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Radroutenplaner unausgereift

Mittwoch, 07. Juli 2010, 11:55 Uhr
Thüringens Verkehrsminister Carius (CDU) hat gestern den Kompass für das Verkehrsradnetz Thüringens vorgestellt. Für den Kyffhäuserkreis ist dieses Hilfsmittel nur bedingt oder in Teilen besser überhaupt nicht verwendbar. Warum, erfahren Sie hier...


Hier aber erst mal die offizielle Pressemitteilung der Landesregierung:
„Thüringen hat ein modernes Radwegenetz mit einer Gesamtlänge von inzwischen über 12.000 Kilometern. Unser neuer, internetgestützter Radroutenplaner ist der Kompass durch dieses Verkehrsnetz.“ Das erklärte heute (Dienstag) Verkehrsminister Christian Carius bei der Vorstellung des Thüringer Radroutenplaners in Erfurt. Unter www.radroutenplaner.thueringen.de ist dieser Service, den der Freistaat als erstes Land unter den neuen Bundesländern anbietet, abrufbar.

„Mit dem Radroutenplaner“, erläuterte Carius weiter, „kann der Nutzer seine Touren landesweit individuell zusammenstellen oder mit anderen Verkehrsträgern wie zum Beispiel den Nahverkehrszügen verknüpfen. Von jeder Haustür in Thüringen aus wird immer der kürzeste Weg zum Radwegenetz gesucht, um dem Radfahrer eine Streckenführung jenseits vom Autoverkehr belasteter Straßen zu ermöglichen. Dazu gibt es Angaben zu Streckenlänge und Fahrzeit, zu Steigungen und Streckenführung sowie zu kulturellen und touristischen Attraktivitäten. Man kann auch Wettervorhersagen entlang der Route abrufen.“

Neben Thüringen haben die Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern vergleichbare landesweite Radroutenplaner. „Mit diesem Projekt fördern wir den Radverkehr insgesamt. Wir stärken mit dem Routenplaner nachhaltig den Alltagsverkehr als auch den Fahrradtourismus und steigern zusätzlich die Attraktivität des Urlaubslands Thüringen“, sagte Carius.


Als Vielradfahrer, der mit seinem Fahrrad schon weite Teile des Kyffhäuserkreises erkundet hat, ist so ein Hilfsmittel sicher eine interessante Sache, dachte sich kn und schaute sich die Sache mal genauer an. Als erstes wurden die Themenrouten unter die Lupe genommen. Wählt man bei den überregionale Themenrouten den Unstrutradweg, offenbart sich schon Schreckliches! Die Kurzbeschreibung bezieht nur die Strecke Kefferhausen bis Bad Langensalza ein. Bei den an der Strecke liegenden Orten werden wenigstens noch einige aus dem Kyffhäuserkreis und Sömmerda genannt. Der wirkliche Endpunkt Naumburg wird nicht erst genannt. Die Kartendarstellung endet an der Landesgrenze!

Über den dargestellten Unstrut-Werra-Radweg breitet man lieber den Mantel des Schweigens, er ist zum Glück nur mit dem Stück im Unstrut-Hainich-Kreis dargestellt. Ein Hinweis allerdings fehlt, dass der Weg noch erweitert werden soll.

Radwegplaner unausgereift (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Radwegplaner unausgereift (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Bei den lokalen / regionalen Themenrouten ist nur der Kyffhäuserradweg enthalten. Bedenklich ist es schon, dass es im Kyffhäuserkreis nur einen darstellungswürdigen Themenradweg gibt, bei über 50 dargestellten Themenwegen auf der genannten Webseite. Auch hier fällt wieder auf, dass mal einfach der Kartenteil von Sachsen-Anhalt weggelassen wurden, frei nach dem Motto, es gibt ja noch andere Webseiten, wo man nachschauen kann. Man kann so etwas auch als grottenschlechten Service am Touristen bezeichnen.

