30 Jahre Frankenhäuser Frauenchor
Donnerstag, 14. Oktober 2010, 11:50 Uhr
Einen kleinen geschichtlichen Abriss zu einem interessanten Jubiläum gibt Ritta Landes vom F.F.C. in ihrem Bericht für kn...
In der Festschrift zum 20-jährigen Bestehen des F.F.C. schreibt die Chorleiterin Margarete Wisotzky: "Möge unser Jubiläum für die Chorsängerinnen, für alle Freunde und Gäste des Frauenchores ein Fest im Gestern und Morgen sein."
Werfen wir nun einen Blick auf das Gestern. Das fällt nicht schwer, denn noch klingen die Veranstaltungen zum 200.Musikfestjubiläum mit den besonderen Höhepunkten: dem Gesang des Thomanerchores Leipzig und der Aufführung der "Schöpfung" von J. Haydn in uns nach. Schon 1804 gelang dem Kantor und Lehrer J. G. Fr. Bischoff die Darbietung dieses grandiosen Werkes mit ca. 100 Mitwirkenden; 1810 waren es bereits 200. Tausende Musikbegeisterte kamen in unser Städtchen, um zwei Tage lang ein Fest der Tonkunst zu feiern. Die Lieder, die erklangen, waren aber auch ein Zeichen der Nation für Freiheit, gegen die Napoleonische Unterdrückung.
In Oldisleben wirkte fast 50 Jahre lang der Kantor Carl Friedrich Zöllner (geb. 1797 in Mittelhausen/Thüringen). Am Unstrutwehr schuf er 1844 das vielgesungene Lied "Das Wandern ist das Müllers Lust". Carl Zöllner war einer der ersten "Visionäre des Chorgesanges", gründete und förderte die ersten Gesangsvereine in Deutschland. Doch nur Männer hatten Zutritt. Auch bei späteren gemischten Chören dirigierte ein Mann. 1880 entstand der Cecilienverein Frankenhausen - ein Frauenchor, aber die Leitung hatte Kantor Ottomar Töpfer - wieder ein Mann.
Da tritt 1980 erstmalig ein Frauenchor mit einer Dirigentin auf den Plan. Sein Werdegang: 1965 formiert sich in der PGH "Modische Knöpfe" eine kleine Singegruppe mit Annemarie Krause und Waltraud Rödel als aktiven Kern. Die Mitglieder möchten mehr erreichen, größer werden, die betriebliche Enge sprengen. Hans Wenke, Direktor des inzwischen Volkseigenen Betriebes "Format", hatte dafür ein offenes Ohr. Er ermöglichte auch Nichtbetriebsangehörigen die Teilnahme an der Sangesgemeinschaft und fand eine Chorleiterin: Margarete Wisotzky aus Obergebra. Ihr Mann war als Arzt nach Bad Frankenhausen berufen worden. Margarete fiel es schwer, den Chor ihrer Heimatstadt, den sie mit gegründet und geleitet hatte, zu verlassen.
Am ersten Montag im April 1980 trafen sich neun Sängerinnen mit Margarete W. in der Betriebskantine des "VEB Format" und beschlossen, den Frankenhäuser Frauenchor aus der Taufe zu heben. Später, anlässlich eines Betriebsfestes, erfolgte die Unterzeichnung der Gründungsurkunde. Für die wöchentlichen Proben stellte der Betrieb kostenlos Räumlichkeiten zur Verfügung. Bei Bedarf erhielt der Chor auch Fördermittel aus dessen Kulturfonds.
Nachdem der erste Auftritt am 26.06.1981 im Frankenhäuser Kurpark mit viel Herzklopfen gemeistert wurde, war der Chor ein geachteter, beliebter Akteur bei vielen Veranstaltungen.
