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Heinz Koch zum Gedenken

Dienstag, 15. Juni 2010, 20:35 Uhr
Auf dem Ehrenhain des Hauptfriedhofs Sondershausen wurde heute ein Gedenkstein zu Ehren von Heinz Koch enthüllt. Mehr zur Ehrung dieses Kämpfers gegen das NS-Regime gibt es hier...

Zur Feier der Enthüllung des Gedenksteins waren zahlreiche Gästen zum Hauptfriedhof Sondershausen gekommen. Anlass für das Aufstellen des Gedenksteins war der 70. Jahrestag der Ermordung Heinz Kochs durch das Nazi-Regime. Wer war Heinz Koch?

Gedenken an Heinz Koch (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Gedenken an Heinz Koch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Er war am 16.02.1919 in Sondershausen geboren worden und begann später eine Lehre Als Gärtner. Am 17. November erfolgte sein freiwilliger Eintritt in die Deutsche Wehrmacht. Am 04. Juni 1939 desertierte er von der Wehrmacht und floh nach Polen. Dort betätigte er sich im antifaschistischen Widerstand.

Am 20. September 1939 erfolgte seine Gefangennahme in Warschau und die anschließende Überführung nach Berlin Moabit. Am 8. Mai 1940 erfolgte durch das Reichskriegsgericht die Verurteilung zum Tode wegen Landesverrats und Fahnenflucht. Am 15. Juni 1940 wurde Heinz Koch in Berlin Plötzensee hingerichtet. Nicht ganz auf den Tag genau erfolgte am 12. Juni 2009 seine Rehabilitation durch Aufhebung der Gerichtsurteils.

An der Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof nahmen auch namhafte Politiker aus dem Freistaat, des Kyffhäuserkreises und der Stadt Sondershausen. Thüringens Justizminister, Dr. Holger Poppenhäger (SPD) sagte:
"Nach jedem Wochenende wird deutlich, wie wichtig die stetige Mahnung an die unsägliche Zeit des Nationalsozialismus nach wie vor ist. Konzerte, Aufmärsche oder andere Veranstaltungen von Rechtsextremisten machen die stete aktive Auseinandersetzung unentbehrlich. Demokratie und Rechtstaatlichkeit müssen immer wieder neu verteidigt werden. Dass unsere freiheitlich gesinnte Gesellschaft hierzu bereit ist, dokumentieren wir auch heute mit diesem Gedenkstein für Heinz Koch. "

Gedenken an Heinz Koch (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Gedenken an Heinz Koch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Der Sohn des Hingerichteten, Klaus Gödicke (li.) nahm an der feierlichen Enthüllung des Gedenksteins teil. Die erste Beigeordnete des Bürgermeisters, Cornelia Kraffzick (SPD) hatte das kurze Leben (mit 21 Jahre hingerichtet) Heinz Koch gewürdigt. Daneben Justizminister Dr. Holger Poppenhäger.

Dr. Holger Poppenhäger erinnerte an den unsäglichen Satz des verstorbenen CDU-Politikers Hans Filbinger, „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein“, mit der er die Todesurteile der NS-Justiz verteidigte. Mit Genugtuung Stellte er fest, dass mit dem Bundestagsschluss vom 17. Mai 2002 (mit Stimmen der SPD, Grüne und PDS) viele NS-Opfer rehabilitiert wurden. Er bemängelte aber auch, dass immer noch Hinrichtungen nach Desertation erst nach einer Einzelfallprüfung mit einer Aufhebung des Gerichtsurteils enden. Dr. Poppenhäger forderte die Beendigung dieser Praxis und forderte die Anerkennung aller Fälle. Schließlich hat es geschätzte 150.000 bis 450.000 Desertationen in der deutschen Wehrmacht gegeben.

Gedenken an Heinz Koch (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Gedenken an Heinz Koch (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Mit Landtagsmitglied Dorothea Marx (SPD) und der Stadtratsvorsitzender, Dr. Christine Kietzer (CDU), nahmen weitere Politiker an der Gedenkfeier teil. Auch der der Standortälteste des Bundeswehrstandortes Sondershausen, Oberstleutnant Klaus Glaab, nahm an der Gedenkfeier teil.

Ehe es zur Reahilitation des NS-Urteils kam, mussten viele Hürden genommen werden, Reinhard Faust gegenüber der kn. Ebenfalls stark eingebunden war der Heimat - und Geschichtsverein Sondershausen e.V., der u. a. für den Gedenkstein sorgte. Am Rande der Veranstaltung übergab Dr. Holger Poppenhäger einen Förderbescheid in Höhe von 1.200 Euro an den Heimat - und Geschichtsverein.
Autor: khh

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