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"Sonderbares aus Sondershausen" (7)

Mittwoch, 03. November 2010, 07:01 Uhr
Unser Leser Eric Sommer nimmt in seinem neuen satirischen Beitrag das Thema Fernsehen und Gebühren aufs Korn und auch das Thema Hunde bezieht er mit ein. Wie das zusammenhängt? Lesen Sie selbst...

Nun ist es raus. Die Rundfunkkommission der Länder hat den Fernsehmuffeln den Kampf angesagt. Schließlich kann es nicht länger angehen, dass es immer noch Bürger gibt, die sich der medialen Einflussnahme zu entziehen suchen. Bisher war das Vorhalten eines Empfangsgerätes die Grundlage für die Gebührenerhebung. Diese Bedingung wird nun irrelevant und ab 2013 sollen alle für das Angebot öffentlich-rechtlicher Informationen zahlen, ob Sie dieses nutzen oder nicht.

Übertrüge man das Vorgehen etwa auf die Hundefrage, müsste nach der bisherigen Regelung jeder Bürger, der eine Hundehütte vorhält, Hundesteuer zahlen. Die Reform würde analog dazu führen, dass die Hundesteuer nun von allen Bürgern gleichermaßen zu tragen wäre, unabhängig vom Vorhandensein einer jeweiligen Hundehütte bzw. eines Hundes, wobei zudem die Zahl der Hunde keine Rolle mehr spielt.

Freilich, der Vergleich hinkt, denn die Minderheit der Hundehalter ist eine Majorität, bezieht man sie auf die Zahl der Nichtfernseher. Folglich ist kaum mit einem Aufschrei zu rechnen, wenn die neuen Regelungen umgesetzt werden und genau darauf baut wahrscheinlich die Reform. Auch hat der Nichtfernseher keine Lobby, es gibt keinen Nichtfernseherverein e.V. und keinen bundesweiten Dachverband, der sich länderübergreifend um die Interessen derer kümmert, die für sich beschlossen haben, den Zeitdieb und Verdummungsapparat namens Televisionsgerät aus ihren Haushalten zu verbannen. Im Gegenteil, die Fernseh-User werden den Schritt begrüßen, durch den nun endlich auch diejenigen zur Finanzierung mit herangezogen werden, die sich gewöhnlich während ihrer Freizeit in Fachgeschäften und Supermärkten herumdrücken, um die neuste Reality-show auf den dort ausgestellten Geräten zu verfolgen oder noch viel schlimmer, diejenigen die sich die Nase an anderer Leute Wohnzimmerfenster plattdrücken, um die 142. Folge der aktuellen Daily-soap nicht zu verpassen, wie es gerade in Sondershausen, vor allem in den oberen Stockwerken von Borntal und Hasenholz so oft zu beobachten ist.

In anderen Bereichen nennt man solche Abschöpfungsmodelle Solidargemeinschaft oder Anschluss- und Benutzerzwang, wobei ersteres nicht ganz zutrifft und letzteres in diesem Zusammenhang als recht fragwürdiger Konstrukt anzusehen wäre, dessen tiefere Motivation es näher zu betrachten lohnt.

Der Mechanismus ist eigentlich seit der Herausbildung von Ackerbau und Viehzucht im alten Zweistromland immer derselbe. Zunächst entfernt man den Menschen von seinen natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser, Nahrung, Energie oder eben auch Information, um dann, im zweiten Schritt eben diese unausweichlichen Bedürfnisse für eine Gegenleistung, etwa in Form von Arbeit oder Geld, zu befriedigen und dabei einen entsprechenden Mehrwert zu erzielen.

Offenbar will die nur rein spekulativ existierende Kapital-, Finanz-, und Machtverflechtung, um es mal unwissenschaftlich auszudrücken, nicht länger freiwillig auf die mediale Manipulation und Intensivierung der Ausbeutung der bisherigen Nichtfernseher verzichten. Dem Bürger wird das Recht abgesprochen, sich dem suggestiven Zugriff dieses Mediums zu widersetzen und wenn er es dennoch tut, so soll er dafür trotzdem zahlen. Eine mentale Falle ist hier aufgestellt, in die wohl auch der letzte Standhafte hineintappen und spätestens in zwei Jahren einen der neusten, flachen, kontrastreichen, buntbildrigen HDTV-3D-Supertechnologiezeitvernichtungsapparate erwerben wird.

Das ist Zwangsverfernsehung durch die Hintertür, denn Nichtfernseher sind auch nur Menschen und somit potentiell durch die Bildersucht gefährdet. Gehen sie doch mal ausgehungert in ihr Lieblingsrestaurante, bestellen ihr Lieblingsgericht, warten bis es serviert wird, nehmen eine Nase voll, bezahlen und verschwinden, ohne es angerührt zu haben wieder nach Hause. Falls sie charakterlich gefestigt sind, gelingt ihnen des womöglich. Andernfalls werden sie vielleicht doch noch ein ordentlicher Konsument und kurbeln so wenigstens die Wirtschaft an.

Wenn das Schule macht, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Womöglich ist das Ganze aber auch ein Test für die Umstellung des Autobahn-Mout-Systems um zunächst die PKW, dann die Landstraßenbenutzer, später die Füßgänger und schließlich auch die Stubenhocker abzukassieren. Das seitens der EU in die Kritik geratene staatlichen Lotto-System könnte somit ebenfalls endlich vom Kopf auf die Füße gestellt werden, denn wenn alle zwangseinzahlen, könnten womöglich auch die mal einen Lottogewinn verbuchen, die eigentlich gar kein Lotto spielen. Von dem Modell könnte letztlich vor allem der gesamte gemeinnützige Bereich profitieren, indem Mitgliedsbeiträge und steigende Kosten für Anglerverein, Golf-Club, Jagdgemeinschaft und Co. auf die Gemeinschaft umgelegt würden.

Am Ende bezahlt der Bürger auch noch die ihn umgebende Luft, ob er sie nun einatmet oder nicht.
Eric Sommer © ES
Autor: khh

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