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Fazit Kulturforum?

Samstag, 22. Mai 2010, 09:58 Uhr
Kann man eigentlich schon ein abschließendes Fazit des gestrigen 1. Kulturforums Thüringens ziehen? Ja und nein! Hier ein Versuch...

Die Eröffnungsrede vom Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christoph Matschie (SPD) hatte eigentlich keine spektakulären neuen Informationen gebracht. Über irgendwelchen Finanzierungen, egal ab höhere Zuschüsse oder befürchtete Kürzungen ist kein Wort gefallen. Auch die Grundsatzreferate (nnz/kn berichtete) brachten keine wesentlichen neuen Aspekte der Kulturpolitik ins Spiel.

Bleiben also nur die fünf Workshops. Hier hatten die Kulturschaffenden die Möglichkeiten, ihre Vorstellungen zu bestimmten Themen einbringen zu können. Nicht mehr, aber auch sehr wichtig, der jetzigen Regierung und speziell dem Kultusministerium mitzuteilen, wohin denn „die Reise“ nach Ansicht der Kulturschaffenden gehen soll.

Deshalb ist es eigentlich zu früh, ein richtiges Fazit zu ziehen. Das kann erst gezogen werden, wenn die vom Minister angekündigte Projektarbeitsgruppe die Leitbilder der neuen Kultur zu Papier gebracht hat. Erst dann können die Akteure von gestern feststellen, ob sie mit ihren Wünschen und Anregungen Gehör gefunden haben. In jedem Fall war so eine Veranstaltung wichtig und richtig, auch wenn man das Ergebnis erst später, hoffentlich noch dieses Jahr, erfahren wird.

1. Kulturforum Thüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) 1. Kulturforum Thüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Eine Kritik muss man allerdings loslassen. Da es ein Kulturforum für ganz Thüringen war, hätte nach meinem Geschmack die Teilnahme durchaus besser sein können, oder waren schon viele Akteure in den Pfingsturlaub gestartet? Schließlich gibt es 17 Landkreis und sechs Kreisfreie Städte. Da haben offensichtlich doch einige Vertreter den weiten Weg nach Sondershausen gescheut!
Karl-Heinz Herrmann

1. Kulturforum Thüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) 1. Kulturforum Thüringen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Vielleicht ist es für einige Leser ganz interessant. Hier mal die Themen und Moderatoren der Workshops von gestern. Vielleicht möchte ja noch der ein oder andere Leser seine Meinung an die Frau oder den Mann bringen.

Workshop 1 "Kulturfinanzierung in Thüringen"
Der Workshop "Kulturfinanzierung" befasst sich mit der Aufgabenverteilung und dem Gestaltungsauftrag des Landes, der kommunalen Gebietskörperschaften und gesellschaftlichen Akteure. Es soll anhand ausgewählter Praxisbeispiele gezeigt werden, wie das Zusammenspiel funktioniert, welche Finanzierungsanteile geleistet werden, wo es Probleme gibt, wo sich Lösungsansätze anbieten und welche Handlungsfelder sich eröffnen. Wir werden uns auch mit unterschiedlichen Finanzierungsmodellen beschäftigen.
Der Workshop wird von Ulf Großmann geleitet.

Mit Dr. Albrecht Schröter, Oberbürgermeister und Kulturdezernent in Jena seit 2006, zuvor Beigeordneter, sowie Landrat Helmut Münchberg, Landrat seit 1990 im Weimarer Land, stehen ihm zwei in kulturellen Belangen hoch engagierte kommunale Vertreter zur Seite, die ihre spezifische Sicht und Erfahrung einbringen.

Workshop 2 "Kulturelle Grundversorgung und kulturelle Infrastruktur"
Die Vielfalt der Träger zeichnet die Kulturlandschaft Deutschlands ebenso wie Thüringens aus. Kulturpolitik und öffentliche Kulturförderung finden im Wechselspiel von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft statt. Was ist der öffentliche Auftrag und wie wird er erfüllt? In diesem Workshop soll der Begriff "Kulturelle Infrastruktur und kulturelle Grundversorgung" geklärt und hinterfragt, die Situation in Thüringen analysiert und versucht werden, Ansprüche an die kulturelle Infrastruktur für Gegenwart und Zukunft zu formulieren.

Der Workshop wird von Herrn Prof. Dr. Stoffen Höhne, seit 2000 Professor für Kulturmanagement an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, geleitet. Er studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Prof. Höhne ist Mitglied in zahlreichen kulturellen Vereinigungen wie dem Fachverband Kulturmanagement (i. Vorsitzender), der Kulturpolitischen Gesellschaft (Sprecher LG Thüringen), dem Collegium Carolinum München, dem Herder-Forschungsrat Marburg, dem Literaturhaus Weimar (l. Vorsitzender).

Als Referent steht ihm Dr. Martin Sträub, langjähriger Leiter des "Thüringer Büros zur Förderung von Literatur und Kunst, Lesezeichen e.V.", zur Seite. Herr Sträub ist habilitierter Literaturwissenschaftler, war bis 1993 Oberassistent an der FSU Jena, anschließend bis 1995 Mitarbeiter bei der Stiftung Lesen und gründete mit weiteren Literaten den Verein "Lesezeichen e. V", der die Thüringer Literaturtage und die Literaturburg Ranis initiierte. Herr Sträub wird auf die Thüringer Situation eingehen.

