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Zum Barbarafest

Sonntag, 28. November 2010, 07:45 Uhr
Gedanken zum bevorstehenden Barbarafest in den Bergmannsvereinen in Thüringen machte sich unser Leser Hans-Jürgen Schmidt...

Wenn Anfang Dezember jeden Jahres die Bergleute der Heiligen Barbara gedenken und diesen Tag feierlich begehen, meist organisieret von Bergmannsvereinen, so auch in Thüringen, kommt man nicht umhin, einige Gedanken zur Heiligen Barbara darzulegen. Ursprünglich war die Heilige Barbara die Beschützerin bei Unwettern und bei Blitzschlag.

Mit der Erfindung des Schwarzpulvers übernahmen zuerst die Artilleristen sie als Märtyrerin zur Patronin, da durch einen Kanonenabschuss ein künstlicher "Blitz und Donner" hervorgerufen wurde. Als im 16./17. Jahrhundert erstmals unter Tage der Sprengstoff zum Einsatz kam, wurde die heilige Barbara zur Schutzheiligen der Bergleute. So kann man zur Bergbaugeschichte der Slowakei folgendes nachlesen:
Im Sommer 1764 wurde in Bratislava (Preßburg) der ungarische Landtag abgehalten.

Am Wiener Kaiserhof wurde bestimmt, dass an diesem der Kronprinz Joseph und sein jüngerer Bruder, Erzherzog Leopold, teilnehmen sollten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch beschlossen, dass die beiden die Bergwerke, Hütten und Aufbereitungsanlagen in den freien Bergstädten Schemnitz, Kremnitz und Neusohl besichtigen sollten, denn bereits im Jahre 1627 wurde das Schießpulver zum Sprengen der Gesteine eingesetzt und auf andere Montanreviere verbreitet. In Nova Bana (Königsberg) wurde in den Jahren 1721?1722 die sogenannte Feuermaschine oder atmosphärische Dampfmaschine aufgestellt. Es war die erste in Europa.

Und nicht zuletzt wurde in Banska Stiavnica in den Jahren 1762 bis 1764 die Bergakademie gegründet. Das hatte zur Folge, dass die Schemnitzer Bergbeamten beauftragt wurden, eine gründliche Darstellung des gesamten Bergwesens in den erwähnten Bergstädten zu verfassen und diese in Form eines Buches, welche sie spätestens bis Mitte Mai 1764 nach Wien zu schicken hatten. Dieser Auftrag wurde ausgeführt, so dass eine Dokumentation des Bergbaus in der Slowakei erarbeitet wurde, aus der man sich heute ein Bild zum Bergbau in der damaligen Zeit machen kann.

Damit ist auch gesagt, dass die Funktion als Schutzheilige der Bergleute vermutlich zuerst in den katholischen Bergbaugebieten Osteuropas als Barbaraverehrung in Betracht kam. Genau kann man es durch die Quellen nicht belegen. Das sächsische Bergbaurevier im Erzgebirge kommt ebenso in Betracht wie Böhmen, Ungarn (Banska Stiavnica, damals Schemnitz, gehörte zu Ungarn) oder die Bergbauregionen im Alpenraum. Doch vieles spricht für Kuttenberg, das in der Entwicklung des Bergbaus eine Ausnahmestellung einnimmt. Wurden doch durch die bergmännische Symbolik bzw. Emblemantik als auch durch die bergbauliche Kunst Impulse gesetzt.

So wurde in Kuttenberg eine Bergkirche errichtet und der Heiligen Barbara gewidmet. Der Dom der heiligen Barbara wurde durch die Prager Hofbauhütte im Stil der Gotik errichtet. Im Gegensatz zur Kirche des Heiligen Jakob orientiert sich die Architektur an französischen Vorbildern. Der Baubeginn war 1403, nach Bauunterbrechung durch die Hussitenkriege wurde der Bau 1512 abgeschlossen. Die Westfassade ist eigentlich ein Provisorium, da das Kirchenschiff ursprünglich deutlich länger geplant war. Das charakteristische dreispitzige Dach wurde erst im 19. Jahrhundert aufgesetzt. Der Dom ist der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, geweiht Es war die erste große Bergkirche des Abendlandes. Somit ist die Heilige Barbara die Patronin einer ganzen Berufsgruppe von Polen bis Spanien und somit auch in Deutschland.

Von der Legende her war Barbara die Tochter des reichen Dioscuros von Nikomendien, der nicht wollte, dass sie sich zum Christentum bekannte. So offenbarte sie dem Vater, der von einer Reise zurückgekommen war, dass sie getauft und somit eine Christin sei. Der Vater wollte sie erschlagen, aber sie kann fliehen. Ein Felsspalt öffnete sich, damit sie sich verbergen konnte. Von einem Hirten verraten, der darauf zu Stein und dessen Schafe zu Heuschrecken verwandelt wurden, findet sie der Vater. Er schleppt sie gefesselt an den Haaren zum heidnischen Marcianus, der sie zuerst geißeln lässt. Sie spricht vom Geißeln "als ob es Pfauenfedern" gewesen seien. Nachts erscheint ihr Christus im Gefängnis, um ihre Wunden zu heilen. Der erbitterte Stadthalter lässt sie nun mit Keulen schlagen und folterte sie auf grausame Weise. Als er sie entkleidet auf dem Marktplatz umhertreiben und peitschen lassen will, erscheint auf Barbaras Gebet ein Engel und hüllte sie in ein leuchtendes Gewand.

Den Befehl, sie nun mit dem Schwert hinzurichten, führte der Vater selbst aus. Er wird darauf von einem Blitz getötet.
Soweit die Legende. Die Heilige Barbara gehört somit seit dem 14. Jahrhundert zu den am häufigsten dargestellten Heiligen. Meist wird sie gekrönt, mit Kelch und Hostie sowie einem Turm dargestellt, da sie darin eingesperrt war. Weitere Attribute können Schwert Palmenzweig und Pfauenfedern sein.
Die heilige Barbara gilt heute auch als Schutzpatronin der Glockengießer und Glöckner sowie der Architekten.
Text und Fotos: Hans-Jürgen Schmidt
Sondershausen

Bildtexte:
  • Bild1: Die Heilige Barbara - sie steht auf dem Hof vor dem Eingang zur Ackersohle
  • Bild 2: Die Heilige Barbara - sie steht im sogenannten Salzsee des Erlebnisbergwerkes in zirka 760 m Teufe (Tiefe)
  • Bild 3: Das Bild zeigt wie die Heilige Barbara gefoltert wurde.: Quelle: Bergbaumuseum Bochum
  • Bild 4 bis 6: Kirche in Kutna Hora (Kuttenberg),der heiligen Barbara gewidmet: Quelle: Wikipedia

Autor: khh

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