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Jeder fünfte Chef ist eine Frau

Dienstag, 02. November 2010, 12:48 Uhr
Immer mehr Frauen sind eigenständig als Unternehmerin im Handwerk tätig. Wie der Zentralverband des Deutschen Handwerk (ZDH) mitteilte, wird bundesweit jede vierte Gründung im Handwerk (24 Prozent) heute von einer Frau vorgenommen. Wie es in Nordthüringen aussieht, das haben wir erfahren...


Mit dem Meisterbrief erwerben sie die beste Voraussetzung dafür. Jede fünfte Meisterprüfung (20,1 Prozent) wird inzwischen von einer Frau abgelegt. Zum Vergleich: 1991 lag der Frauenanteil bei den bestandenen Meisterprüfungen erst bei 11 Prozent.

In Nord- und Mittelthüringen, dem Handwerkskammerbezirk Erfurt, liegt der Frauenanteil im Handwerk ähnlich. 19,7 Prozent der handwerklichen Einzelfirmen werden von Frauen geführt. Der Anteil der Frauen an den Meisterprüfungen liegt bei 27,1 Prozent und damit über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Mit knapp 22 Prozent ist der weibliche Anteil an den Auszubildenden im Erfurter Kammerbezirk zwar leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt. Aber auch hier zeigt sich, dass junge Frauen schon lange nicht mehr nur in "typischen" Frauenberufen zu finden sind. In den Gesundheitshandwerken sind jungen Frauen überproportional vertreten. In technischen Berufen wie Kfz-Mechatroniker oder Anlagenmechaniker SHK oder auch Bauberufen sind Mädchen allerdings weiterhin eher die Ausnahme. Weibliche Lehrlinge zeigen hier indes in aller Regel überdurchschnittlich gute Leistungen und nehmen in der Folge oftmals Führungspositionen in den Unternehmen ein.

"Unser Ziel ist, künftig den Mädchenanteil in der Ausbildung technischer Berufe deutlich zu steigern. Hier spielen vielfach falsche Vorstellungen und historische gewachsene Vorurteile eine Rolle, warum sich junge Mädchen gar nicht erst mit einem technischen Beruf beschäftigen. Hier gehen noch zu viele Ressourcen verloren," erläutert Hauptgeschäftsführer Thomas Malcherek. Unter anderem im Rahmen der Berufsorientierung "Berufsstart plus" sollen Mädchen stärker die vermeintlichen Männerberufe kennen lernen. Darüber hinaus beteiligt sich die Handwerkskammer Erfurt seit vielen Jahren am Girls Day. "Wir wollen auch die Imagekampagne des Handwerks nutzen, um Mädchen die vielen Chancen technischer Berufe näher zu bringen", so Malcherek.

Nicht zuletzt die demografische Entwicklung in Thüringen erfordert es, dass alle Potentiale und Talente junger Menschen entdeckt und gefördert werden. Hierzu gehört es auch, die Berufsorientierung der Mädchen zu erweitern. Malcherek: "Das kann die Wirtschaft aber nicht allein leisten. Die Berufsberatung in den Schulen, die Heranführung an technische Themen und die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Karrierechancen in technischen Berufen sind eine gesellschaftliche Aufgabe. Hier sollten Schule, Wirtschaft und Politik noch enger zusammenarbeiten."
Autor: nnz

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