Workshop 3 "Kulturelle Bildung und kulturelle Teilhabe"
Kulturelle Bildung leistet einen entscheidenden Beitrag zur Teilhabe am kulturellen Leben und ist unverzichtbarer Teil einer umfassenden Persönlichkeitsbildung und -entwicklung. Die Grundlagen für die ästhetische Bildung werden im Kindes- und Jugendalter gelegt. Selbstbewusstsein, Kreativität, Verantwortungsbereitschaft, Toleranz und Kritikfähigkeit sind Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Kinder und Jugendliche insbesondere im Umgang mit künstlerischen Ausdrucksformen erwerben.

In dem Workshop wird es daher schwerpunktmäßig um Fragen gehen, wie die Grundlagen der Aneignung von Kultur gestärkt werden können. Denn Kultur vermittelt sich nicht von selbst. Hier ist eine enge Vernetzung zwischen Kunst und Kultur, dem Elternhaus, den Kindertageseinrichtungen und den Schulen in den jeweiligen Regionen unseres Freistaats erforderlich: Wie kommt Kultur in die Schule? Wie können Bildung und Kultur stärker und noch effektiver miteinander vernetzt werden? Welche außerschulischen Lernorte vermitteln kulturelle Bildung? Was ist nötig, um Teilhabegerechtigkeit zu ermöglichen? Welche Konzepte sind notwendig, um den veränderten Kulturbedürfnissen und Ausdrucksformen junger Menschen Rechnung zu tragen?

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder seit 1994, leitet den Workshop und hat sich mit der Bildungsinitiative der Kulturstiftung der Länder "Kinder zum Olymp" bundesweit einen Namen gemacht. Von 1989 bis 1999 war sie Kanzlerin der Hochschule für Musik in Köln, von 1999 bis 2004 Beigeordnete für Kultur und Soziales der Stadt Aachen. Sie war Mitglied im Kulturausschuss des Deutschen Städtetags, im Verwaltungsrat des Deutschen Bühnenvereins und im Bundesvorstand des Verbandes Deutscher Musikschulen, weiterhin Mitglied in zahlreichen Gremien. Unterstützt wird sie von Frau Viola Kelb, Bildungsreferentin der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), die als Spezialistin für Fragen zur Teilhabegerechtigkeit angefragt ist.
Mit Herrn Professor Dr. Eckart Lange, Präsident des Landesmusikrates Thüringen, ausgewiesener Kenner der Thüringer Musik- und Breitenkultur, wird die Thüringer Perspektive eingebracht.

Workshop 4 "Thüringen: Tradition versus Innovation?"
Dieser Workshop beschäftigt sich mit dem schöpferischen Wechselverhältnis von Tradition und Innovation. Thüringen wird allgemein als außerordentlich traditionsbewusstes Land empfunden. In keinem anderen Land wird die aktuelle Kulturlandschaft in so starkem Maße vom traditionellen Erbe geprägt. Die Thüringer Residenzkultur ist allgegenwärtig. Doch wo bleiben im Rahmen der sich daraus ergebenden Erhaltungs- und Bewahrungspflichten die Ansprüche von Gegenwart und Zukunft? Bleibt die kulturelle Innovation auf der Strecke? Wir sind überzeugt, dass der Erfolg der Traditionspflege in unserem Land auch an der Innovationsfähigkeit gemessen wird. Denn Innovation baut auch auf Tradition.
Den Workshop leitet Michael Schindhelm.
Günter Schuchardt ist langjähriger Burghauptmann der Wartburg und als Vorsitzender des Thüringer Museumsverbandes e. V. einer der besten Kenner der Thüringer Museumslandschaft.

Workshop 5 "Gesellschaftliche Herausforderungen"
Die Vertreter aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur wollen mit den Teilnehmern des Workshops über die gesellschaftlichen Herausforderungen diskutieren, die sich aus signifikanten Entwicklungstendenzen auch für Thüringen abzeichnen. Insbesondere über die Probleme, aber auch Chancen, die sich aus demographischen Prognosen ergeben, die Herausforderungen an die künftige Kulturfinanzierung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten, die die Kreativwirtschaft bzw. Public-Private-Partnerships bieten, sowie die stetig wachsende Bedeutung ehrenamtlichen Engagements im Kulturbereich. Im Mittelpunkt wird stehen, welche Stärken des Landes ausgebaut und als Chancen für eine Zukunft Thüringens genutzt werden können.
Den Workshop moderiert Prof. Dr. Frank Ettrich, Lehrstuhl für Strukturanalysen moderner Gesellschaften. Prof. Ettrichs Forschungsschwerpunkte beinhalten die Probleme sozialer Konsolidierung in post-kommunistischen Gesellschaften, besonders in Bezug auf das Vertrauen in soziale Partnerschaften. Er ist Mitherausgeber des Berliner Journals für Soziologie, eine der führenden Zeitschriften für Soziologie in Deutschland und hat darüber hinaus bereits etliche eigene Publikationen veröffentlicht.
Zur Seite stehen ihm die beiden Referenten Klaus-Dieter Böhm. freier Unternehmer und Geschäftsführer des Klinikzentrums Bad Suiza und der Toskana-Thermen sowie Präsident des Kunstvereins Apolda Avantgarde, und Christoph Goelitz, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur und Leiter der 1992 von ihm gegründeten Thüringischen Sommerakademie Bohlen, die sich inzwischen zu einem überregional bekannten Ort künstlerischer Förderung entwickelt hat.
Autor: khh

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