getrennten Satellitensendern und in einigen Kabelnetzen auch in diesem Standard, wobei nicht alle Sendungen auch in HDTV aufgenommen waren, sondern nur von den Sendeanstalten und/oder dem HDTV-Empfangsgerät „schön gerechnet“ wurden.

Dafür sorgt der sogenannte SD/HD-Upscaler, der ein normales Fernsehbild auf HDTV bis 1080i hochrechnet. Allerdings haben sich ARD und ZDF schon festgelegt und senden ihr HDTV im Format 720p. Als sie sich für dieses Format entschieden, stand das angeblich „bessere Bild“ im Mittelpunkt des Interesses. Das kann Sie kalt lassen. Der HDTV-fähige Empfänger, Kabel- oder SAT-Receiver (auch gern Set-Top-Box – übrigens in allen auch nur denkbaren Schreibweisen gebräuchlich – genannt) erkennt selbstständig, welcher Standard ihm angeboten wird.

Ohne direkt vergleichen zu können: Der Verfasser konnte optisch keinen Unterschied zwischen den beiden derzeit gebräuchlichen HDTV-Standards feststellen. Die Set-Top-Box (also der „Draufstellkasten“, den Sie aber auch ohne alle Probleme drunter stellen können) gibt das Signal dann über das HDMI-Kabel in dem Standard an den Flachbildschirm, den Sie gleichermaßen an Box und Bildschirm eingestellt haben oder den die eingestellte Automatik als am besten geeignet empfunden hat. Alle diese Automatiken haben jedoch ihre Tücken, die vor allem bei der Formaterkennung zum Tragen kommen.

Diese Formaterkennung (also vor allem 4:3 oder 16:9) können Sie im Flachbildschirm zwar nach verschiedenen Kriterien automatisch umschalten lassen. Ob aber der Sender die Formaterkennung aussendet, die Ihre Technik erwartet, steht vermutlich im jeweiligen Tageshoroskop. Sollte ein Ihnen bekannter Moderator überdeutlich zugenommen haben, schalten Sie von Hand auf das Format 4:3 um. Sollte ein bekannter Skispringer noch dünner erscheinen, als Sie aus der Tagespresse wissen, schalten Sie von Hand auf 16:9 und alles ist wieder gut. Mit Beginn der Olympischen Winterspiele vom 12. bis 28. Februar 2010 in Vancouver werden ARD und ZDF den Regelbetrieb aufnehmen.

Ganz neue Wege wollen RTL, Vox, Pro7 und Sat.1 ab Ende Januar im Regelbetrieb gehen. Sie strahlen ihr Programm dann zusätzlich im HD+ - Standard über Satellit aus. Die Sender sollen bereits im Probebetrieb sein, werden aber weder von einem herkömmlichen digitalen Sat-Receiver noch von einem für HDTV geeigneten Gerät erkannt. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass nach einem Jahr die HD+-Ausstrahlungen dieser Sender gebührenpflichtig werden sollen. Auf den wirtschaftlichen Nutzen für die Sender darf man wohl mit Recht sehr gespannt sein. ARTE sendet bereits seit einiger Zeit im HDTV-Regelbetrieb. Dieses trifft auch für einige Sky- (früher: Premiere-) Programme zu.

DVB-T

ist digitaler TV-Empfang per normaler Antenne. Mit Ausnahme vom Großraum Berlin können Sie in den neuen Bundesländern darüber nur öffentlich-rechtliche Sender von ARD und ZDF empfangen. In den Ballungszentren der alten Bundesländer und Berlin können auch viele Privatsender über DVB-T empfangen werden. In Berlin können Sie außerdem um die 30 Radioprogramme in bester Qualität empfangen.

Der Empfang ist bedeutend besser, als Sie das vom "alten" analogen Antennen- oder auch Kabelfernsehen her gewohnt sind. Kein "Gries" im Bild, kein Rauschen im Ton, keine Doppelbilder. Allerdings ist die Reichweite der Sender durchweg geringer, als Sie das möglicherweise gewöhnt waren und einen mobilen Fernsehempfang mit durchschnittlichen Geräten werden Sie trotz aller Vorankündigungen nirgends als genußvoll empfinden. HD-fähig wird, zumindest im derzeitigen Sendestandard, diese Technik schon rein rechnerisch nie.

