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Vor 160 Jahren

Dienstag, 16. November 2010, 14:37 Uhr
„Wir, Friedrich Carl., Fürst zu Schwarzburg etc., verkündigen hiermit bezüglich der Einrichtung der Rechtspflege folgendes Gesetz“. Mit dem 20. Gesetz „wegen der künftigen Einrichtung der Rechtspflege“ vom 01.05.1850 beginnt die Geschichte des Amtsgerichts in Sondershausen, das in diesem Jahr nunmehr seinen 160. Geburtstag nach neuerer Zeitrechnung feiern kann. Dazu ein Beitrag von Richter Christian Kropp...

Amtsgericht in Sondershausen (Foto: privat) Amtsgericht in Sondershausen (Foto: privat)

Unter Friedrich Carl. II. (1835-1880) wurde nicht nur ein Strafgesetzbuch und eine Strafprozessordnung geschaffen, beides für die damalige Zeit aufgeklärte und moderne Gesetze. Der Fürst ließ bereits in den Jahren 1851-1854, also vor Errichtung der großen Justizpaläste ab 1870 in ganz Deutschland, durch seinen Landesbaumeister Carl Scheppig (1803-1885) zwei Gebäude errichten: ein durch seine klare, streng klassizistische Linienführung als Symbol der Gerechtigkeit ausgezeichnetes Gerichtsgebäude und ein Gefängnis, das als solches in Form eines Kastells mit vier zinnenbekrönten Ecktürmen leicht zu erkennen ist.

Während das Gefängnis als solches nur bis nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt wurde und dann für kurze Zeit als Kreisarchiv diente, wird das Gerichtsgebäude in der Kreisstadt und damit im Zentrum des Kyffhäuserkreises bis heute als solches genutzt. Das Gericht der Kreisstadt Sondershausen war dann im Übrigen von 1851 bis 1918 das Gerichtsgebäude des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen.

Übrigens wurde 1850 nicht nur das Amtsgericht Sondershausen gegründet, sondern auch andere Gerichte in der Schwarzburgischen Herrschaft wie das Amtsgericht Rudolstadt. Gleichzeitig haben die damaligen Landesherren Appellationsgerichte, heute Berufungsgerichte, in Weimar und Eisenach geschaffen - der Beginn des modernen Justiz und Rechtsentwicklung in Thüringen.

Nach der politischen Wende in Deutschland waren Gericht, Staatsanwalt und staatliches Notariat in dem Gebäude an der Ulrich-von-Hutten-Straße untergebracht. Mit 12 Mitarbeitern war der spätere Direktor des Gerichts, Volker Bressem, zeitweise der einzige Richter vor Ort. Verstärkung kam dann aus den alten Bundesländern. Besonders das Amtsgericht Fürth/Odenwald half mit Personal aus. Bis 1996 wurde das Gerichtsgebäude aufwändig renoviert und restauriert.

Bilder des Gebäudes aus diesen Jahren zeigen, dass bauliche Maßnahmen am und im Gericht dringend erforderlich waren und welchen geringen Stellenwert Justiz in den Zeiten der DDR hatte. Federführend für die Renovierungsarbeiten war die damalige Amtsgerichtsdirektorin Hilke Sabel. Das Haus genügt auch dank modernster Technik nunmehr den Anforderungen der heutigen Zeit. Die großzügigen Räumlichkeiten des Amtsgerichts Sondershausen bringen es mit sich, dass das Gericht immer wieder auch zur Ausstellung von Kunstwerken genutzt wird.

Eine große Veränderung erfolgte 2007 als in das Gerichtsgebäude der Kreisstadt das Amtsgericht Artern aufgenommen wurde. Am 1. April 2006 war das Thüringer Gesetz zur Änderung von Gerichtsstandorten in Kraft getreten, wonach für einen Landkreis nur noch ein Amtsgericht zuständig sein sollte. Mit dieser Strukturreform sollte die Arbeitsfähigkeit der Thüringer Amtsgerichte auf lange Sicht gewährleistet werden.

Am 29.10.2010 hat das Gericht auf Veranlassung seines Direktors, Volker Bressem, in einer ganztägigen Festveranstaltung des 20. Jahrestages der politischen Wende in Deutschland gedacht, ohne die Veränderungen der letzten Jahre gar nicht möglich gewesen wären.

Jetzt arbeiten sieben Richter in der Kreisstadt, über 40 Bedienstete zählt das Gericht insgesamt. Der Kyffhäuserkreis verfügt somit über ein modernes Gericht, dessen Gebäude in der restaurierten Form als eines der schönsten Gerichtsgebäude in Thüringen gilt.
Christian Kropp
Autor: nnz

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