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nnz-Wetterrückblick: Latente Energie

Mittwoch, 03. November 2010, 09:39 Uhr
Der Oktober 2010 begann zunächst schön, stimmte uns dann aber auf die graue, kühle, feuchte und dunkle Jahreszeit ein. Wie das nun aber ganz genau in den zurückliegenden vier Wochen in und um Nordhausen herum aussah, das Wetter, das erklärt die Expertin in der nnz...


Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Die mittlere Lufttemperatur auf dem Campus der FH Nordhausen betrug 9,2 °C. Damit liegt sie in der Größenordnung des langjährigen Mittelwerts (9,0°C) bzw. unter Berücksichtigung der innerstädtischen Stationslage leicht darunter. Damit ist der Oktober der fünfte Monat in 2010, der etwas zu kühl ist. Vergleicht man die bisherige Jahresmitteltemperatur mit dem langjährigen Mittelwert ist das Jahr bisher trotzdem etwas zu warm, was auf die sehr warmen Sommermonate Juni und Juli mit positiven Abweichungen von 5°C zurückzuführen ist (bisher 10,8°C zu 9,9°C).

Der Verlauf der Tageshöchsttemperaturen im Oktober zeigt in der ersten Monatsdekade noch warme Temperaturen, die die 20°-Marke mehrfach überschritten haben (Maximum 23,9°C am 06. Oktober). Um die Monatsmitte kommt es dann zu einer deutlichen Abkühlung – die 10°-Marke wird gerade noch erreicht. Der Oktober 2010 hat damit keinen Sommertag mehr zu bieten, wohl aber die ersten drei Frosttage mit Temperaturen unter 0°C (Oktober 2009: 3 Frosttage). Minus 1°C ist die tiefste Temperatur des Monats, gemessen am 23. Oktober in den frühen Morgenstunden.

Mit den sinkenden Temperaturen kehrte sich die Hauptwindrichtung um: Die warmen Oktobertage verdanken wir einer östlichen bzw. südöstlichen Strömung als Ergebnis von Hochdruckeinfluss, die sinkenden Temperaturen gingen dann mit einer Veränderung auf westliche bzw. nordwestliche Strömungen einher, die nun ozeanisch geprägte polare Luftmassen in Form von Tiefdruckgebieten zu uns brachten. Diese führten feuchtere Meeresluft mit sich, so dass es neben kühleren Temperaturen regnete. In der Summe waren es jedoch nur 10,3 mm, damit fielen nur 25% des Niederschlagsolls für Nordhausen.

Der Niederschlag fiel überwiegend als lang andauernder Landregen, gleichmäßig über einen Zeitraum von 3 Tagen (15. – 17. Oktober, 6,7 mm). Auch in der ersten und letzten Dekade fielen ein paar Tropfen vom Himmel. Mit dem fallenden Niederschlag wird übrigens eine gewisse Wärmemenge transportiert, die an einer leichten Temperaturerhöhung der Umgebungsluft abzulesen ist. Die durch Wasserdampf transportierte Energie wird auch als latente Energie bezeichnet, da sie nicht fühlbar ist. Bei der Kondensation des Wasserdampfes zu flüssigem Wasser (Regentropfen) wird diese latente Energie dann als Wärmeenergie freigesetzt (Kondensationswärme), die nicht nur die Luft, sondern nach Infiltration in den Boden auch diesen nachweislich erwärmt.

Es ist nachgewiesen, dass in Form von latenter Energie mehr Wärme nach Europa transportiert wird als durch den Golfstrom. Die Wärme, gebunden in Form der latenten Energie, entsteht beim Verdunsten erheblicher Wassermengen über den subtropischen Ozeanen.

Die Sonne hat uns mit 108 Stunden Sonnenschein verwöhnt, im trüben August und September waren es bis zu 14 Stunden weniger. 100 Stunden sind das Sonnen-Soll im Oktober für Nordhausen, astronomisch möglich wären für den 51. Breitengrad immerhin noch knapp 11 Stunden pro Tag. Die Globalstrahlung betrug 94 W/m², maximale Tageswerte lagen in der ersten Dekade noch bei 158 W/m², im grauen und letzten Monatsdrittel schaffte es der 19. Oktober immerhin auf 13 W/m².

Der Oktober reiht sich in die zu kühlen und zu trockenen Monate in Nordhausen ein. Das Niederschlagsdefizit des Jahres 2010 vergrößert sich weiter. Die Frage, die uns am meisten beschäftigt: Wie wird der Winter? Die Prognosen in den Medien schwanken zwischen eiskalt und wahrscheinlich wärmer. Ich schließe mich an und empfehle – einfach abwarten.
Dr.rer.nat. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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