kyffhaeuser-nachrichten.de

750 Jahre Knappschaft

Donnerstag, 18. November 2010, 07:03 Uhr
Von der Solidarität der Bergleute berichtet unserer Leser Hans-Jürgen Schmidt, der schon viele Beiträge zum Thema Bergbau bei kn brachte. Dieses Mal geht es um 750 Jahre Knappschaft...

In diesem Jahr begeht die Knappschaft ihr 750-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund soll einmal auf die Solidarität der Bergleute hingewiesen werden, die schon seit dem Mittelalter ein Begriff ist. Die Solidarität der Bergleute steht für Hilfe und Unterstützung.

In einer Urkunde des Hildesheimer Bischhofs Johann I. Brakel wird 1260 zugesichert der Sankt Johannes Bruderschaft am Rammelsberg bei Goslar einer Unterstützung kranker und verletzter Bergleute zu gewähren. Immerhin wurde am Rammelsberg Silber abgebaut. Um 1450 wurde erstmals der Begriff "Büchsengeld" in den Dokumenten erwähnt. Die "Bruderschaft der "Heiligen Dreifaltigkeit" der Altenberger Knappschaft im Erzgebirge beschließt die wöchentliche Zahlung eines Büchsenpfennigs zur Unterstützung verunglückter Knappschaftsmitglieder und ihrer Angehörigen.

Verwalter der Einnahmen waren die "Ältesten" der Bruderschaft. Diese Methode der Solidarität setzte sich in alle Gebieten mit einer Bergbautätigkeit durch. So auch im Mansfeldischen. Dort wird in einem Bericht zu der "Mansfeldischen Bergbüxen" aus dem Jahre 1658 gesagt: "Die lieben, alten Vorfahren haben aus wohlmeinenden Herzen verordnet, daß ein jeder Bergmann, Knecht und Junge, so auf dem Berge arbeiten, wie auch alle Hüttenvoigte, Schmelzer und andere, auch die in den Schächten, Halden, Schieferläder und Hohlknechte wöchentlich und alle Lohnzeiten 1, 2 oder 3 Pfennige einlegen sollten...." Dies mündetet in das Knappschaftswesen ein, dass zum Beispiel im Jahre 1794 vom preußischen Staat als allgemeines Landesrecht übernommen wurde. Darin ist festgelegt, das die Knappschaftsältesten frei gewählt werden. Heute ist das Knappschaftswesen in der Bundesknappschaft integriert.

Bei der Antragstellung auf eine Rente und der Betreuung der Rentner sind wieder die Knappschaftsältesten zu ständig. Heute heißen sie Versichertenältesten, da die Knappschaft heute Knappschaft Bahn See heißt und somit nicht nur Bergleute betreut werden. Der Versichertenälteste ist der Mittler zwischen den Rentner und der Bundesknappschaft. Sie werden auf 6 Jahre im Rahmen der Sozialwahlen gewählt. Es ist eine sogenannte Friedenswahl, d.h. wenn gegen die namentliche Aufstellung der Versichertenältesten, die bei der IG BCE ausliegt, keinen Widerspruch besteht, ist er gewählt. Die Tätigkeit des Versichertenältesten ist ehrenamtlich. Er erhält nur eine Aufwandsentschädigung. Im Bereich des Südharzes sind die Versichertenältesten der Geschäftsstelle der Bundesknappschaft in Sondershausen angegliedert. Es sind für den Bereich Sondershausen: Konrad Peisker (Großfurra), Wolfgang Herzog, Uta Weiss, Horst Brauner, Bernd Börold (Jecha), Karl-Heinz Rausch.

750 Jahre Knappschaft (Foto: Hans-Jürgen Schmidt) 750 Jahre Knappschaft (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)

Versicherungsältester Karl-Heinz Rausch, der in seiner Wohnung in der J.-Ries-Str. seine Sprechzeiten organisiert. Er ist ein begeisterter Anhänger des Schachsports. Foto: Schmidt

Die 24 Mitarbeiter der Geschäftsstelle betreuen zur Zeit alle Versicherten der Knappschaft des ehemaligen Bezirks Erfurt und den Altkreis Artern, außer Bereich Eisenach. Die Krankenversicherung für die Bergleute ist ebenfalls bei der Bundesknappschaft angelegt. Inzwischen kann jeder der Knappschaft beitreten, Der Versicherungsbeitrag betrug im November 2002 12,9 %. Im Jahr 2011 werden es 15,5 % sein.
Im Verantwortungsbereich der Geschäftsstelle in Sondershausen gibt es 28 Sprengel, wo jeweils ein Versicherungsältester tätig ist. Die Organisation der Arbeit im Bereich seines Sprengels ist dem Versicherungsältesten überlassen. Die Bergbaurentner stellen im Geschäftsbereich der Bundesknappschaft in Sondershausen 80 % aller Versicherten.

750 Jahre Knappschaft (Foto: Karl-Heinz Rausch - Knappschaft) 750 Jahre Knappschaft (Foto: Karl-Heinz Rausch - Knappschaft)

Briefmarken zur Knappschaft Quelle: Rausch - Knappschaft

Man kann sagen, dass ein Bergmann, der eine Rente bezieht, einen sozial abgesicherten Lebensabend verbringen kann, zumal eine Witwenrente immer als Basis die Rente eines Bergmanns hat. Die Bergbaurentner stellen im Gebiet des Südharzes eine nicht zu unterschätzende Kaufkraft da, so dass man von der letzten positiven Auswirkung des Kalibergbaus im Südharz auf das Territorium bezogen sprechen kann.
Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de