kyffhaeuser-nachrichten.de

Zu Ovationen provoziert

Dienstag, 16. März 2010, 07:03 Uhr
Ein virtuos-mitreißender Ausflug nach Lateinamerika erlebte Fred Böhme und informiert in kn, wie seine Eindrücke von CAMINHO waren...

Was ist nötig für ein gelungenes Konzert? Musiker, die ihr Handwerk verstehen, es mitreißend zelebrieren und dabei stets ihr Publikum im Auge zu behalten, des weiteren einen Veranstaltungsort, der von allen Anwesenden akzeptiert wird, halbwegs funktionierende Musikinstrumente und Technik und vor allem ein aufgeschlossenes Publikum. All das war beim Konzert von CAMINHO am vergangenen Freitagabend (12.3.), einem Dresdner Trio, das sich der lateinamerikanischen Musik verschrieben hat, reichlich vorhanden, wobei das Publikum dieses Konzertes nicht nur aufgeschlossen, sondern überaus begeisterungsfähig war.

Das Resultat war letztlich ein überaus gelungener Konzertabend, mit einem am Ende jubelnden Publikum und drei glücklichen Musikern. CAMINHO spielen zumeist in Quartett- oder Quintett-Besetzung, traten aus finanziellen und technischen Gründen im Panorama Museum in abgespeckter Triobesetzung auf. Alejandro León Pellegrin, der Kopf der Band mit deutsch-chilenischen Wurzeln, der für den Gesang und die Gitarrenbegleitung verantwortlich war, hatte deswegen vorab durchaus gemischte Gefühle. In dieser Konstellation waren sie lange nicht mehr aufgetreten. Ihm zur Seite standen Matthias Macht am Schlagzeug und einer exotischen argentinischen Bongo-Trommel und Michael Burkhardt , genannt Schnorke am Bass.

Ersterer brillierte am Schlagzeug trotz starker Erkältung und bot ein überaus differenziertes, abwechslungsreiches rhythmisches Fundament mit einer Vielzahl von Klangvarianten, die staunen machten, worauf sich die gezupften Basslinien wunderbar entfalten konnten. Allerdings war der gestrichene Kontrabass auch häufiger Melodie tragendes Element. Und diese treibende Basis wurde gekrönt von dem virtuos-perkussiven Gitarrenspiel und dem mit einer hellen Stimme vorgetragenen Gesang Alejandros.

Die drei unternahmen eine Reise durch die verschiedenen musikalischen Landschaften vor allem Südamerikas. Den Auftakt bildeten ein Erfolgssong der chilenischen Gruppe Congresso „Hijo del sol luninoso“ und danach eine wunderbare Liebesballade in Form einer argentinischen Zamba „Razon de vivir“. Diese Mischung aus melancholischer Ballade und tänzerischen Stücken mit treibendem Rhythmus machten den besonderen Reiz des Konzertes aus. Hinzu kamen dann noch die Kommentare und Zwischenansagen, die Alejandro mit besonderem Charme vortrug und mit ihren lustigen Versprechern das Publikum zusätzlich für das Trio einnahmen.

An einem solchen Konzertabend das Publikum im „Panama-Museum“ willkommen zu heißen, ist schon ein liebenswerter Versprecher. Es folgten Sambas aus Brasilien, Eigenkompositionen, deren Texte zumeist Alejandros Schwester geschrieben hatte, wie das poetische „Mi rio“ und dann immer wieder diese mitreißenden Chacareras und Zambas aus Argentinien, die dem Abend sein besonderes Gesicht gaben.

Manche Gäste hielt es nicht auf den Stühlen und sie wagte ein Tänzchen zu diesen elektrisierenden Rhythmen. Schön dann auch die Spontanimprovisation zu Konzertende, wo Alejandro nach einem beeindruckenden Schlagzeugsolo die alte Bob-Marley-Nummer „Get up stand up, stand up for your life…“ anstimmte und das Publikum zu Ovationen provozierte.
Fred Böhme
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de