nnz/kn-doku: Achterbahn
Donnerstag, 30. September 2010, 13:31 Uhr
In der Orangerie in Bendeleben im Kyffhäuserkreis sind heute Beamte der Nordhäuser Polizeidirektion befördert worden. Traditionell hält dabei der Leiter der Direktion, Uwe Köppen, eine Ansprache. Wir veröffentlichen diese in unserer doku-Reihe...
Es ist in der Polizeidirektion Nordhausen seit Jahren eine schöne Tradition, den Festakt zur Beförderung von Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten an historischen Orten durchzuführen. Ich habe diese Tradition gern übernommen und so finden wir uns heute hier an historischer Stelle in der Orangerie Bendeleben zusammen, um die Beförderungen in würdigem Rahmen zu feiern.
Vor ein paar Tagen habe ich mit meinen Enkeln einen Rummel besucht. Vor der Achterbahn musste ich stehen bleiben und war fasziniert. Wie im richtigen Leben dachte ich mir, ein ständiges Auf und Ab.
Ganz langsam wurden die Wagen die schiefe Ebene hoch gezogen um dann vom höchsten Punkt aus rasant ins Tal zu stürzen.An der tiefsten Stelle angekommen hatte die Bahn aber genug Schwung, um die nächste Anhöhe problemlos zu meistern.
Für die Passagiere in der Bahn gibt es keine Möglichkeit Einfluss auf den Verlauf der Fahrt zu nehmen. Die einzige Möglichkeit dazu haben sie ganz am Anfang, wenn sie sich entscheiden müssen, ob sie die Fahrt antreten wollen oder nicht. Spätestens jetzt fragen sie sich vermutlich, Warum erzählt er uns das eigentlich?
Die Antwort ist: weil eine Achterbahn den Zweck hat Menschen zu befördern. Und auch sie werden heute befördert. Dazu schon jetzt meine Gratulation!
Aber warum, fragen sie nun mit Recht weiter, redet er ausgerechnet von einer Achterbahn, diesem verrückten Ding, mit dem sowieso nicht jeder mitfährt und nicht von einem Kettenkarussell, das sich schön gemütlich dreht und bei dem immer alles rund läuft? Auch das kann ich erklären.
Diese Gemächlichkeit passt gar nicht zu ihnen, wie sie hier vor mir sitzen. Sie passt auch nicht zu uns, der Polizei des Freistaates Thüringen. Es kann, das ist unserem Beruf geschuldet, nicht immer alles rund laufen und gemütlich zugehen. Nein, unser beruflicher Alltag ist ein ständiges Auf und Ab. Mal mühen wir uns unter großen Anstrengungen nach oben, haben Erfolge. Ein anderes Mal haben wir nicht so viel Erfolg oder müssen auch einmal Misserfolge hinnehmen. Wir rauschen sozusagen hinunter in das Tal. Das ist normal für uns und wir verstehen es, damit umzugehen.
Es ist eben so, wie in der Achterbahn. Um mit der Achterbahn zu fahren, sind Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit gefragt, die den Fahrenden auf dem Weg nach oben nicht verlassen dürfen, damit er es nicht mit der Angst zu tun bekommt.
Außerdem muss sich jemand, der mit der Achterbahn fahren will, auch im Klaren darüber sein, dass es durchaus auch mal mehrere Runden ohne Pause geben kann. Wer also mitfahren und dabei nicht den Spaß verlieren will, muss auch realistisch und selbstkritisch bleiben und wissen, wann und wo es genug ist. Kurzum: Eine gesunde Mischung aus Enthusiasmus und Realismus braucht der Achterbahn-Passagier.
Sie, meine Damen und Herren, haben in der Vergangenheit die wesentlichen Charaktereigenschaften eines guten Polizisten an den Tag gelegt, nämlich Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit.
Dazu haben sie Enthusiasmus und Realismus bewiesen. Deshalb dürfen sie heute befördert werden. Sie haben sich in ihrer bisherigen Dienstzeit oft entschlossen, sich auf Fahrt zu begeben. Mal allein, mal sind Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen mitgekommen. Ihr Team also.