Einen Höhepunkt bildete das Zusammentreffen mit dem ungarischen Kammerchor "Ferenc Liszt" aus Szazhalombatta. Dieser Chor war mit einer Delegation des Rates der Stadt zu einem Freundschaftsbesuch nach Bad Frankenhausen gekommen und gab ein Konzert im Festsaal des Museums. Der F.F.C. begrüßte musikalisch die Gäste. Beim Gegenbesuch weilten 28 Sängerinnen vom 13. Bis 17.10.1984 in Ungarn. Im Mittelpunkt stand das Chorkonzert in der Schulaula von Szazhalombatta. Nicht nur Gesang begeisterte, sondern auch die Moderation von Harry Naumann, Frankenhäuser Lehrer, Karnevalist, Dichter, Zeichner. (Unser Logo ist sein Werk.) Er und Margarete bildeten bei vielen Veranstaltungen ein mitreißendes Paar.
Mit der Einigung erweiterte sich auch der Erlebnisbereich des F.F.C. Unmittelbar nach der Wende, noch in der Etappe bis zum Tag der Einheit am 03.10.1990, wurde die Partnerschaft mit dem "Badestädter Frauenchor" in Bad Sooden-Allendorf (Hessen) besiegelt. Einen großen Anteil daran hat Annemarie Krause. Ihr und ihrer Freundin Gertrud Hoffmann aus Bad Sooden verdankt der F.F.C. eine noch heute gut funktionierende Zusammenarbeit.
Anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung 1993 lud der Schwäbische Sängerbund zu einem "Tag der Thüringer Chöre" in den Rosensteinpark nach Stuttgart ein. Unter den acht vom Südwestdeutschen Rundfunk ausgewählten Chören war auch unser F.F.C. und - erntete viel Applaus.
Von 1994 bis 1998 bestand die Verbindung mit dem "Jettinger Gesangverein" (Schwaben). Aller zwei Jahre fanden Chortreffen statt. Doch leider zerbröckelte diese Freundschaft wieder. Während eines Gastspiels des Oytener Akkordeon-Orchesters im Oktober 1994 im Heimatmuseum, bei dem auch der F.F.C. mitwirkte, kam die Einladung zu einem Konzert zustande. 1995: Auf nach Oyten (bei Bremen)! Die Zuhörer im vollbesetzten Rathaus waren begeistert!
Am 11.03.1992 erfolgte die feierliche Eintragung des F.F.C. in das Vereinsregister mit der Aufnahme in den "Thüringischen- und Deutschen Sängerbund". Bürgermeister Ringleb unterstrich mit seiner Anwesenheit, dass ihm Kunst und Kultur der Stadt am Herzen lagen.
Neben vielseitigen städtischen Auftritten nahm der F.F.C. an Sängerfesten, Chortreffen und Wettbewerben teil. Auszeichnungen und Urkunden zeugen davon. 1995 trat ich in den Chor ein und staunte nicht schlecht: So viele Noten! (Schon 2000 betrug das breitgefächerte Repertoire über 120 Chorlieder) Solche Talente! Lorett Sachs, Lehrerin, komponiert, dichtet, schreibt, musiziert. Rosemarie Wolff, Zahntechn. i. R., musiziert, komponiert, textet. Und dann: Wenn Margarete eine Saite anschlug, begann das ganze Instrument zu klingen! Als ich in Vorbereitung dieses Beitrags nachmals die Festschrift zum 20.Jubiläum aufmerksam durchlas, wurde mir klar: Hier existiert eine gewachsene, kontinuierlich gearbeitete Einheit, zusammengeschmiedet durch schöne, bedeutsame, prägende Erlebnisse. Ich verneige mich vor den Anstrengungen und dem Engagement der vielen "Älteren" und bin stolz darauf, mit ihnen zu singen.
Zwischen dem Gestern und dem Morgen liegt das Heute. Das gestalten wir mit. Durch unser Wirken und Werben führen wir die Tradition des Chorgesanges unseres Städtchens fort und legen den Grundstein für Morgen. Fritz Brathers Worte sind unser Leitspruch: "Ein frisches Lied bringt Freud und Fried, macht´s Leben froh, macht´s Leben froh..".
