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Handwerk gut, alles gut

Donnerstag, 07. Oktober 2010, 19:31 Uhr
Heute stellte der Präsident der Handwerkskammer Erfurt, Rolf Ostermann, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Erfurt vor. Sein Fazit: "Dem Handwerk geht’s gut. Es hat in den letzten Monaten eine positive Entwicklung genommen."


Alle Indikatoren wie Geschäftslage, Umsatz, Auftragsbestand, Verkaufspreisentwicklung und Beschäftigtenentwicklung zeigen positive Tendenzen. Saisonbedingt fällt der Ausblick zwar verhaltener aus, da das Bauhaupt- und Baunebengewerbe mit dem Winter vor auftragsschwachen Monaten steht. Insgesamt sieht Ostermann das Handwerk aber auf einem guten Weg.

Im 20. Jahr nach der Wende zeigen sich viele Betriebe robust und am Markt gut aufgestellt. Aktuell kann der beste Geschäftslagenindex seit 10 Jahren registriert werden. Laut den Ergebnissen der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Erfurt für das 3. Quartal wird 2010 ein gutes Jahr für das Handwerk.

Der Optimismus überwiegt, denn die Handwerkskonjunktur setzt ihren Aufwärtstrend fort. Alle Indikatoren sind besser als im Vorquartal. Die Entwicklungskurven von Geschäftslage, Umsatz, Auftragsbestand, Verkaufspreisentwicklung, Investitionstätigkeit haben eine positive Tendenz. Auch die Beschäftigtenentwicklung zeigt sich leicht im Plus. Allerdings bleibt die Investitionsneigung weiterhin schwach ausgeprägt. Auch im 3. Quartal ist nur eine leicht stärkere Investitionstätigkeit als im Vorquartal festzustellen.

Nach Einschätzung der Handwerkskammer wird der Erholungsprozess in erster Linie durch staatliche Konjunkturmaßnahmen und gestiegener Exportnachfrage beschleunigt.

Geschäftslage:

Die Betriebe beurteilen die Geschäftslage im III. Quartal sehr positiv. 87% der befragten Handwerker schätzen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Der Geschäftslageindex liegt im Vergleich zum Vorjahresquartal um gut 9 Prozentpunkte im Plus.

Umsatz:

Jeder fünfte Handwerker verzeichnete im III. Quartal gestiegene Umsätze. Dieser positive Trend wurde zum zweiten Mal in Folge registriert. 82% der befragten Betriebe verzeichneten im Vergleich zum Vorquartal gestiegene oder unveränderte Umsätze.

Beschäftigungsentwicklung konstant

Im Langzeitvergleich der letzten fünf Jahre ist eine steigende Tendenz festzustellen. Auffällig ist hierbei die Zunahme der Befragungsgruppe, die in diesem Quartal gestiegene Beschäftigtenzahlen anzeigen. 15 Prozent der Befragten wollen ihren Personalbestand sogar erhöhen.

Überraschendes im Kfz-Gewerbe

Das Kraftfahrzeuggewerbe erzielte 96 Prozentpunkte im Beschäftigtenindex; eine Zunahme um 6 Prozentpunkte und damit das stärkste Plus aller Gewerbegruppen. Insgesamt ist das Werkstattgeschäft im Kfz-Handwerk deutlich besser verlaufen als mit dem Auslaufen der Abwrackprämie befürchtet.

Als einen Grund sieht die Handwerkskammer die Gruppenfreistellungsverordnung. Dank dieser EU-Verordnung werden seit Juni 2010 insbesondere die freien Werkstätten gestärkt, die jetzt freien Datenzugang zu den Datenbänken der Hersteller erhalten. Zudem haben die Kunden nunmehr die freie Wahl bei Wartungsdiensten. Darüber hinaus wurde die Wahl von Ersatzteilen freigegeben und damit der freie Reparaturmarkt gestärkt. Das sogenannte „BMW-Urteil“ des Bundesgerichtshofes stärkt darüber hinaus die geprüften und zertifizierten Lackier- und Karosseriefachbetriebe, die demnach den Kfz-Werkstätten gleichgestellt sind.

Betriebe gut ausgelastet

Die Betriebe sind aktuell stärker als im Vorjahresquartal ausgelastet. Fast jeder 3. Betrieb gab an, zu mehr als 90 Prozent ausgelastet zu sein. Im 3. Quartal 2009 konnte nur jeder 5. Betrieb diese hohe Auslastung erzielen.

Ausblick:

Die Erwartungen für das vierte Quartal 2010 sind saisonüblich verhalten, liegen jedoch deutlich über den Erwartungen aus den Vorjahren. Vor allem das Dienstleistungsgewerbe erwartet eine gute Geschäftslage im nächsten Quartal. Saisonbedingt sind die Betriebe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes pessimistischer für die Wintermonate.

Gute Konjunkturentwicklung verstetigen

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Thüringen bleibt weiterhin wichtiger Taktgeber für das Handwerk. Die hiesige Wirtschaft und öffentliche Hand sowie die Bevölkerung mit ihren Investitionen in privaten Haushalten sind die Auftraggeber für das regional agierende Handwerk. Daher muss es Ziel der Landespolitik bleiben, dass Investitionen im Freistaat nach Möglichkeit auch von Betrieben im Freistaat realisiert werden. Einen Beitrag hierfür soll das Vergabegesetz leisten.

Allerdings sind in der Gesetzesvorlage weiterhin vergabefremde Kriterien enthalten, die gerade für kleine Betriebe die Chancen zur erfolgreichen Teilnahme deutlich verschlechtern und sie damit benachteiligen. Hier muss aus Sicht der Handwerkskammer Erfurt noch im Verlauf der parlamentarischen Beratungen dringend nachgebessert werden. Investitionen in den Betrieben müssen wieder verstärkt werden, um bei der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Hierfür brauchen die Betriebe ausreichende und bedarfsgerechte Finanzmittel wie beispielsweise Mikrodarlehen.

Wachstum fängt in den Köpfen an

Drohende Lücken bei Fachkräften und Lehrlingen verstärken die Gefahr, dass die wirtschaftliche und betriebliche Entwicklung im Land gehemmt wird. Die Handwerkskammer Erfurt fordert daher von der Politik wie von den Unternehmen, vorhandene Potenziale besser zu fördern und zu nutzen. Lebenslanges Lernen und längeres Arbeiten müssen stärker in den Vordergrund rücken.

Hierzu gehört bereits eine kontinuierliche Berufsorientierung der Schüler, wie sie beispielsweise das Projekt „Berufstart plus“ bietet. Dieses Projekt sollte endlich als Regelleistung an den allgemeinbildenden Schulen etabliert werden. Hingegen lehnt die Handwerkskammer Erfurt ein so genanntes „0. Ausbildungsjahr“ ab. Ausbildungsfähigkeit und –reife der Schüler sollten zuallererst in der Regelschulzeit erreicht werden.
Autor: nnz

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