DVB-C

ist digitaler TV-Empfang über die Kabelnetze. Die Empfangsqualität entspricht der von DVB-T. Allerdings kann mit DVB-C auch HDTV verbreitet werden. Das Programmangebot bestimmt der Kabelnetzbetreiber. Ob Ihr Lieblingssender dabei ist, können Sie nur von diesem oder einem örtlichen Fachhändler erfahren.

DVB-S

ist digitaler TV- und Radioempfang über Satellit. Das Programmangebot über die Astra-Satellitten ist gigantisch und wechselt oder erweitert sich fast monatlich. Wer die Möglichkeit hat, eine Sat-Antenne zu errichten, ist hiermit bestens beraten. Zurzeit können alle bekannten Standards über DVB-S verbreitet werden. Bild- und Tonqualität erreichen die derzeit technisch möglichen Spitzenwerte. Wenn Ihnen dennoch Unterschiede auffallen sollten, hängt das vom persönlichen Geschmack eines Sendetechnikers oder anderen Verantwortlichen bei den Sendeanstalten ab.

HDMI, USB, Scart, YUV

sind die derzeitigen Schnittstellen zwischen den Komponenten Ihrer TV-Anlage. Ein, leider teilweise noch recht teures, HDMI-Kabel ist notwendig, wenn Sie eine HD-fähige Set-Top-Box oder den Blue-ray-player an Ihren Flachbildschirm anschließen wollen.

Plasma oder LCD

für den Flachbildschirm ist fast eine Glaubensfrage. Die Schwarzwerte eines Bildes werden vom Plasmabildschirm besser wiedergegeben. Außerdem ist der Betrachtungswinkel meist noch etwas größer als bei LCD-Bildschirmen, aber in beiden Punkten holen die LCD-Flachmänner ständig auf. Auch die Bildbearbeitungshard- und -software in den Geräten wird ständig besser, so dass ein Unterschied nur noch im direkten Vergleich nebeneinanderstehender Geräte erkannt wird. Allerdings brauchen Plasma-Geräte deutlich mehr Strom.

100 oder 200 Hertz-Bildwechselfrequenz

brauchen Sie nur, wenn Sie auf schärfere Darstellung bei sehr schnellen Bewegungsabläufen Wert legen. Dem Autor dieses Beitrages ist ein Vorteil bisher nur bei der Formel-1-Übertragung aufgefallen. Allerdings hatte er auch nur wenig andere Vergleichsmöglichkeiten.

Was bei Neuanschaffung beachten?

Zunächst sollten Sie sich über Ihre Fernsehgewohnheiten klar werden. Wie weit sitzen Sie in der Regel vom Gerät entfernt? Im Allgemeinen wird der Betrachtungsabstand durch 3 geteilt als angenehme Größe für die Bildschirmdiagonale empfunden. Wenn Sie also 3 m vom Gerät entfernt sitzen, sollten Sie 1 m Bildschirmdiagonale anschaffen. Natürlich sind Sie auch mit 94 cm (ein gängiger Wert) noch gut beraten.

Als nächstes müssen Sie wissen, dass Standards und Technik zurzeit einem sehr schnellen Wandel unterliegen. Einen voll ausgestatteten Flachbildschirm für den Empfang von DVB-T, -C und -S mit integriertem Festplattenrecorder anzuschaffen, ist daher wenig sinnvoll. Der kann technisch veraltet sein, ehe Sie ihn aus dem Geschäft getragen haben. Die bessere Wahl ist ein Flachbildschirm mit allen oben genannten Schnittstellen eines bekannten und gut beleumundeten Markenherstellers. Möglichst sollten mehrere HDMI- und Scart-Anschlüsse vorhanden sein.

Wählen Sie dann eine entsprechende Set-Top-Box nach Ihren Empfangsmöglichkeiten. Wollen Sie jetzt oder perspektivisch am Bezahl-Fernsehen teilnehmen, muss diese Box das Modul für die jeweilige Smart-Card aufnehmen können oder enthalten. Sinnvoll ist auch eine sogenannte PVR-Funktion für einen USB-Anschluss. Ist beides vorhanden, können Sie eine Festplatte an den USB-Anschluß anschließen und über eine meist leicht zu bedienende Software können Sie darauf viele Stunden Fernsehen und noch mehr Stunden Radio aufnehmen und das im voraus, meist über 7 Tage, programmieren. Die Aufzeichnung ist qualitätsmäßig so gut wie die Sendung und kann mit der Set-Top-Box-Software zurechtgeschnitten und mit einem Computer umfangreich bearbeitet werden.