Text und Foto: Ritta Landes
Autor: khhIn der Festschrift zum 20-jährigen Bestehen des F.F.C. schreibt die Chorleiterin Margarete Wisotzky: "Möge unser Jubiläum für die Chorsängerinnen, für alle Freunde und Gäste des Frauenchores ein Fest im Gestern und Morgen sein."
Werfen wir nun einen Blick auf das Gestern. Das fällt nicht schwer, denn noch klingen die Veranstaltungen zum 200.Musikfestjubiläum mit den besonderen Höhepunkten: dem Gesang des Thomanerchores Leipzig und der Aufführung der "Schöpfung" von J. Haydn in uns nach. Schon 1804 gelang dem Kantor und Lehrer J. G. Fr. Bischoff die Darbietung dieses grandiosen Werkes mit ca. 100 Mitwirkenden; 1810 waren es bereits 200. Tausende Musikbegeisterte kamen in unser Städtchen, um zwei Tage lang ein Fest der Tonkunst zu feiern. Die Lieder, die erklangen, waren aber auch ein Zeichen der Nation für Freiheit, gegen die Napoleonische Unterdrückung.
In Oldisleben wirkte fast 50 Jahre lang der Kantor Carl Friedrich Zöllner (geb. 1797 in Mittelhausen/Thüringen). Am Unstrutwehr schuf er 1844 das vielgesungene Lied "Das Wandern ist das Müllers Lust". Carl Zöllner war einer der ersten "Visionäre des Chorgesanges", gründete und förderte die ersten Gesangsvereine in Deutschland. Doch nur Männer hatten Zutritt. Auch bei späteren gemischten Chören dirigierte ein Mann. 1880 entstand der Cecilienverein Frankenhausen - ein Frauenchor, aber die Leitung hatte Kantor Ottomar Töpfer - wieder ein Mann.
Da tritt 1980 erstmalig ein Frauenchor mit einer Dirigentin auf den Plan. Sein Werdegang: 1965 formiert sich in der PGH "Modische Knöpfe" eine kleine Singegruppe mit Annemarie Krause und Waltraud Rödel als aktiven Kern. Die Mitglieder möchten mehr erreichen, größer werden, die betriebliche Enge sprengen. Hans Wenke, Direktor des inzwischen Volkseigenen Betriebes "Format", hatte dafür ein offenes Ohr. Er ermöglichte auch Nichtbetriebsangehörigen die Teilnahme an der Sangesgemeinschaft und fand eine Chorleiterin: Margarete Wisotzky aus Obergebra. Ihr Mann war als Arzt nach Bad Frankenhausen berufen worden. Margarete fiel es schwer, den Chor ihrer Heimatstadt, den sie mit gegründet und geleitet hatte, zu verlassen.
Am ersten Montag im April 1980 trafen sich neun Sängerinnen mit Margarete W. in der Betriebskantine des "VEB Format" und beschlossen, den Frankenhäuser Frauenchor aus der Taufe zu heben. Später, anlässlich eines Betriebsfestes, erfolgte die Unterzeichnung der Gründungsurkunde. Für die wöchentlichen Proben stellte der Betrieb kostenlos Räumlichkeiten zur Verfügung. Bei Bedarf erhielt der Chor auch Fördermittel aus dessen Kulturfonds.
Nachdem der erste Auftritt am 26.06.1981 im Frankenhäuser Kurpark mit viel Herzklopfen gemeistert wurde, war der Chor ein geachteter, beliebter Akteur bei vielen Veranstaltungen.
