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"Der gute Tod"

Montag, 15. November 2010, 14:29 Uhr
Nun ist diese Problematik auch in Nordhausen „angekommen“. Zumindest und unmittelbar bei den Zuschauern des Schauspiels unter diesem Motto im Theater Nordhausen. Wobei auch in der anschließenden Diskussion im Foyer des Theaters offen blieb, ob und wann der Tod „gut“ sein soll. nnz erlebte die Aufführung und die folgende Diskussion am Samstag und bietet einen recht subjektiven Eindruck.


Es geht in diesem Schauspiel um den letzten Abend des unheilbar krebskranken Bernhard Keller (ganz überzeugend verkörpert von Joachim Brunner), der sich entschlossen hat, seinem Leben und den damit verbundenen zermürbenden Schmerzen ein Ende zu setzen. Und es geht dabei gleichzeitig um das vor allem emotionale Verhalten seiner nächsten Angehörigen und Freunde an diesem Abend angesichts der Entscheidung und des nahenden Endes des totkranken Keller.

Das Theater Nordhausen war bei dieser zweiten von insgesamt drei Aufführung - nach der Nordhäuser Premiere am 5. November – doch recht gut besucht. Dem Thema nähert man sich ja trotz der schon so oft zitierten demographischen Entwicklung nach wie vor mit großer Scheu. Die große Bedeutung dieses Themas, die durch dieses Schauspiel angestoßen wird, betonte sogar Dompfarrer Richard Hentrich in seiner Predigt im sonntäglichen Hochamt im Dom. Nachdem er sich schon am Samstag an der Diskussion im Foyer des Theaters aktiv beteiligt hatte. Und seinen Zuhörern den Besuch der dritten Aufführung am 26. November recht angelegentlich empfahl.

Die Aufführung spielt in einem niederländischen Wohnhaus. Das Bühnenbild mit einer großen sachlich wirkenden Bücherwand im Hintergrund vermittelt die Vorstellung großer Raumtiefe, in dem das Verhalten der Angehörigen um den sterbenskranken Keller und seinem Entschluss, am Folgetag um 9 Uhr aus dem Leben zu scheiden, in einem Gegensatz steht, der durch seine emotionsgeladene, abwechselnd dramatische, dann wieder gefühlvolle, ja melancholische Art besonders eindringlich wirkt und die Zuschauer in ungeteilte Spannung versetzt. Dabei wirkt die schauspielerische Leistung aller Akteure so lebens- und wirklichkeitsnah, daß sie von einer Teilnehmerin an der folgenden Diskussion als „erschreckend echt“ bezeichnet wurde.

Die Handlung spielt also in den Niederlanden, wo sich Politik und Justiz der Problematik der Euthanasie aufgeschlossener zeigten als bisher in Deutschland und sie seit 2001 unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Der Mensch selbst darf demzufolge grundsätzlich entscheiden, wann er seinem Leben ein Ende setzen will. Und der unheilbar kranke Bernhard Keller hat seine Entscheidung getroffen, möchte aber im Kreise seiner Angehörigen diesen letzten Abend verbringen.

Und unwillkürlich entwickelt sich dieser Abend zu einem Bad der Gefühle mit der ganzen Palette zwischen Akzeptanz und Zustimmung zur Entscheidung des zum Tode Entschlossenen bis zur temporären Ablehnung. Zumal auch der Arzt und Freund des Bernhard Keller mit von der Partie ist, der am folgenden Morgen die tödliche Infusion vornehmen wird. Dieser wechselhafte Widerstreit der Meinungen unter den Anwesenden führt freilich zu keinem Ergebnis zum Thema Euthanasie, es geht stets um die emotionale Einstellung zum Vater, Geliebten oder auch Freund Bernhard Keller. Dass demzufolge nicht alle seinen Wunsch, in Würde zu sterben, respektieren können, ist dabei nur natürlich.

Die Beteiligten „trösten“ sich schließlich mit Alkohol und Musik und lassen damit den Abend zunehmend feucht-fröhlich verlaufen. Um am folgenden Morgen und wohl noch mit den Nachwirkungen des Abends, den letzten Akt, nämlich die Infusion durch den Arzt und dessen finale Konsequenz für Bernhard Keller mitzuerleben. Nachdem der doch zuvor noch äußerte, dass es seine Aufgabe sei zu Sterben, während der Tod die Aufgabe der anderen ist. Was wohl als Anstoß verstanden werden soll, sich dieser Problematik anzunehmen.


Die Zuschauer erleben dieses Sterben des Bernhard Keller auf der Bühne samt den unterschiedlichen Reaktionen seiner Angehörigen unmittelbar mit. Und sind damit ergo eingeladen, eine Einstellung dazu zu finden. Die Intendanz bietet dazu mit der jeweils anschließenden Diskussionrunde im Foyer des Theaters die Möglichkeit, an der man sich auch recht zahlreich beteiligte.

Nachdem man den Akteuren für ihre ganz ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen mit langanhaltendem Beifall Anerkennung und Dank zum Ausdruck brachte. Und die galt den Darstellern des Bernhard Keller (Joachim Brunner),

Michael Keller, seinem jüngeren Bruder (Markus Seidensticker), Ruben Keller, Bernhards jüngsten Bruder (Marcus Ostberg), Sam Keller, Bernhards Tochter (Laura Göttner), Hannah, Bernhards geliebte und Michaels Ex-Geliebte (Charlotte Ronas) und Robert, Freund und Bernhards Arzt (Horst Damm)

Alle Schauspieler nahmen auch an der Diskussion im Foyer des Theaters teil, die diesmal vom Intendaten Lars Tietje moderiert wurde. Kompetente Gesprächspartnerin war Gabriele Lipski, Seelsorgerin im Südharzkrankenhaus und Vorsitzende des Hospizverein Nordhausen. Die dritte und letzte Aufführung findet am 26.11.2010 statt.
Autor: nnz

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