Und die Achterbahn des polizeilichen Alltags läuft ja nonstop. Mehrmals am Tag müssen wir kurzentschlossen einsteigen und die Fahrt annehmen, wie sie kommt oder uns eben dazu entscheiden, nicht einzusteigen.
Wir fahren manchmal aufwärts und manchmal abwärts. Das Achterbahnfahren fahren war bis hierher für sie auch kein einfaches. Gab es doch Abschnitte auf der Strecke mit Erfolgen und viel Spaß und Abschnitte der Misserfolge und weniger Spaß. Abschnitte mit Licht und Abschnitte mit Schatten, so, wie unser Leben nun einmal ist.
Die Freude, die heute in ihnen darüber ist, auf der richtigen Etage angekommen zu sein, ist mit der Enttäuschung bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen verbunden, die heute nicht dabei sein dürfen. In der letzten Monaten standen immer wieder die Fragen im Raum, ob es überhaupt in diesem Jahr Beförderungen geben wird und wie viele.
Umso mehr freue ich mich, dass wir heute 39 Beamte befördern können. Ich persönlich hätte es gern gesehen, wenn die Zahl der zu Befördernden noch größer wäre. Aber wir unterliegen insbesondere dabei wirtschaftlichen Zwängen. Der Platz in den Wagen der Achterbahn ist sozusagen begrenzt.
Wir als Polizeiführer haben um diese Beförderungen in Thüringen gekämpft, weil wir wissen, wie wichtig sie für die Motivation der Beamten in den einzelnen Dienstorganisationen sind.
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wir alle wissen, dass gegenwärtig die Polizei in Thüringen vor einer ihrer größten Veränderung steht. In den letzten Monaten wurde untersucht, wie die Polizeistruktur in Thüringen optimiert werden kann.
Wie diese Struktur einmal aussehen wird, hat der Minister vor zwei Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt.
Ich möchte sie an dieser Stelle bitten, sich nicht an Spekulationen und Gerüchten zu beteiligen, sondern mit gebührender Sachlichkeit in die Zukunft zu blicken.
Es wird mit Sicherheit Veränderungen geben, die für Verschiedene von uns auch mit neuen Aufgaben, vielleicht sogar mit einem Neuanfang verbunden sein können.
Man wird bei der Optimierung der Polizei in Thüringen eine nachhaltige Lösung finden, die den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen und einer zeitgemäßen Polizeiarbeit entspricht Letztlich geht es heutzutage nicht mehr darum, eine Lösung zu finden, die für alle Zeit Gültigkeit hat. Dazu ist der Wandel viel zu schnell; zu rasch ändern sich die Bedingungen. Eigentlich heißt es für jeden, der heute Erfolg haben will, immer wieder neu anzufangen. – wie die Menschen hier in Bendeleben.
Ja, auch die Bevölkerung von Bendeleben hat in ihrer nunmehr 1140-jährigen Geschichte bewegte Zeiten hinter sich.
Bendeleben wurde im Jahre 870 erstmals urkundlich erwähnt. In den folgenden zwei Jahrhunderten entstand das Rittergeschlecht derer von Bendeleben. Bedeutung erlangte eine Frau Bertha von Bendeleben, die mit Ihrem Mann Egelolf in Eisenach auf der Wartburg am Hofe des Landgrafen lebte. Nach dem Tode Ihres Mannes erhielt sie im Jahre 1211 zusammen mit anderen Edelleuten den Auftrag, die damals vierjährige ungarische Königstochter Erszbeth in Ungarn abzuholen und zur Wartburg zu geleiten, sie war als zukünftige Braut des Sohnes des Landgrafen vorgesehen und sollte zusammen mit diesem erzogen werden. Als Heilige Elisabeth von Thüringen ist sie uns bis heute bekannt und ein Vorbild für menschliches und couragiertes Handeln im Dienst an Armen und Kranken.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit, die hier wirkte, war der Verfasser der ersten deutschen Grammatik. Der Pfarrer, Lehrer und Wissenschaftler Johannes Clajus, der kurz nach der Reformation als Pfarrer in Bendeleben tätig war. Nebenbei organisierte er den Abriss und Neuaufbau der zum damaligen Zeitpunkt baufälligen Kirche, die noch heute nahezu im Originalzustand von 1588 zu sehen ist.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618- 1648) erlitt Bendeleben große Verluste, ganze Teile des Ortes nordöstlich der Kirche wurden zerstört und erst in späteren Jahren wieder bebaut.