Wenn Sie so wie bisher beschrieben vorgehen, haben Sie zwei Vorteile: Bei Wechseln im Übertragungsstandard oder Wohnort mit anderen Empfangsmöglichkeiten brauchen Sie eventuell nur die Box auszutauschen. Bei einem Defekt Ihres Flachbildschirmes können Sie mit einem alten Röhrenfernsehempfänger oder sogar Ihrem Computer erst mal weitersehen.

In den Fachmärkten gibt es dann die Ausstellungen mit Geräten des gleichen Herstellers übersichtlich nebeneinander angeordnet und meist mit einem mehr oder weniger langen Film aus einem Blue-ray-player gespeist, der Ihnen die Vorteile der Geräte des jeweiligen Herstellers verdeutlichen soll. Dieser Film ist natürlich bestens bearbeitet und auf die Gerätetechnologie abgestimmt. Der Film des Herstellers der Nachbargeräte eine Reihe tiefer auch.

Um Ihrer Ratlosigkeit Herr zu werden, können Sie einen Verkäufer bitten, mal ein laufendes Programm gleichzeitig auf die beiden Gerätetypen zu legen. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen das abgeschlagen wird wegen technischer Schwierigkeiten. Diese bestehen vor allem darin, alle Geräte identisch einzustellen. Dadurch entstehen Betrachtungsunterschiede, die nicht realistisch sind. Wenn Sie das nachprüfen wollen, gehen Sie mal am entsprechenden Regal des Supermarktes vorbei.

Dort laufen die Geräte meistens mit einem gerade gesendeten Programm und Sie glauben, in Deutschland sei das amerikanische NTSC-Verfahren eingeführt worden. Diese Abkürzung wurde, in der Anfangszeit des Farbfernsehens völlig zu recht, als "Never Twice Same Color" (niemals zweimal die gleiche Farbe) verhöhnt. Der Verfasser kennt kein Markengerät, das sich in Kontrast, Farbkontrast, Bildschärfe und Helligkeit nicht genau so einstellen läßt, wie Sie es gewöhnt sind. Ein bisschen Einstellstress im heimischen Wohnzimmer sollte Ihnen Ihr gutes neues Stück schon wert sein.

Auch hinsichtlich der Set-Top-Box oder anderer Zusatzgeräte können Sie heute keinen Fehler machen, wenn Sie sich an Markengeräte – idealerweise vom gleichen Hersteller wie der Flachbildschirm – halten. Vor Frühausfällen sind Sie nirgends sicher, aber ausgesprochene "Montagsgeräte" gibt es schon lange nicht mehr.

Selbstverständlich gibt es auch jede Menge gute No-Name-Ware. Wenn Sie sich sicher sind, das beurteilen zu können, erstehen Sie in diesem Sektor das eine oder andere Schnäppchen. Wie viele Frösche Sie küssen müssen, ehe Sie einen Prinzen/Prinzessin finden, hängt von Ihrem Fachwissen und noch mehr von Ihrem Glück ab.

Wenn Sie dann die ultimativen Superklasse-Geräte gekauft haben und Ihre Lieben zu Hause etwas irritiert rumstehen, wenn Sie mit Hilfe des HD-Werbefilms von einsfestival HD Inventur in den Beinen des Tausendfüßers machen, seien Sie nicht traurig. Es kommt der Tag, wo die Tochter den süßen Leberfleck im Gesicht des von ihr geliebten Bundesligastars und der Sohn die winzige Warze am Hals des jüngsten Supermodels entdeckt und beide feststellen: Prima neue Technik, die die Alten da angeschleppt haben.

Diese Erkenntnisse bleiben Ihnen auch nicht erspart: Auch die tollste Empfangsanlage verbessert die Programme in keiner Weise und die GEZ will weiter und immer mehr Gebühren von Ihnen dafür haben.

Nach dem bereits mehrfach verschobenen Redaktionsschluss für diesen Beitrag erreichten uns noch zwei Nachrichten zum Thema: Der Termin für die Abschaltung der analogen Satellitensender wurde auf den 30.04.2012 verschoben. Ursprünglich war von März dieses Jahres die Rede. HD+ bleibt vorerst Domäne der Privatsender. Die Sendungen werden verschlüsselt und nach einem Jahr wird eine sogenannte Servicegebühr für den Empfang erhoben.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz/kn

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