Radwegplaner unausgereift (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Radwegplaner unausgereift (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Beim eigentlichen Radroutenplaner kommt der Kyffhäuserkreis in einigen Fällen überhaupt nicht gut weg. Schon wenn man sich die Übersichtskarte des Radwegenetzes Kyffhäuserkreis anzeigen lässt, ist man erstaunt, welch dichtes Netz da vorhanden scheint. Aber das täuscht. Nimmt man mal den Zoom und lässt sich die Gebiete größer darstellen ist man erstaunt, was da plötzlich als Radeweg verkauft wird! Da sind Wege dabei die sicher auf der Karte vorhanden sind (Wald- und Feldwege) aber nie und nimmer Radwege, sind, vom Fahrbahnzustand teilweise sogar katastrophal. Die Wege sind ja teilweise nicht mal mehr Radwanderwege. Der Unterschied zwischen Radweg und Radwanderweg ist der, dass man auf Radwanderwegen auch mal sein Fahrzeug über eine längere Strecke schieben muss! Auf der Karte oben ist so eine Wegstück mal gekennzeichnet. Es ist ein Teil des Hauptwanderweges (blaues Kreuz). Der Feldweg in Schernberg zwischen der Straße "Zum grünen Herz" und der Waldkante ist in so einem erschreckenswerten Zustand, dass er schon als Wanderweg eine Zumutung ist, geschweige gar mit dem Rad. Mit Wackersteinen haben sich die Landwirte den Weg zurecht gemacht, damit man gerade noch mit Traktoren durchkommt!!!!!

Radwegplaner unausgereift (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Radwegplaner unausgereift (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Ist aber nicht das einzige Beispiel. Sehr extrem ist auch der ausgewiesene Possenweg in Oberspier. Geht oder fährt man vom Possen über die Kastanienallee weiter Richtung Oberspier, beginnt dieser Possenweg ab Waldkante bis hinunter an die B4. Der Ortwegewart Wandern schlägt bei seinen Kontrollfahrten immer drei Kreuze und ist froh, diesen Wanderweg mit dem Rad überstanden zu haben. Wenn sich hier aus Versehen ein Tourist mal diese Route über den Routenplaner wählt, der ist echt zu bedauern. Der Gute wird bestimmt ein hohes Lied über unseren Kyffhäuserkreis singen. Hoffentlich nicht im Internet, denn so einen Negativwerbung kann der Kreis nun wirklich nicht gebrauchen.

Aber auch die Einzelroutenplanung lässt sehr zu wünschen übrig. Gibt man als Route, Startpunkt Sondershausen - Endpunkt Schernberg, ein, wird man bis in den Unstrut-Hainich-Kreis geführt. Siehe Bildergalerie. Wenigstens führt die Route durch Schernberg (Kreuz auf Karte) durch, so dass man nicht ganz fehlgeleitet wird. Die Routenführung ist aber auch abenteuerlich. Man wird von Jechaburg durch das Lange Kirchtal (Pfeil auf Karte) geleitet. Wie die Fahrbahn dort aussieht zeigt die Bildergalerie, und das über eine Strecke von mehreren Kilometern bei einer Steigung zwischen 4 bis 9 Prozent (Durchschnitt um 5 Prozent)!

Gibt man als Startort Immenrode und als Zielort Hohenebra ein, wandelt das Programm automatisch den Startort in Bodenrode-Westhausen und den Zielort in Hohengandern um. Das Programm hat ganz einfach Probleme mit kleineren Orten. So wird Friedrichsrode automatisch in Friedrichwerth umgewandelt. Hier muss das Programm sofort eine Meldung ausspucken, dass so eine Strecke nicht berechnet werden kann. Kurios im Falle Schernberg ist, dass der Ort als Start- oder Zielort nicht gefunden wird, aber beim angezeigten Höhenprofil der oben angeführten Route Sondershausen - Schernberg im Höhenprofil erkannt wird (angezeigte Höhe zwischen 353 und 316 m).

Ich will es mal so sagen, für einen Mountainbiker, der es gewohnt ist auch über Schotterstrecken zu fahren ist das Programm sicher super gut. Für Familienausflüge muss man die ausgegebenen Ergebnis, zumindest für die nähere Umgebung von Sondershausen als abenteuerlich bezeichnen. Das ist sehr schade, denn viele Funktionen des Programms sind ganz hervorragend, denn die Ausgabe der Route als GPS-Datei (Format PCX5 oder GPX) zum Abspeichern ist ein toller Service. Was auch verbessert werden könnte wäre die Kartennavigation. Bei anderen Kartendarstellungen im Internet reicht es die linke Maustaste zu drücken und schon kann man die Karte verschieben, muss man hier doch recht nervig navigieren. Auch das Scorllrad der Maus für größeren oder kleineren Zoom klappt leider nicht.
Karl-Heinz Herrmann
Autor: khh

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