Oder nehmen wir einmal hier diese schöne alte Orangerie. Den Mittelbau flankieren Treibhäuser in Fachwerkbauweise, in deren Dachbereich noch die konvex gebogenen Holzverschalungen für die einstigen Hohlspiegel vorhanden sind. Durch sie wurde das Sonnenlicht über Glasfenster in die Flügel reflektiert.
Auch diese Orangerie war dem Verfall preis gegeben. Aber die Bendeleber haben nicht aufgegeben. Sie haben, wie schon so oft in der Vergangenheit für den Erhalt, ja sogar für den Wiederaufbau gekämpft. Die Menschen hatten den unerschütterlichen Optimismus, Dinge zu erhalten, die schon einem sehr baldigen Ende bestimmt waren.
Auch wir brauchen diesen Optimismus des ständigen Neubeginns. Auch unsere Ziele gelten nicht für die Ewigkeit, auch sie zerfallen hin und wieder, wenn sich die gesellschaftlichen Bedingungen, das Kriminalitätslagebild oder die Belastungen innerhalb einzelner Deliktfelder verändern.
Wir haben hier im Norden Thüringens in den vergangenen Jahren hervorragende Ergebnisse in der polizeilichen Arbeit erreicht.
Das aber nur, weil wir flexibel waren und anpassungsfähig, weil wir oft auch neue oder ungewöhnliche Wege beschritten und dabei Schwerpunkte gesetzt haben. Weil wir wachsam waren und auf die nächste Kurve der Achterbahn vorbereitet waren.
Auch für die Zukunft bleibt uns keine Wahl: Wir müssen uns immer wieder neue Chancen und Möglichkeiten suchen, immer wieder einen neuen Kurs, neue Ziele festlegen – und sie dann mit unerschütterlichem Optimismus verfolgen. Wir sind also während unserer Fahrt immer gespannt auf die nächste Kurve, die nächste Anhöhe oder das nächste Tal und sind bereit, das in Angriff zu nehmen, was uns dort erwartet.
Wechseln wir – zum Abschluss – einmal den Blickwinkel. Man kann ja nicht nur aus der Achterbahn heraus-, sondern auch auf oder in sie hineinschauen. Sobald die Wagen eine Kurve erreichen, steht der Fahrende im Rampenlicht der Zuschauer.
Er kommt an; er wird betrachtet und begutachtet. Jeder wartet darauf, was er wohl jetzt machen wird, wenn es ihn tüchtig durch schüttelt. Ein Versteck gibt es für ihn nicht. Schonungslos ist er konfrontiert mit den Gegebenheiten und vor allem mit den Menschen, die ihn dort erwarten.
Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, werden also stets und überall während ihrer Fahrt gesehen, sie stehen in der Öffentlichkeit, sie setzen sich oftmals blitzschnell mit den neuen Gegebenheiten auseinander. Dass sie dazu in der Lage sind, haben sie bewiesen. Als Achterbahnfahrer muss man wachsam sein.
Aber gerade durch diese Wachsamkeit und ständige Präsenz wird der Achterbahnfahrer stark. Nun, die Geschichte mit der Achterbahn kennen sie jetzt.
Ich bin sicher, dass wir unsere Ziele, unsere Loopings, Höhen und Täler sicher erreichen, wenn jeder von Ihnen sich voll und ganz dafür einsetzt.
Ich danke Ihnen für alles, was Sie bisher für die Polizei in Thüringen, für unsere Thüringer Bevölkerung getan haben. Und wenn ich in Ihre Gesichter schaue, lese ich darin Mut und Zuversicht. Übertragen sie ihren Mut, ihre Zuversicht auch auf die anderen Kolleginnen und Kollegen in den Dienststellen.
