Die "Fassfreunde" aus Göllingen.
Sonntag, 24. Oktober 2010, 10:49 Uhr
Gestern traf sich eine fröhliche Runde im Ratskeller von Sondershausen. Auch kn ist diese Gruppe nicht verborgen geblieben. Warum man sich eigentlich seit 50 Jahren trifft, und warum man zu DDR-Zeiten verdächtig war, schilderte kn einer der Teilnehmer...
Die Natur verfärbst sich, es wird kühler, der Herbst hat Einzug gehalten. Es ist Kirmeszeit und in den Dörfern freut man sich schon auf die kommenden Wochenenden.
Zehn Freunde, alles noch brave Junggesellen, saßen am 18. Oktober 1959 beim Frühschoppen in Göllingen zusammen. Das Hauptthema dieser Unterhaltung war: - Wer wird wohl der Erste sein, der den Bund der Ehe eingehen möchte oder muss - ? Sofort waren Papier und Bleistift zur Hand und es wurde ein Vertrag aufgesetzt. Sinngemäß stand da schwarz auf weiß, wer als Erster heiratet, muss ein Fass Bier ( 100 Liter ) spendieren und alle dazu einladen. Ort und Gaststätte können vom "Opfer" selbst bestimmt werden. Es war damals für uns Zwanzig-Jährige ein sehr wichtiges Dokument, worauf natürlich gleich angestoßen wurde. Es verging ein gutes Jahr und der Erste ging zum Traualtar. Kurz darauf erfolge die Einladung in ein Gasthaus nach Seega. Jetzt wurde überlegt, wie und was zu tun ist. Es musste eine " Kleiderordnung" festgelegt werden und eine musikalische Umrahmung.
Zylindermänner Göllingen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Wir (im Bild Autor Manfred Haase) waren zwischenzeitlich ca. 15 "Fassfreunde". Ein weises Hemd mit schwarzer, schmaler Fliege und natürlich einen schwarzen Zylinder. Musiker gehörten auch zu unserer Truppe und so ging es mit Gitarre, Pauke und Trompete nach Seega. Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend und dieses Ereignis machte auch schnell seine Runde. So kam der Eine nach dem Anderen unter die Haube.
Gefeiert wurde nicht nur in Seega, Göllingen, Bendeleben und Kelbra; später auch in Heldrungen und Bad Frankenhausen. Die Reisen über Land erfolgten mit dem Motorrad, Pferdegespannen oder Bus, aber auch im Ort mit einer Sänfte. Als alle verheiratet waren wurde beschlossen, dass derjenige welcher 10 Jahre verheiratet ist, später nach 25 Jahren Ehe erneut zur Kasse gebeten wird.
Zwischenzeitlich hatten wir festgestellt, die Biermenge muss auf 50 Liter reduziert werden. Des weiteren gab es auch stille Proteste, und so entschlossen wir uns, unsere Ehefrauen mit einzuladen. Es gab aber auch ein anderes Problem. Die Fassfreunde, so nennen wir uns ja heute noch, waren ja für die politisch Verantwortlichen nicht so ganz geheuer: Einheitliche Kleidung, nichtsozialistische Kopfbedeckung, keine angemeldete Versammlung, singen von Trinkliedern u.v.m.. Auf so etwas musste immer ein Auge geworfen werden.
Zur Tradition gehört aber auch ein weiser Zylinder mit Unterschrift und Datum der Verheirateten.
Nun treffen wir uns schon über 50 Jahre. Aus allen Gegenden kommen wir jedes Jahr zusammen. Ein jedes Ehepaar zahlt seine Zeche selbst. Was sollen die Opas und Omas noch mit 50 Liter Bier anfangen. Unsere Kinder und Enkel sind die Kraftfahrer die uns sicher nach Hause bringen. Wir wollen hoffen, dass wir mit unseren Zylindern bei bester Gesundheit als die "Göllinger Fassfreunde" noch viele Jahre zusammen kommen können.
Manfred Haase
Autor: khhDie Natur verfärbst sich, es wird kühler, der Herbst hat Einzug gehalten. Es ist Kirmeszeit und in den Dörfern freut man sich schon auf die kommenden Wochenenden.
Zehn Freunde, alles noch brave Junggesellen, saßen am 18. Oktober 1959 beim Frühschoppen in Göllingen zusammen. Das Hauptthema dieser Unterhaltung war: - Wer wird wohl der Erste sein, der den Bund der Ehe eingehen möchte oder muss - ? Sofort waren Papier und Bleistift zur Hand und es wurde ein Vertrag aufgesetzt. Sinngemäß stand da schwarz auf weiß, wer als Erster heiratet, muss ein Fass Bier ( 100 Liter ) spendieren und alle dazu einladen. Ort und Gaststätte können vom "Opfer" selbst bestimmt werden. Es war damals für uns Zwanzig-Jährige ein sehr wichtiges Dokument, worauf natürlich gleich angestoßen wurde. Es verging ein gutes Jahr und der Erste ging zum Traualtar. Kurz darauf erfolge die Einladung in ein Gasthaus nach Seega. Jetzt wurde überlegt, wie und was zu tun ist. Es musste eine " Kleiderordnung" festgelegt werden und eine musikalische Umrahmung.
Zylindermänner Göllingen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Wir (im Bild Autor Manfred Haase) waren zwischenzeitlich ca. 15 "Fassfreunde". Ein weises Hemd mit schwarzer, schmaler Fliege und natürlich einen schwarzen Zylinder. Musiker gehörten auch zu unserer Truppe und so ging es mit Gitarre, Pauke und Trompete nach Seega. Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend und dieses Ereignis machte auch schnell seine Runde. So kam der Eine nach dem Anderen unter die Haube.Gefeiert wurde nicht nur in Seega, Göllingen, Bendeleben und Kelbra; später auch in Heldrungen und Bad Frankenhausen. Die Reisen über Land erfolgten mit dem Motorrad, Pferdegespannen oder Bus, aber auch im Ort mit einer Sänfte. Als alle verheiratet waren wurde beschlossen, dass derjenige welcher 10 Jahre verheiratet ist, später nach 25 Jahren Ehe erneut zur Kasse gebeten wird.
Zwischenzeitlich hatten wir festgestellt, die Biermenge muss auf 50 Liter reduziert werden. Des weiteren gab es auch stille Proteste, und so entschlossen wir uns, unsere Ehefrauen mit einzuladen. Es gab aber auch ein anderes Problem. Die Fassfreunde, so nennen wir uns ja heute noch, waren ja für die politisch Verantwortlichen nicht so ganz geheuer: Einheitliche Kleidung, nichtsozialistische Kopfbedeckung, keine angemeldete Versammlung, singen von Trinkliedern u.v.m.. Auf so etwas musste immer ein Auge geworfen werden.
Zur Tradition gehört aber auch ein weiser Zylinder mit Unterschrift und Datum der Verheirateten.
Nun treffen wir uns schon über 50 Jahre. Aus allen Gegenden kommen wir jedes Jahr zusammen. Ein jedes Ehepaar zahlt seine Zeche selbst. Was sollen die Opas und Omas noch mit 50 Liter Bier anfangen. Unsere Kinder und Enkel sind die Kraftfahrer die uns sicher nach Hause bringen. Wir wollen hoffen, dass wir mit unseren Zylindern bei bester Gesundheit als die "Göllinger Fassfreunde" noch viele Jahre zusammen kommen können.
Manfred Haase