Einen Höhepunkt bildete das Zusammentreffen mit dem ungarischen Kammerchor "Ferenc Liszt" aus Szazhalombatta. Dieser Chor war mit einer Delegation des Rates der Stadt zu einem Freundschaftsbesuch nach Bad Frankenhausen gekommen und gab ein Konzert im Festsaal des Museums. Der F.F.C. begrüßte musikalisch die Gäste. Beim Gegenbesuch weilten 28 Sängerinnen vom 13. Bis 17.10.1984 in Ungarn. Im Mittelpunkt stand das Chorkonzert in der Schulaula von Szazhalombatta. Nicht nur Gesang begeisterte, sondern auch die Moderation von Harry Naumann, Frankenhäuser Lehrer, Karnevalist, Dichter, Zeichner. (Unser Logo ist sein Werk.) Er und Margarete bildeten bei vielen Veranstaltungen ein mitreißendes Paar.
Mit der Einigung erweiterte sich auch der Erlebnisbereich des F.F.C. Unmittelbar nach der Wende, noch in der Etappe bis zum Tag der Einheit am 03.10.1990, wurde die Partnerschaft mit dem "Badestädter Frauenchor" in Bad Sooden-Allendorf (Hessen) besiegelt. Einen großen Anteil daran hat Annemarie Krause. Ihr und ihrer Freundin Gertrud Hoffmann aus Bad Sooden verdankt der F.F.C. eine noch heute gut funktionierende Zusammenarbeit.
Anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung 1993 lud der Schwäbische Sängerbund zu einem "Tag der Thüringer Chöre" in den Rosensteinpark nach Stuttgart ein. Unter den acht vom Südwestdeutschen Rundfunk ausgewählten Chören war auch unser F.F.C. und - erntete viel Applaus.
Von 1994 bis 1998 bestand die Verbindung mit dem "Jettinger Gesangverein" (Schwaben). Aller zwei Jahre fanden Chortreffen statt. Doch leider zerbröckelte diese Freundschaft wieder. Während eines Gastspiels des Oytener Akkordeon-Orchesters im Oktober 1994 im Heimatmuseum, bei dem auch der F.F.C. mitwirkte, kam die Einladung zu einem Konzert zustande. 1995: Auf nach Oyten (bei Bremen)! Die Zuhörer im vollbesetzten Rathaus waren begeistert!
Am 11.03.1992 erfolgte die feierliche Eintragung des F.F.C. in das Vereinsregister mit der Aufnahme in den "Thüringischen- und Deutschen Sängerbund". Bürgermeister Ringleb unterstrich mit seiner Anwesenheit, dass ihm Kunst und Kultur der Stadt am Herzen lagen.
Neben vielseitigen städtischen Auftritten nahm der F.F.C. an Sängerfesten, Chortreffen und Wettbewerben teil. Auszeichnungen und Urkunden zeugen davon. 1995 trat ich in den Chor ein und staunte nicht schlecht: So viele Noten! (Schon 2000 betrug das breitgefächerte Repertoire über 120 Chorlieder) Solche Talente! Lorett Sachs, Lehrerin, komponiert, dichtet, schreibt, musiziert. Rosemarie Wolff, Zahntechn. i. R., musiziert, komponiert, textet. Und dann: Wenn Margarete eine Saite anschlug, begann das ganze Instrument zu klingen! Als ich in Vorbereitung dieses Beitrags nachmals die Festschrift zum 20.Jubiläum aufmerksam durchlas, wurde mir klar: Hier existiert eine gewachsene, kontinuierlich gearbeitete Einheit, zusammengeschmiedet durch schöne, bedeutsame, prägende Erlebnisse. Ich verneige mich vor den Anstrengungen und dem Engagement der vielen "Älteren" und bin stolz darauf, mit ihnen zu singen.
Zwischen dem Gestern und dem Morgen liegt das Heute. Das gestalten wir mit. Durch unser Wirken und Werben führen wir die Tradition des Chorgesanges unseres Städtchens fort und legen den Grundstein für Morgen. Fritz Brathers Worte sind unser Leitspruch: "Ein frisches Lied bringt Freud und Fried, macht´s Leben froh, macht´s Leben froh..".
Text und Foto: Ritta Landes