Das ist es auch, was wir brauchen. Der Erfolg gehört den Tüchtigen! Lassen Sie uns zupacken und nicht lockerlassen! Dazu wünsche ich uns eine gut funktionierende Achterbahn, viele Fahrtabschnitte mit Licht und wenige mit Schatten.
Vielen Dank und alles Gute!
Autor: nnzEs ist in der Polizeidirektion Nordhausen seit Jahren eine schöne Tradition, den Festakt zur Beförderung von Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten an historischen Orten durchzuführen. Ich habe diese Tradition gern übernommen und so finden wir uns heute hier an historischer Stelle in der Orangerie Bendeleben zusammen, um die Beförderungen in würdigem Rahmen zu feiern.
Vor ein paar Tagen habe ich mit meinen Enkeln einen Rummel besucht. Vor der Achterbahn musste ich stehen bleiben und war fasziniert. Wie im richtigen Leben dachte ich mir, ein ständiges Auf und Ab.
Ganz langsam wurden die Wagen die schiefe Ebene hoch gezogen um dann vom höchsten Punkt aus rasant ins Tal zu stürzen.An der tiefsten Stelle angekommen hatte die Bahn aber genug Schwung, um die nächste Anhöhe problemlos zu meistern.
Für die Passagiere in der Bahn gibt es keine Möglichkeit Einfluss auf den Verlauf der Fahrt zu nehmen. Die einzige Möglichkeit dazu haben sie ganz am Anfang, wenn sie sich entscheiden müssen, ob sie die Fahrt antreten wollen oder nicht. Spätestens jetzt fragen sie sich vermutlich, Warum erzählt er uns das eigentlich?
Die Antwort ist: weil eine Achterbahn den Zweck hat Menschen zu befördern. Und auch sie werden heute befördert. Dazu schon jetzt meine Gratulation!
Aber warum, fragen sie nun mit Recht weiter, redet er ausgerechnet von einer Achterbahn, diesem verrückten Ding, mit dem sowieso nicht jeder mitfährt und nicht von einem Kettenkarussell, das sich schön gemütlich dreht und bei dem immer alles rund läuft? Auch das kann ich erklären.
Diese Gemächlichkeit passt gar nicht zu ihnen, wie sie hier vor mir sitzen. Sie passt auch nicht zu uns, der Polizei des Freistaates Thüringen. Es kann, das ist unserem Beruf geschuldet, nicht immer alles rund laufen und gemütlich zugehen. Nein, unser beruflicher Alltag ist ein ständiges Auf und Ab. Mal mühen wir uns unter großen Anstrengungen nach oben, haben Erfolge. Ein anderes Mal haben wir nicht so viel Erfolg oder müssen auch einmal Misserfolge hinnehmen. Wir rauschen sozusagen hinunter in das Tal. Das ist normal für uns und wir verstehen es, damit umzugehen.
Es ist eben so, wie in der Achterbahn. Um mit der Achterbahn zu fahren, sind Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit gefragt, die den Fahrenden auf dem Weg nach oben nicht verlassen dürfen, damit er es nicht mit der Angst zu tun bekommt.
Außerdem muss sich jemand, der mit der Achterbahn fahren will, auch im Klaren darüber sein, dass es durchaus auch mal mehrere Runden ohne Pause geben kann. Wer also mitfahren und dabei nicht den Spaß verlieren will, muss auch realistisch und selbstkritisch bleiben und wissen, wann und wo es genug ist. Kurzum: Eine gesunde Mischung aus Enthusiasmus und Realismus braucht der Achterbahn-Passagier.
Sie, meine Damen und Herren, haben in der Vergangenheit die wesentlichen Charaktereigenschaften eines guten Polizisten an den Tag gelegt, nämlich Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit.
Dazu haben sie Enthusiasmus und Realismus bewiesen. Deshalb dürfen sie heute befördert werden. Sie haben sich in ihrer bisherigen Dienstzeit oft entschlossen, sich auf Fahrt zu begeben. Mal allein, mal sind Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen mitgekommen. Ihr Team also.
Und die Achterbahn des polizeilichen Alltags läuft ja nonstop. Mehrmals am Tag müssen wir kurzentschlossen einsteigen und die Fahrt annehmen, wie sie kommt oder uns eben dazu entscheiden, nicht einzusteigen.
Wir fahren manchmal aufwärts und manchmal abwärts. Das Achterbahnfahren fahren war bis hierher für sie auch kein einfaches. Gab es doch Abschnitte auf der Strecke mit Erfolgen und viel Spaß und Abschnitte der Misserfolge und weniger Spaß. Abschnitte mit Licht und Abschnitte mit Schatten, so, wie unser Leben nun einmal ist.
Die Freude, die heute in ihnen darüber ist, auf der richtigen Etage angekommen zu sein, ist mit der Enttäuschung bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen verbunden, die heute nicht dabei sein dürfen. In der letzten Monaten standen immer wieder die Fragen im Raum, ob es überhaupt in diesem Jahr Beförderungen geben wird und wie viele.
Umso mehr freue ich mich, dass wir heute 39 Beamte befördern können. Ich persönlich hätte es gern gesehen, wenn die Zahl der zu Befördernden noch größer wäre. Aber wir unterliegen insbesondere dabei wirtschaftlichen Zwängen. Der Platz in den Wagen der Achterbahn ist sozusagen begrenzt.
Wir als Polizeiführer haben um diese Beförderungen in Thüringen gekämpft, weil wir wissen, wie wichtig sie für die Motivation der Beamten in den einzelnen Dienstorganisationen sind.
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wir alle wissen, dass gegenwärtig die Polizei in Thüringen vor einer ihrer größten Veränderung steht. In den letzten Monaten wurde untersucht, wie die Polizeistruktur in Thüringen optimiert werden kann.
Wie diese Struktur einmal aussehen wird, hat der Minister vor zwei Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt.
Ich möchte sie an dieser Stelle bitten, sich nicht an Spekulationen und Gerüchten zu beteiligen, sondern mit gebührender Sachlichkeit in die Zukunft zu blicken.
Es wird mit Sicherheit Veränderungen geben, die für Verschiedene von uns auch mit neuen Aufgaben, vielleicht sogar mit einem Neuanfang verbunden sein können.
Man wird bei der Optimierung der Polizei in Thüringen eine nachhaltige Lösung finden, die den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen und einer zeitgemäßen Polizeiarbeit entspricht Letztlich geht es heutzutage nicht mehr darum, eine Lösung zu finden, die für alle Zeit Gültigkeit hat. Dazu ist der Wandel viel zu schnell; zu rasch ändern sich die Bedingungen. Eigentlich heißt es für jeden, der heute Erfolg haben will, immer wieder neu anzufangen. – wie die Menschen hier in Bendeleben.
Ja, auch die Bevölkerung von Bendeleben hat in ihrer nunmehr 1140-jährigen Geschichte bewegte Zeiten hinter sich.
Bendeleben wurde im Jahre 870 erstmals urkundlich erwähnt. In den folgenden zwei Jahrhunderten entstand das Rittergeschlecht derer von Bendeleben. Bedeutung erlangte eine Frau Bertha von Bendeleben, die mit Ihrem Mann Egelolf in Eisenach auf der Wartburg am Hofe des Landgrafen lebte. Nach dem Tode Ihres Mannes erhielt sie im Jahre 1211 zusammen mit anderen Edelleuten den Auftrag, die damals vierjährige ungarische Königstochter Erszbeth in Ungarn abzuholen und zur Wartburg zu geleiten, sie war als zukünftige Braut des Sohnes des Landgrafen vorgesehen und sollte zusammen mit diesem erzogen werden. Als Heilige Elisabeth von Thüringen ist sie uns bis heute bekannt und ein Vorbild für menschliches und couragiertes Handeln im Dienst an Armen und Kranken.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit, die hier wirkte, war der Verfasser der ersten deutschen Grammatik. Der Pfarrer, Lehrer und Wissenschaftler Johannes Clajus, der kurz nach der Reformation als Pfarrer in Bendeleben tätig war. Nebenbei organisierte er den Abriss und Neuaufbau der zum damaligen Zeitpunkt baufälligen Kirche, die noch heute nahezu im Originalzustand von 1588 zu sehen ist.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618- 1648) erlitt Bendeleben große Verluste, ganze Teile des Ortes nordöstlich der Kirche wurden zerstört und erst in späteren Jahren wieder bebaut.
Oder nehmen wir einmal hier diese schöne alte Orangerie. Den Mittelbau flankieren Treibhäuser in Fachwerkbauweise, in deren Dachbereich noch die konvex gebogenen Holzverschalungen für die einstigen Hohlspiegel vorhanden sind. Durch sie wurde das Sonnenlicht über Glasfenster in die Flügel reflektiert.
Auch diese Orangerie war dem Verfall preis gegeben. Aber die Bendeleber haben nicht aufgegeben. Sie haben, wie schon so oft in der Vergangenheit für den Erhalt, ja sogar für den Wiederaufbau gekämpft. Die Menschen hatten den unerschütterlichen Optimismus, Dinge zu erhalten, die schon einem sehr baldigen Ende bestimmt waren.
Auch wir brauchen diesen Optimismus des ständigen Neubeginns. Auch unsere Ziele gelten nicht für die Ewigkeit, auch sie zerfallen hin und wieder, wenn sich die gesellschaftlichen Bedingungen, das Kriminalitätslagebild oder die Belastungen innerhalb einzelner Deliktfelder verändern.
Wir haben hier im Norden Thüringens in den vergangenen Jahren hervorragende Ergebnisse in der polizeilichen Arbeit erreicht.
Das aber nur, weil wir flexibel waren und anpassungsfähig, weil wir oft auch neue oder ungewöhnliche Wege beschritten und dabei Schwerpunkte gesetzt haben. Weil wir wachsam waren und auf die nächste Kurve der Achterbahn vorbereitet waren.
Auch für die Zukunft bleibt uns keine Wahl: Wir müssen uns immer wieder neue Chancen und Möglichkeiten suchen, immer wieder einen neuen Kurs, neue Ziele festlegen – und sie dann mit unerschütterlichem Optimismus verfolgen. Wir sind also während unserer Fahrt immer gespannt auf die nächste Kurve, die nächste Anhöhe oder das nächste Tal und sind bereit, das in Angriff zu nehmen, was uns dort erwartet.
Wechseln wir – zum Abschluss – einmal den Blickwinkel. Man kann ja nicht nur aus der Achterbahn heraus-, sondern auch auf oder in sie hineinschauen. Sobald die Wagen eine Kurve erreichen, steht der Fahrende im Rampenlicht der Zuschauer.
Er kommt an; er wird betrachtet und begutachtet. Jeder wartet darauf, was er wohl jetzt machen wird, wenn es ihn tüchtig durch schüttelt. Ein Versteck gibt es für ihn nicht. Schonungslos ist er konfrontiert mit den Gegebenheiten und vor allem mit den Menschen, die ihn dort erwarten.
Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, werden also stets und überall während ihrer Fahrt gesehen, sie stehen in der Öffentlichkeit, sie setzen sich oftmals blitzschnell mit den neuen Gegebenheiten auseinander. Dass sie dazu in der Lage sind, haben sie bewiesen. Als Achterbahnfahrer muss man wachsam sein.
Aber gerade durch diese Wachsamkeit und ständige Präsenz wird der Achterbahnfahrer stark. Nun, die Geschichte mit der Achterbahn kennen sie jetzt.
Ich bin sicher, dass wir unsere Ziele, unsere Loopings, Höhen und Täler sicher erreichen, wenn jeder von Ihnen sich voll und ganz dafür einsetzt.
Ich danke Ihnen für alles, was Sie bisher für die Polizei in Thüringen, für unsere Thüringer Bevölkerung getan haben. Und wenn ich in Ihre Gesichter schaue, lese ich darin Mut und Zuversicht. Übertragen sie ihren Mut, ihre Zuversicht auch auf die anderen Kolleginnen und Kollegen in den Dienststellen.
Das ist es auch, was wir brauchen. Der Erfolg gehört den Tüchtigen! Lassen Sie uns zupacken und nicht lockerlassen! Dazu wünsche ich uns eine gut funktionierende Achterbahn, viele Fahrtabschnitte mit Licht und wenige mit Schatten.
Vielen Dank und alles Gute!

